Ukraines Präsident Selenskyj spricht per Video bei WEF Davos

Selenskyj kritisiert internationales Zögern bei Hilfe

Mittwoch, 18. Januar 2023 | 23:24 Uhr

Bald elf Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj der internationalen Gemeinschaft zu langes Zögern vorgeworfen. “Die Zeit, welche die freie Welt zum Denken benötigt, wird vom Terrorstaat (Russland) zum Töten genutzt”, sagte Selenskyj am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos in einer Videoansprache. Aktuell gehe es insbesondere darum, Russland bei dessen militärischer Mobilmachung zuvorzukommen.

Selenskyj forderte: “Die Belieferung mit westlichen Kampfpanzern muss einer nächsten Invasion mit russischen Kampfpanzern zuvorkommen.” Das betreffe auch die Bereitstellung von Flugabwehrsystemen. Diese müssen vor den “nächsten russischen Raketenangriffen kommen”. An diesem Freitag trifft sich in Ramstein im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz die internationale Ukraine-Kontaktgruppe. Dabei geht es auch um weitere militärische Hilfe für das angegriffene Land.

Selenskyj kritisierte, dass nach dem russischen Überfall am 24. Februar 2022 mehrere Tage verstrichen seien, bevor die ersten Sanktionen verhängt wurden. Im Jahr 2014 sei auf die russische Annexion der Krim noch zögerlicher reagiert worden. “Die Welt darf weder heute noch irgendwann zögern”, mahnte Selenskyj. Russland kontrolliert einschließlich der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim gut 18 Prozent des ukrainischen Territoriums. Für eine erfolgreiche Gegenoffensive zählt Kiew auf die Lieferung Hunderter Kampfpanzer aus dem Westen.

Die Beratungen der westlichen Alliierten über die mögliche Lieferung von Kampfpanzern an die Ukraine dauern an. Am Rande des WEF in Davos erklärte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, die Ukraine werde schwerere Waffen für den Kampf gegen Russland erhalten. Es handle sich um einen Kampf für die eigenen Werte und die Demokratie.

Stoltenberg verwies darauf, dass es auch für die NATO sehr gefährlich wäre, wenn Putin diesen Krieg gewänne. Denn erhielten andere autoritäre Herrscher die Botschaft, dass sie mit brutaler Gewalt bekämen, was sie wollten. “Dadurch wird die Welt gefährlicher und wir verwundbarer.” Waffenlieferungen seien in diesem Fall der Weg zum Frieden.

Der einzige Weg zu einem Friedensabkommen sei, Putin davon zu überzeugen, dass er auf dem Schlachtfeld nicht gewinnen könne. Man befinde sich in einem “ausschlaggebenden Moment des Krieges”. Es brauche eine “signifikante Steigerung” der Waffenlieferungen.

Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz hielt sich in Davos bezüglich der Frage von Leopard-Kampfpanzer-Lieferungen an die Ukraine bedeckt, betonte aber, dass die Absprache mit den USA entscheidend für ihn sei. Man müsse aufpassen, dass sich der Krieg nicht in eine Auseinandersetzung zwischen Russland und der NATO entwickle.

Am Dienstag hatte Scholz mit US-Präsident Joe Biden telefoniert. Nach Informationen der “Süddeutschen Zeitung” stellte Scholz dabei klar, dass Deutschland nur liefern könne, wenn die USA ihrerseits der Ukraine Kampfpanzer vom Typ Abrams zur Verfügung stellen. Biden habe sich in dem Gespräch am Dienstag offenbar noch nicht festgelegt.

Auch die “Bild”-Zeitung meldete unter Berufung auf Regierungskreise, Scholz wolle sowohl deutsche Leopard-Lieferungen zulassen als auch NATO-Partnern dies erlauben – wenn auch die USA Abrams-Panzer zur Verfügung stellten. Dem Bericht zufolge geht es Scholz darum, dass Europa und die USA Kampfpanzer nur gemeinsam an die Ukraine geben, damit der russische Präsident Wladimir Putin die NATO nicht spalten könne.

Die USA lehnen eine Lieferung des Kampfpanzers Abrams an die Ukraine derzeit ab. US-Verteidigungsstaatssekretär Colin Kahl sagte, der Abrams-Panzer sei ein “sehr kompliziertes” Rüstungsgut. Er sei teuer, erfordere eine schwierige Ausbildung und verbrauche mit seinem Turbinenantrieb sehr viel Treibstoff. “Es ist in der Wartung nicht das einfachste System.” US-Verteidigungsminister Lloyd Austin wolle den Ukrainern keine Waffen liefern, “die sie nicht reparieren können, die sie nicht unterhalten können und die sie sich langfristig nicht leisten können, weil das nicht hilfreich ist”, sagte Kahl weiter.

