Selenskyj beim Besuch der zurückeroberten Stadt Isjum im September

Selenskyj sieht schwierige Lage im Ukraine-Krieg

Freitag, 21. Oktober 2022 | 07:26 Uhr

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Lage im Kampf gegen die russischen Invasoren als schwierig bezeichnet. Dies betreffe besonders den Donbass im Osten und einige Gegenden im Süden, sagte er am Donnerstagabend in seiner täglichen Videoansprache. “Aber wir behaupten uns. Wir verteidigen unser Land. Wir bewegen uns allmählich vorwärts und verdrängen den Feind.” Die Ukraine werde in diesem Krieg siegen. “Terroristen verlieren immer. Freiheit gewinnt immer.”

Selenskyj bezeichnete die russische Taktik mit massiven Luftangriffen auf Kraftwerke und andere Infrastruktur als zum Scheitern verurteilt. “Russische Truppen greifen unsere Kraftwerke weiterhin mit Raketen und Drohnen an. Am Ende wird auch eine solche russische Gemeinheit scheitern.” Russland wolle die Energieversorgung zerstören und das Nachbarland noch mehr leiden lassen. “Aber dies mobilisiert nur die internationale Gemeinschaft, uns noch mehr zu helfen und noch mehr Druck auf den Terrorstaat auszuüben.”

Die Ukraine habe am Donnerstag erneut russische Raketen und iranische Kamikazedrohnen abgefangen. “Leider schießen wir noch nicht alle ab. Es gibt auch Treffer, es gibt Zerstörung”, sagte Selenskyj. “Aber wir werden alles tun, um unseren Luftraum vollständig zu schützen.”

In einer Videoansprache beim EU-Gipfel hatte Selenskyj davor gewarnt, dass das Nachbarland auch den riesigen Staudamm des Wasserkraftwerks Kachowka in die Luft sprengen könne. Russland bereite ein “groß angelegtes Desaster im Süden der Ukraine” vor. Der Damm halte 18 Millionen Kubikmeter Wasser zurück. Wenn Russland den Damm sprenge, würden mehr als 80 Siedlungen, einschließlich der Stadt Cherson, rasch überflutet. Hunderttausende Menschen wären betroffen, die Wasserversorgung großer Teile der Südukraine könnte zerstört werden. Außerdem würde ein derartiger russischer “Terrorangriff” dem Atomkraftwerk Saporischschja das Kühlwasser entziehen, da dieses aus dem Reservoir aus Kachowka stamme.

Russland provoziere eine neue Migrationswelle von Ukrainern, die in die in die EU fliehen, sagte Selenskyj weiters. Die russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine sollten viele seiner Landsleute in die Flucht treiben. In seiner Ansprache forderte Selenskyj weitere EU-Sanktionen gegen Russland, aber auch den Drohnen-Lieferanten Iran “für die Zusammenarbeit mit dem Terrorstaat”. Dem Iran müsse “jede Möglichkeit oder auch nur der Wunsch genommen werden, solche Drohnen an irgendjemanden zu liefern”.

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) nahm die Warnungen des ukrainischen Präsidenten vor weiteren Angriffen auf zivile Infrastruktur zum Anlass, den Einsatz für einen Frieden zu bekräftigen. “Das ist der Grund, warum Österreich sich immer wieder dafür einsetzt, dass ein Waffenstillstand her muss”, sagte Nehammer in der Nacht auf Freitag am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Zugleich sei die österreichische Position “klar in den Sanktionen” und zeige auch eine “klare Kante gegen den Angriffskrieg der Russischen Föderation”.

Selenskyj forderte in seinem Auftritt vor den EU-Chefs auch die Lieferung von mehr Flugabwehrsystemen, um ein zuverlässiges Schutzschild gegen russische Angriffe zu schaffen. Konkret wandte er sich an Frankreich, Italien und die USA. Zugleich dankte er Deutschland dafür, dass es bereits das moderne Luftverteidigungsystem Iris-T geliefert habe. “Wir erwarten die Lieferung weiterer solcher Systeme sowohl aus Deutschland als auch von unseren anderen Partnern.”

Auch in seiner abendlichen Videoansprache hob Selenskyj Deutschland dankend hervor. “Heute hatte ich ein produktives Telefonat mit dem Bundespräsidenten”, sagte er. Er habe Frank-Walter Steinmeier “und dem deutschen Volk für die Unterstützung der Ukraine im Freiheitskampf und für die Entscheidung gedankt, unserem Land konkrete Hilfe zu leisten”.

Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow hatte bei der Lieferung des Systems Iris-T von einer “neuen Ära der Luftverteidigung” gesprochen. Deutschland will Kiew zunächst vier der jeweils 140 Millionen Euro teuren Systeme zur Verfügung stellen. Eines dieser Systeme kann eine mittlere Großstadt wie Nürnberg oder Hannover schützen. Iris-T kann auf Ziele bis 20 Kilometer Flughöhe und 40 Kilometer Reichweite feuern. Es wird also eine Art Schutzschirm über einer Fläche gespannt.

