Politik-Neuling Wolodymyr Selenskyi

Selenskyj erhält 73 Prozent bei Präsidentenwahl in Ukraine

Montag, 22. April 2019 | 16:19 Uhr

Nach dem Triumph des Politikneulings Wolodymyr Selenskyj bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine hofft der Westen auf Reformen und eine friedliche Lösung der Konflikte in dem Land. Der Schauspieler und Komiker gewann nach vorläufigen Wahlergebnissen rund 73 Prozent der Stimmen. Amtsinhaber Petro Poroschenko kam auf nur rund 24 Prozent und räumte noch am Wahlabend seine Niederlage ein.

“Ich werde euch niemals im Stich lassen”, versprach der 41-jährige Wahlsieger den Ukrainern. “Als Bürger der Ukraine kann ich allen post-sowjetischen Ländern sagen: ‘Schaut auf uns! Alles ist möglich!'” Kritiker werfen dem Politikneuling, der bisher vor allem durch seine Filmrollen bekannt ist, einen unklaren Kurs vor. Zudem sei er nur die Marionette des Oligarchen Igor Kolomoiski, einem mächtigen Gegenspieler Poroschenkos. Selenskyj bestreitet dies.

Für die Ostukraine, in der Regierungstruppen seit Jahren gegen von Russland unterstützte Separatisten kämpfen, kündigte er nun neue Friedensgespräche an. Er werde “die Minsk-Gespräche fortsetzen, sie neu aufnehmen”. Zudem versprach er, für die Rückkehr derjenigen Ukrainer zu sorgen, die in den von Separatisten kontrollierten Gebieten und in Russland festgehalten würden. Seit Beginn des Konflikts wurden rund 13.000 Menschen getötet.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte Selenskyj ihre Unterstützung zu. Die deutsche Bundesregierung werde der Ukraine “insbesondere in ihrem Recht auf Souveränität und territoriale Integrität” zur Seite stehen. Merkel mahnte aber auch Reformen der Justiz, der Dezentralisierung und der Korruptionsbekämpfung an. Auch der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) erklärte, Deutschland werde “eng an der Seite der Ukraine stehen”, um die Umsetzung von Reformen zu unterstützen.

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk sagten Selenskyj in einem gemeinsamen Brief die Unterstützung der EU im Konflikt um die “Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität” der Ukraine zu. EU und NATO bekräftigten nach dem Wahlsieg des Komikers ihren Willen zu einer guten Zusammenarbeit. Glückwünsche für Selenskyj kamen auch von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda, dem britischen Außenminister Jeremy Hunt und der US-Botschaft in Kiew.

Russland, das 2014 die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim annektiert hatte, zeigte sich zurückhaltend. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte in Moskau, es sei “zu früh”, um über eine mögliche Zusammenarbeit zu sprechen. Darüber könne nur anhand konkreter “Taten” Selenskyjs entschieden werden.

Auf Selenskyj warten gigantische Herausforderungen: Neben dem Konflikt um die Ostukraine mit Russland auch die Wirtschaftskrise und die grassierende Korruption. Die westlichen Partner der Ukraine dürften sehr genau verfolgen, wie der politisch unerfahrene 41-Jährige seine Aufgaben angehen wird. Er hat versprochen, den pro-westlichen Kurs seines Vorgängers fortzusetzen.

Der unterlegene Poroschenko kündigte an, den künftigen Präsidenten in der Übergangsphase zu unterstützen. Zugleich bekräftigte der 53-Jährige, er werde sich “nicht aus der Politik zurückziehen”.

Mit Selenskyj gewinnt einmal mehr ein Anti-System-Kandidat eine wichtige Wahl. Sein Erfolg zeigt das große Misstrauen der Ukrainer in die Politiker des Landes. Als Staatschef hat der 41-Jährige zwar eine sehr starke Stellung – allerdings verfügt er bisher über keine Parlamentsmehrheit. Die Parlamentswahlen sind bisher erst für den 27. Oktober vorgesehen.

Die Leiterin der Wahlbeobachtungsmission des Europäischen Parlaments in der Ukraine, Rebecca Harms, sprach von einer “friedlichen und geordneten” Präsidentschaftswahl. Sie und die anderen Mitglieder der EU-Parlamentsdelegation hätten “keine Vorfälle” beobachtet, teilte sie am Montag mit. Auch OSZE-Wahlbeobachter zogen ein positives Fazit. Bei der “pluralistischen” Wahl seien “grundlegende Freiheiten” respektiert worden.

Von: APA/dpa

Kommentare

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10 Kommentare auf "Selenskyj erhält 73 Prozent bei Präsidentenwahl in Ukraine"


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denkbar
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Kinig
1 Monat 3 Tage

Er kündigt sich als Friedensbotschafter an! Man kann ihm nur wünschen, dass ihm das gelingt.

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 2 Tage

Achso… dann war sein Vorgänger ein kriegsbotschafter in Namen des Westens ? Euch ist schon bewusst dass wir hir von 3 von 4 ukrainischen Bürger sprechen, oder? Ihr die immer die russen vertäufelt habt für das unrecht dort! Nur das volk spricht aber eine ganz andere Sprache wie die westliche Politik und Propaganda. Es hat den Übeltäter, trotz seine Macht , abgewählt. Kann man eigentlich einen nichthewählten abwählen?? Oder wurde er jetzt sozusagen gestürzt?

typisch
typisch
Kinig
1 Monat 2 Tage

Gegebenefalls kann man ihn ja mit friedliche demonstrationen wieder verjagen mit hilfe von klitschko

zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Laut Experten wird sich in der Ukraine kaum etwas ändern. Es wurde geklaut und es wird geklaut, nur die Diebe werden andere. Die “anti-russische” Politik und auch der “pro-westliche” Kurs bleiben bestehen. Das ganze Theater verlängert sich aber bis ende Oktober, dann wird ein neues Parlament gewählt. Gegenwärtig hält P. Poroschenko die Mehrheit im Parlament. W. Selenskyj also ein Präsident ohne Regierung und ohne Parlamentsunterstützung. Instabilität ist daher weiterhin garantiert in der Ukraine.

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 2 Tage

Gegenwärtig? Dieser Herr wurde gar nie gewählt. Schon vergessen? 75% sind gegen ihn! Und du meinst er erreicht die Mehrheit bei den nächsten Wahlen? Du bist ja lustig.

typisch
typisch
Kinig
1 Monat 2 Tage

@Mistermah
Gegebenfalls taucht wieder mal klitschko auf

Zugspitze947
Zugspitze947
Tratscher
1 Monat 3 Tage

wenn das mal gut geht 🙁

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 2 Tage

Schlechter wie Bürgerkrieg und nazis an der Macht?

Dolomiticus
Dolomiticus
Tratscher
1 Monat 3 Tage

So mein lieber Komiker: jetzt wirds lustig, denn jetzt ist Schluss mit lustig!

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Superredner
1 Monat 1 Tag

Putin freut sich, im Gegensatz zu Europa

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