Selenskyj zeichnete Soldaten aus

Selenskyj überraschend an der Front in Bachmut

Dienstag, 20. Dezember 2022 | 15:55 Uhr

Am 300. Tag des russischen Kriegs gegen die Ukraine hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein besonderes Zeichen gesetzt: Am Dienstag besuchte er überraschend die schwer umkämpfte Stadt Bachmut im Osten des Landes. Die Hauptstadt Kiew rang derweil weiter um eine Wiederherstellung der durch russische Drohnenangriffe schwer in Mitleidenschaft gezogenen Stromversorgung. Russische Angriffe wurden am Dienstag aus den Regionen Charkiw und Sumy gemeldet.

Erst am Montag hatte Selenskyj die ostukrainische Stadt Bachmut als “heißesten Punkt” entlang der mehr als 1.300 Kilometer langen Front bezeichnet. Einen Tag später besuchte er den seit Monaten zwischen russischen und ukrainischen Truppen schwer umkämpften Ort selbst. “Er hat die vordersten Positionen besucht, Kämpfer mit Orden und wertvollen Geschenken ausgezeichnet”, teilte sein Sprecher Serhij Nykyforow dem Staatssender Freedom zufolge mit. Danach sei der 44-jährige Staatschef wieder aus der Kleinstadt im Donezker Gebiet abgereist.

Trotz ständiger Reparaturen gab es in der ukrainischen Hauptstadt Kiew weiter starke Probleme mit der Stromversorgung. Zeitweise standen Teile des U-Bahnsystems still, wie Bürgermeister Vitali Klitschko über Telegram mitteilte. Wegen einer Notabschaltung der Pumpen fiel auch die Wasserversorgung aus. Damit verbunden kam es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auch zu Ausfällen der Fernwärme.

Wegen der jüngsten russischen Drohnenangriffe konnte der Strombedarf der Dreimillionenstadt laut Klitschko zuletzt nur noch zu 50 Prozent gedeckt werden. Seit Oktober greift die russische Armee die ukrainische Energieversorgung gezielt mit Raketen und Drohnen an.

Zugleich meldete die Ukraine schwere Kämpfe mit den Russen in der nordöstlichen Region Sumy. Dort sollen 83 Angriffe auf zahlreiche Ortschaften erfolgt sein. Die Rede ist von Beschuss durch Granatwerfer, Drohnen und Panzerfäusten. Meldungen über Schäden dürften sich aber in Grenzen halten.

Hingegen sollen beim russischen Beschuss der Region Donezk in den vergangenen Tagen mehrere Menschen getötet worden sein. “Am 19. Dezember 2022 haben die Russen drei Zivilisten in der Region Donezk getötet: zwei in Bachmut und einen in Salisne. Fünf weitere Menschen wurden verletzt”, schrieb der Gouverneur von Donezk, Pawlo Kyrylenko, auf Telegram. Zwei weitere Tote wurden aus der südlichen Region Cherson gemeldet.

Angegriffen wurde in der vergangenen Nacht auch der Bezirk Izium in der Region Charkiw. Ein Industrieobjekt soll dabei in Brand geraten sein. Auch tagsüber sollen die Russen mit Drohnen versucht haben, die Infrastruktur in der Region Charkiw anzugreifen.

Der ukrainische Generalstab sprach unterdessen von fast 100.000 “verlorenen” – also getöteten oder verwundeten – russischen Soldaten im Ukraine Krieg. Alleine im Laufe des Montags seien 430 Soldaten hinzugekommen, meldete die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform am Dienstag unter Berufung auf einen Facebook-Eintrag der Streitkräfte. Zudem seien seit Kriegsbeginn knapp 3.000 Panzer, fast 6.000 gepanzerte Kampffahrzeuge, 281 Flugzeuge, 266 Hubschrauber, 1.960 Artilleriesysteme, 410 Mehrfachraketen-Systeme, 16 Kriegsschiffe/Boote und 1.680 unbemannte Luftfahrzeuge zerstört worden Insgesamt seien 653 feindliche Marschflugkörper abgeschossen worden. Unabhängig lassen sich diese Zahlen nicht bestätigen.

Nach Einschätzung britischer Geheimdienst-Experten versucht Russlands Präsident Wladimir Putin, die Verantwortung für die verlustreiche Invasion bereits von sich abzuwälzen. Dazu habe ein Besuch beim Hauptquartier der sogenannten militärischen Spezialoperation gedient, hieß es in der täglichen Veröffentlichung des britischen Verteidigungsministeriums auf Twitter. Bei dem von Kameras begleiteten Besuch sei es dem Kreml-Chef wohl auch darum gegangen, Gerüchte über eine Absetzung von Generalstabschef Waleri Gerassimow auszuräumen.

In einer Videoansprache in der Nacht auf Dienstag hatte Putin eingeräumt, die Lage in den Gebieten Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja sei schwierig. Das sind die von Moskau völkerrechtswidrig annektierten Teile der Ukraine. Putin forderte von den Sicherheitskräften seines Landes mehr Einsatz und sagte, eine ihrer wichtigsten Aufgaben sei der Schutz der Bürger der “neuen Regionen” Russlands. Russland hat große Teile dieser Gebiete gewaltsam erobert und besetzt und bemüht sich nun, sie gegen ukrainische Gegenangriffe zu verteidigen.

Großbritannien unterstützt die ukrainische Armee jedenfalls mit Winterausrüstung. “Wir gehen davon aus, dass bis Weihnachten 10.000 weitere Ausrüstungen gegen kaltes Wetter ausgeliefert werden”, sagte Verteidigungsminister Ben Wallace am Dienstag im Parlament in London. Dazu gehörten extrem warme Kleidung, strapazierfähige Schlafsäcke und isolierte Zelte. Bisher habe London bereits 15.000 solcher Ausrüstungen sowie 900 Generatoren zur Stromerzeugung geliefert, sagte Wallace. Insgesamt habe die internationale Gemeinschaft rund 1,23 Millionen Winterausrüstungsartikel in die Ukraine geschickt.

Von: APA/dpa

Kommentare

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8 Kommentare auf "Selenskyj überraschend an der Front in Bachmut"


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andr
andr
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Soll Putin doch selbst an die Front dieser Feigling und all seine Mörderbande

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 14 Tage

…der Putl traut sich net an die Front…
😆

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 14 Tage

@Doolin Das ist Kindergarten Gequatsche!

6079_Smith_W
1 Monat 14 Tage

Aber wie die “Flinten-Uschi” ukrainische Verluste gemeldet hat, wurde sie sofort zurückgepfiffen 🤔
Als wollte man uns erzählen dass in diesem Krieg nur auf der russischen Seite gestorben wird.

Faktenchecker
1 Monat 14 Tage

Beweise das Gegenteil. seriöser neutraler Link?

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 14 Tage

@Faktenchecker Beweis doch du, dass es nicht stimmt. Seriöser Link!? Oder wird in der ukrainischen Armee nicht gestorben? Fragen stellen kannst du, Antwort liefern nicht?

bon jour
bon jour
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

wer erzählt das!!

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Bei Bachmut dreht sich der Fleischwolf auf Hochtouren.
Dort denkt man unwillkürlich an Verdun im WK I.
Die Krankenhäuser im Bezirk Luhansk quellen über von verletzten russischen Soldaten.

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