Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj

Selenskyj: Ukraine hat keine Angst vor Weg zur EU

Samstag, 25. Juni 2022 | 00:16 Uhr

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist zuversichtlich, dass sein von Russland angegriffenes Land die Kriterien für einen EU-Beitritt erfüllen wird. Die Ukraine konzentriere sich nun auf die Anforderungen der EU, sagte das Staatsoberhaupt in seiner abendlichen Videoansprache. Der Kreml hatte die Verleihung des EU-Kandidatenstatus an die früheren Sowjetrepubliken Ukraine und Moldau auf dem EU-Gipfel in Brüssel zuvor als “innere Angelegenheit” Europas bezeichnet.

Den Anforderungen der EU würde sich die Ukraine stellen, meinte Selenskyj. “Macht uns das Angst? Nein. Weil wir davor Hunderte erfolgreich abgeschlossen haben.” Zu den Kriterien für einen Beitritt gehören unter anderem Rechtsstaatlichkeit, Kampf gegen Korruption, Garantie der Grundrechte und eine funktionierende Marktwirtschaft.

Selenskyj, der bereits in früheren Stellungnahmen von einem “Wendepunkt” gesprochen hatte, rief seine Landsleute auf, sich über den Beschluss des EU-Gipfels, der Ukraine den Status eines Beitrittskandidaten zu geben, zu freuen. Er verglich den Weg hin zu einer Mitgliedschaft mit dem Besteigen des Mount Everests. Wer auf den letzten 1.848 Metern darüber rede, wie schwierig die weitere Strecke werde, entwerte seinen Erfolg, den Berg bereits auf 7.000 Metern bezwungen zu haben. Die Ukraine habe den Kandidatenstatus erworben, sagte Selenskyj. “Das ist nicht vom Himmel gefallen. Dafür hat die Ukraine viel getan.”

Der Kreml bezeichnete die Verleihung des EU-Kandidatenstatus an die früheren Sowjetrepubliken Ukraine und Moldau auf dem EU-Gipfel in Brüssel am Freitag als “innere Angelegenheit” Europas . “Das sind innere europäische Angelegenheiten”, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag vor Journalisten in Moskau.

Für Russland sei es “sehr wichtig, dass uns all diese Prozesse nicht weitere Probleme bereiten und weitere Probleme in den Beziehungen zwischen diesen Ländern und uns schaffen”. Vor dem Hintergrund der russischen Offensive im Krieg in der Ukraine hatten die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedstaaten am Donnerstag sowohl der Ukraine als auch Moldau den Kandidatenstatus verliehen. Die Entscheidung ist der Beginn eines langen und komplexen Prozesses. Von Georgien, eine Ex-Sowjetrepublik, gegen die Russland 2008 Krieg geführt hatte und die ebenfalls einen Beitrittsantrag eingereicht hatte, wurden zunächst Reformen für den Kandidatenstatus verlangt.

Er hoffe, dass die Entscheidung der EU-Staaten nicht zu einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen Moskau und Brüssel führten, die derzeit auf einem so tiefen Niveau seien, “dass es sehr schwer ist, sie noch mehr zu beschädigen”, sagte Peskow weiter. Mit Blick auf Moldau, wo im Landesteil von pro-russische Separatisten das sagen haben und russischen Soldaten stationiert sind, kritisierte er, dieses Land wolle “europäischer werden als die Europäer selber”.

Selenskyj stellte klar: “Die Ukraine ist keine Brücke, kein Polster zwischen dem Westen und Russland, kein Puffer zwischen Europa und Asien, keine Einflusssphäre, keine graue Zone, kein Transitland”, sagte der 44 Jahre alte Staatschef in einer am Freitag veröffentlichten Videoansprache. Die Ukraine sei ein “zukünftiger gleichrangiger Partner für mindestens 27 EU-Länder.” Die Ukraine sei kein “Drittland” mehr, sondern werde Mitglied der Europäischen Union.

