Kritik in russischen Medien wird laut

Selenskyj bezeichnet Annexionen als “bedeutungslos”

Montag, 03. Oktober 2022 | 08:55 Uhr

Kiew – Nach den jüngsten Erfolgen seiner Armee bei der Rückeroberung zwischenzeitlich besetzter Gebiete hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Annexionen durch Russland als bedeutungslos bezeichnet. „Sobald die ukrainische Flagge zurückgekehrt ist, erinnert sich niemand mehr an die russische Farce mit irgendwelchen Papieren und irgendwelchen Annexionen“, erklärte Selenskyj in seiner Videoansprache in der Nacht auf Montag.

Zuvor war bekannt geworden, dass russische Truppen gezwungen waren, die strategisch wichtige Kleinstadt Lyman im östlichen Gebiet Donezk aufzugeben. Die Ukrainer haben dort nun wieder die Kontrolle.

Kremlchef Wladimir Putin hatte am vergangenen Freitag neben Donezk auch die ukrainischen Gebiete Luhansk, Saporischschja und Cherson annektiert. Die Einverleibung von Regionen, die Russland zum Teil nicht einmal erobert hat, gilt als völkerrechtswidrig und wird international nicht anerkannt.

Das renommierte „Institute for the Study of War“ beobachtet unterdessen nach den Niederlagen Russlands in Lyman und Charkiw und dem Scheitern der Teilmobilisierung eine „grundlegende Veränderung im russischen Informationsraum“. Vom Kreml kontrollierte Medien und russische Militärblogger würden offen den Verlust von Lyman beklagen und gleichzeitig die bürokratischen Fehler der Teilmobilisierung kritisieren, schreiben die Experten. Außerdem werde die mangelnde Transparenz im Kriegsverlauf öffentlich bemängelt.

Im staatlich kontrollierten Sender NTW wurde sogar Putins Entscheidung kritisiert, die vier ukrainischen Oblaste zu annektieren, bevor deren Verwaltungsgrenzen oder sogar die Frontlinie gesichert waren. An der Fähigkeit Russlands, diese Gebiete jemals vollständig zu besetzen, seien laut Zweifel geäußert worden, heißt es im Bericht.

Auch aus ihrer Enttäuschung über die Durchführung der Teilmobilisierung würden die „Propagandisten des Kremls“ keinen Hehl mehr machen. So werde von einer illegalen Mobilisierung einiger Männer gesprochen und die schlechte Qualität der Reservisten kritisiert. Das russische Verteidigungsministerium bleibt hingegen bei seiner Darstellungen, wonach die Lage allgemein unter Kontrolle sei.

An der Grenze zum Nachbarland Georgien sind 180 wehrpflichtige Soldaten gestoppt worden. Sie versuchten, ihrer Wehrpflicht zu entkommen und auszureisen. Den Männern ist direkt am Grenzübergang ein Einberufungsbescheid übergeben worden. Die Rekruten müssen nun ein Training in den “hinteren Gebieten” der Front absolvieren, wie das russische Verteidigungsministerium erklärte. Zuvor hieß es noch, dass frisch einbezogene Männer zuerst nicht ins Kriegsgebiet geschickt würden.

Von: mk

Kommentare

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3 Kommentare auf "Selenskyj bezeichnet Annexionen als “bedeutungslos”"


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inni
inni
Universalgelehrter
1 Monat 23 Tage

Die Glorifizierung ihres Führers lässt langsam nach bei den Russen und schlägt langsam ins Gegenteil um.

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 22 Tage

Das wird aber auch Zeit.
Wenn man selbst, oder die eigenen Kinder, in den Krieg ziehen muß, dann lässt die Begeisterung bei den meisten ganz schnell nach.
Besonders, wenn man nicht so genau weiß, warum man in der Ukraine sterben soll.

NaSellSchunSell
NaSellSchunSell
Superredner
1 Monat 22 Tage

wird auch Zeit!

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