Kritik der Grünen

“Sehr geehrter Herr Oberrauch, so bitte nicht!”

Freitag, 01. Juli 2022 | 12:05 Uhr

Bozen – Felix von Wohlgemuth von den Südtiroler Grünen übt in einem offenen Brief Kritik am Unternehmerverbandspräsident Heiner Oberrauch in Bezug auf dessen Äußerungen zur öffentlichen Verwaltung.

Gestern haben Sie eine doch sehr kreative Lösung für den Arbeitskräftemangel in Südtirol aus dem sprichwörtlichen Hut gezaubert. Die öffentliche Verwaltung solle doch einfach verschlankt werden, dann würden Arbeitskräfte für die Privatwirtschaft frei.

Nun, Sie haben bereits in der Vergangenheit mehrfach die Auffassung vertreten, dass es in Südtirol „zu viele Beamte“ gebe und hier dringender Reformbedarf bestünde. Diese populistische Vereinfachung kann und darf nicht unwidersprochen bleiben. Wie viele Unternehmer:innen unterliegen Sie offensichtlich dem Trugschluss – und verbreiten diesen auch noch weiter – dass bürokratische Hürden den „faulen“ Beamt:innen anzulasten wären. Aber bürokratische Vorschriften werden von der Politik festgelegt und müssen von den Mittarbeiter:innen der öffentlichen Verwaltung oft kopfschüttelnd umgesetzt werden.

Ihre Kritik und Vorschläge sind somit ein Schlag ins Gesicht von tausenden Mitarbeiter:innen, welche täglich ihr Bestes geben, um den „Landen“ am Laufen zu halten. Es darf auch nicht vergessen werden, dass die öffentliche Hand selbst personell selbst massiv unterbesetzt ist und die anstehende Pensionierungswelle auch hier zu schwer lösbaren Problemen führen wird.

Die fehlenden Arbeitskräfte sind – und hier wäre doch auch mal ein klares „mea culpa“ angebracht – nicht zuletzt auf eine falsche Wirtschaftspolitik der letzten Jahre zurückzuführen. Wirtschaftsverbände – auch der Ihre – haben durch massive Einflussnahme auf die Politik ihre Interessen durchgedrückt; Interessen, welche leider allzu oft nicht jene der Arbeitnehmer:innen widerspiegeln. Mir wäre es jedenfalls entgangen, dass sich die Wirtschaft z.B. beim Raumordnungsgesetz für leistbaren Wohnraum eingesetzt hätte. Ebenso wäre mir neu, dass „die Wirtschaft“ u.a. eine zeitgemäße Kinderbetreuung und Familienförderungen gefordert hätte.

Womöglich erkennen Sie, dass mit dem Wort „Standortvorteil“ im Jahr 2022 nicht nur günstige Baugründe, Infrastruktur und steuerliche Entlastung für Unternehmen gemeint sind, sondern eben auch umfassende Sozialleistungen, gerechte Löhne, günstige Mietwohnungen, vollkommen kostenlose Bildungsangebote, Kinderbetreuungsplätze, effiziente und egalitäre medizinische Versorgung – sprich: dass Investitionen in den Sozialbereich und Familien die beste Wirtschaftsförderung sind.

Ich freue mich daher auf Ihren künftigen Einsatz für eine soziale Marktwirtschaft, welche diesen Namen auf verdient. Profitieren würden alle davon – Unternehmen und Mitarbeiter:innen.

Mit freundlichen Grüßen

Felix von Wohlgemuth

 

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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4 Kommentare auf "“Sehr geehrter Herr Oberrauch, so bitte nicht!”"


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Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 6 Tage

…meine lieben Grünen, dass die Verwaltung unnötig aufgebläht ist, ist nicht Schuld der Unternehmen, sondern der Politik…ihr wärmt eure Hintern auch auf Politikersessel…grüne Unternehmer gibt es eher wenige…

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

Der Herr Oberrauch hat absolut recht!

sixtus
sixtus
Tratscher
1 Monat 6 Tage

Es kann nicht sein, dass wir ein Heer von Beamten versorgen müssen. Wir brauchen doch nicht deutsche und italienische Resorts. Und wie man alles schlanker und sparen kann.

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 5 Tage

ausgerechnet die Grünen!So nicht ,Ihr Grünen!!

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