Im selben Video sprach Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk davon, dass diese Entscheidung die Geschichte ändern werde. Der 46-Jährige sagte: “Wir können die Geografie nicht ändern. Russland wird weiter unser Nachbar bleiben.” Doch habe die Geschichte in diesem Fall die Geografie besiegt. Ministerpräsident Denys Schmyhal betonte anschließend die neuen Perspektiven der Ukraine durch ihren Status als Beitrittskandidat: Kiew erhalte nun “Zugang zu neuen finanziellen Hilfsprogrammen der EU”. Der 46-Jährige weckte Hoffnungen auf neue Investitionen und Arbeitsplätze. “Von nun an wird unser Staat nicht nur die europäische Erfahrung übernehmen, sondern kann auch Einfluss auf die Industriepolitik der Europäischen Union nehmen”, unterstrich er. Der Integrationsprozess der Ukraine sei unumkehrbar.

Von: APA/AFP/dpa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

12 Kommentare auf "Selenskyj: Ukraine hat keine Angst vor Weg zur EU"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
der echte Aaron
der echte Aaron
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

Also wenn die EU so einen korrupten Staat aufnimmt, ,,nocher isch olls zu spat,, aber ich glaube das ist es sowieso….. 

Frank
Frank
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

Das Gleiche denke ich auch. Erst Gestern hat die ARD über Korruption in der Ukraine berichtet: https://www.tagesschau.de/ausland/ukraine-korruption-101.html
Wenn ich daran denke, was da auf uns zukommt, wird mir schlecht. Das sind unsere “europäischen Werte”? Vielleicht kapiert da Mancher, warum ich keine Zuneigung für Russland, aber Abneigung für die Ukraine empfinde.

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 15 Tage

der echte A…. na ja,IT ist auch dabei.

inni
inni
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

Selenskyj: Ukraine hat keine Angst vor Weg zur EU

…ober i❗️

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 16 Tage

…mal schauen, wie lang es die Ukraine überhaupt noch gibt…nach der Entnazifizierung und geglückten Befreiung wirds nur mehr ein Steinerhaufen und russische Provinz sein…

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 15 Tage

Angst hätte ich auch keine, es gibt ja nur was! Ich, für mich, solange ich lebe, zahle gern, nur, obs was bringt! Mein Sohn wirds erleben!

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 15 Tage

Ihr Sohn wird, wenn nach ihren Vorstellungen gehandelt wird, die russische Diktatur erleben dürfen. Schöne Aussichten …

Hustinettenbaer
1 Monat 15 Tage

Bevor weitere EU-Mitglieder aufgenommen werden, sind die Abstimmungs- und Ausschlussregelungen zu aktualisieren.
Die Kuckucke, die schon im Nest sind, werden das verhindern. Bzw. deren Zustimmung wird sehr sehr teuer.
So oder so wären Politiker, die sich auf diesen Deal einlassen, Ex-Politiker.
Obwohl. Vielleicht kommen die dann in Lobby-Verbänden, UNO, Sparkasse… unter.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 15 Tage

Stimmr dir vollkommen zu! Bis diese Staaten aufgenommen werden, werden Jahrzehnte vergehen. Dasnheute ist zwar ein gutes gebotenes Zeichen aber KEINE Versprechung!

pingoballino1955
pingoballino1955
Superredner
1 Monat 15 Tage

N.G. mit Sicherheit!!!

So sig holt is
So sig holt is
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

nor viel Spaß, kuane ongst isch uane soch ober ob die gonzem Reformen de des. lond nötig hot so uanfoch umzusetzen sein isch a ondere soch

prontielefonti
prontielefonti
Superredner
1 Monat 15 Tage

Drweil gibs die Ukraine niamr und mir fressn Brout und Wosser🤦🏻‍♂️🤷🏻‍♂️😡

wpDiscuz