Von: APA/dpa

Kommentare

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15 Kommentare auf "Selenskyj sieht schwierige Lage im Ukraine-Krieg"


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N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 6 Tage

Realismus wäre angesagt. Der westlichen Bevölkerung wird sozusagen vor gemacht, dass durch die Waffenlieferungen und die Sanktionen der Krieg schnell beendet wird. Jedenfalls wollen das dann viele Menschen so sehen. Dem war und ist nicht so! Er wird beendet werden, aber nicht früher, wie viele denken! Naive Einstellungen prägen das Bild. Der Krieg dauert noch lange und wird gerade jetzt im Winter noch grausamer werden.
Rufe wie:” Beendet den Krieg…” sind sinnlos, niemand will das anscheinend! Recht habrn und Recht bekommen sind 2 paar Schuhe!

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 6 Tage

Leider ist ihre Verwendung der Redewendung „recht haben und Recht bekommen“ im Kontext falsch verwendet. Und „Recht haben und Recht bekommen“ passt auch nicht. Es allen Menschen recht machen zu wollen gelingt ebensowenig, wie andauernd ein Rechthaber zu sein. Wobei: Letzteres wissen sie ja – wie überhaupt Alles – bereits …

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 6 Tage

@Philingus Ach, wenn man sonst nichts zum kritisieren findet, dann ist es die Rechtschreibung, Wortwahl oder Satzbau? Armselig.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 6 Tage

@Philingus Übrigens, etwas zur Rechthaberei. Eigentliche Bedeutung ist, man will immer Recht haben und das auch zur Schau stellen. Es bedeutet NICHT, dass man nicht Recht hat.
Und nu…? Grins

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 6 Tage

@Philingus
😂😂 👍

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 6 Tage

@N. G. Das „Recht“ zur Schau stellen? Ob das denn rechtens ist? Ist da etwa ein linkslastiger „Rechtsverdreher“ mit im Spiel?

Buffalo
Buffalo
Tratscher
1 Monat 6 Tage

Beendet diesen Krieg

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

Buffalo
den Krieg zu beenden, liegt alleine in Putins Hand. Die Ukraine verteidigt sich nur und kämpft um das nackte Überleben.

Pacha
Pacha
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

@Look_at_Yourself….es liegt auch in der Hand von Joe Biden und er wird so langsam auch handeln müssen. Denn in den USA stehen am 08. November Wahlen an und die Demokraten werden nach Umfragen in beiden Kammern die Mehrheit verlieren. Was das für die Unterstützung der Ukraine im Konflikt gegen Russland bedeutet bringt Kevin McCarthy von den Republikanern auf den Punkt: “es werde unter seiner Führung keinen Blancoscheck für Kiew geben.”

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 6 Tage

@Pacha Die dümmliche Reduktion des russischen Angriffkriegs auf die Ukraine als „russisch-amerikanische“-Auseinandersetzung zeigt, wie weit sie von den Tatsachen entfernt sind und in einer betonierten Sowjetreich-Denke verharren. Eine Denkschema, dass Stalins brutale Diktatur relativiert und Stalins Nachfolger Putin als ehrenwerten Kreml-Chef darstellen soll. Nein! Putin und seine Oligarchenclique handeln in höchst verbrecherischer Manier, die in ihrem Weltbeherrschungswahnsinn Hitler in keinster Weise nachsteht. Erneut zeigen sie nur, dass ihnen die Opfer russisch-imperialistischer Kriegsführung einfach nur egal sind. Ihre Argumentation ist reinste Heuchelei und entspringt irrationalem Wunschdenken!

Pacha
Pacha
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

@Philingus……du scheinst in deiner eigen Blase zu leben denn so isoliert kann man nicht sein um vom Weltgeschehen nichts mit zu bekommen.

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 5 Tage

@Pacha Naja, wenn ich mir so ihre Sympathie-Kommentare anschaue, die russische Kriegsverbrechen legitimieren wollen – sie haben bisher keine Bewertungen der russischen Gräueltaten in Ukraine hier abgegeben (obwohl, da fällt ihnen in ihrem Menschenverachtungs-Kosmos bestimmt auch wieder eine Lüge ein), zeigt sich deutlich, wie weit entfernt sie von Frieden und Freiheit sind. Sie unterstützen nur Unfreiheit, Willkür und stumpfsinnige Anti-Demokraten in Russland. Da können sie noch so alberne USA-Bashing-Sätzchen abliefern. Wer hier in seinem kleinen russischen Denk-Kosmos lebt und auch nur aus ihm heraus labert, ist offensichtlich.

wellen
wellen
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

Stürzt endlich diesen Terroristen Putin!

inni
inni
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

Eine Kapitulation kommt für Selenskyi und den Ukrainern nie und nimmer in Frage. Also hat Putin absolut keine Chance, die Ukraine jemals zu erobern, und das weiß er. Allerdings findet er keinen Ausweg aus dem Schlamassel, den er angerichtet hat, ohne dabei sein Gesicht zu verlieren. Ungeschehen machen kann er das Ganze auch nicht. 
Man sollte ihn aus seinem Dilemma befreien … es gäbe da Mittel und Wege❗

Brauni
Brauni
Tratscher
1 Monat 6 Tage

N.G den ersten halbwegs gscheiden Kommentar den ich von dir lese. Kompliment. Den Krieg will momentan niemand beenden weil es um was ganz anderes geht?

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