Am Freitag finden im Rahmen des sogenannten Ramstein-Formats Beratungen der westlichen Verteidigungsminister statt, an denen dann auch der neue deutsche Amtsinhaber Boris Pistorius teilnimmt. Das Europaparlament wiederum forderte Scholz am Mittwoch auf, Lieferungen von Leopard-Kampfpanzern an die Ukraine zu ermöglichen. Die Abgeordneten stimmten in Straßburg einem entsprechenden Antrag der Grünen mit großer Mehrheit zu.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach sich für Verhandlungen mit Kremlchef Putin zur Beendigung des Kriegs in der Ukraine aus “Es ist wichtig, dass wir den Kontakt auch mit Putin aufrechterhalten”, sagte Sánchez in Davos dem US-Nachrichtensender CNN. “Ich plädiere zum Beispiel sehr dafür, dass die französische Regierung und die deutsche Regierung (…) hier die Führung übernehmen”, sagte Sánchez. Denkbar sei eine Rückkehr zum sogenannten Normandie-Format – eine Kontaktgruppe aus Deutschland, Frankreich, Russland und der Ukraine, wie es sie vor Ausbruch des Krieges gegeben hatte.

Zurückhaltend hatte sich zuvor Spaniens Außenminister José Manuel Albares zu einer möglichen Lieferung von Leopard-Kampfpanzern seines Landes an die Ukraine geäußert. “Diese Möglichkeit ist derzeit nicht auf dem Tisch”, sagte er. Der sozialistische Regierungschef Sánchez muss auch beachten, dass sein kleinerer, linkerer Koalitionspartner Unidas Podemos Waffenlieferungen an die Ukraine kritisch sieht.

Kanada sagte der Ukraine unterdessen 200 Panzerfahrzeuge vom Typ Senator zu. Das kündigte Verteidigungsministerin Anita Anand bei einem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew an. Die Fahrzeuge dienen dem Transport von Soldaten und wurden von der Ukraine erbeten.

Russland kontrolliert einschließlich der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim gut 18 Prozent des ukrainischen Territoriums. Für eine erfolgreiche Gegenoffensive zählt Kiew auf die Lieferung Hunderter Kampfpanzer aus dem Westen.

Von: APA/dpa/Reuters/AFP

Kommentare

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11 Kommentare auf "Selenskyj kritisiert internationales Zögern bei Hilfe"


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Trina1
Trina1
Kinig
16 Tage 11 h

Meine Solidarität dem Volk aber seine Forderungen gehen mir auf die Nerven!

Doolin
Doolin
Kinig
16 Tage 9 h

…gell, die Ukrainer dürfen sich nur a bissele verteidigen, aber sonst sollen sie kuschen und still sein…

Trina1
Trina1
Kinig
16 Tage 9 h

@Doolin was fordern die Syrier ?

schnegge
schnegge
Tratscher
16 Tage 11 h

sorry obo i war a bissl vorsichtig mit ” kritisiern” weil fa wen kemmen dei gonzn ponza, waffn und infos??? uhne in westn war di ukraine longe schun nirgntsma!!! mir tuit des olls unmeiglich lad für di ukraine und i verobscheu in putin und sei sauhaufngefolge obo der selenski wertmo a longsam awien unsympatisch…

Doolin
Doolin
Kinig
16 Tage 10 h

….Putinfans hier sind noch viel unsympathischer…

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
16 Tage 11 h

Das ukrainische Volk hat es verdient, dass der Westen ihm zur Seite steht. Aber der Herr Selensky nervt mit ständiger Kritik und Forderungen gewaltig !!

Zugspitze947
15 Tage 16 h

Rudolf: es gibt die Regel :man muss viel verlangen um etwas zu bekommen ! 😉 Mir ist jede Hilfe RECHT um diesen Kriegsverbrecher Putin und seine Schergen zu besiegen. Um so schneller gibt es wieder Frieden 🙂

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
15 Tage 16 h

@Zugspitze947..👍schon klar. Es heißt aber auch: Der Ton macht die Musik….

Zugspitze947
15 Tage 4 h

Eudolf: naja ,es ist leider 1 Minute vor 12 .wenn man diesen brutalen Krieg nicht doch noch verlieren will muss man große Geschütze auffahren 🙂 Ich hoffe es kommt heute in Ramstein zu entscheidenden Zusagen bezügluch dem LEO 2 🙂

Pasta Madre
Pasta Madre
Tratscher
16 Tage 2 h

Das ist alles viel zu spät, die Ukraine hätte die Waffen viel früher benötigt?

Als Russlands Militär geschwächelt hat.

Jetzt ist das russische Militär wieder erstarkt.

algunder
algunder
Universalgelehrter
15 Tage 20 h

des soll gach aufhärn zu fordorn der bursch!!
wenn europa des getun hat wos er olls fordert nor hattmor long schunn an kriag in europa!
j sog bewust net weltkriag , weil de bis jetz olm bei ins worn!

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