Die Ukraine setzt Gegenoffensive im Süden fort

Selenskyj will Vergeltung nach Tod von Kriegsgefangenen

Sonntag, 31. Juli 2022 | 01:53 Uhr

Nach der Tötung Dutzender ukrainischer Kriegsgefangener in einem von Russland kontrollierten Lager hat Präsident Wolodymyr Selenskyj Vergeltung angekündigt. Es handle sich um ein vorsätzliches russisches Kriegsverbrechen, sagte der Präsident in einer Videobotschaft. Erneut forderte er die Weltgemeinschaft auf, Russland offiziell als Terrorstaat einzustufen. Angesichts der massiven Angriffe Russlands im Donbass, rief Selenskyj die Bewohner zum Verlassen des Gebiets auf.

“Im Donbass sind Hunderttausende Menschen, Zehntausende Kinder, viele lehnen es ab zu gehen”, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache am Samstag. Er appellierte eindringlich an die Bewohner im Donbass, diese Entscheidung zu treffen. “Glauben Sie mir”, sagte er in flehendem Ton. “Je mehr Menschen aus dem Donezker Gebiet gehen, desto weniger Leute kann die russische Armee töten.”

Zuvor hatte die ukrainische Regierung eine verpflichtende Evakuierung angeordnet mit der Begründung, dass die Bürger sich vor Beginn der Heizsaison rechtzeitig in Sicherheit bringen müssten, da die Gasleitungen durch den Krieg im Gebiet Donezk zerstört seien. Selenskyj betonte nun, dass alles organisiert werde für die Flucht der Menschen aus den von der Ukraine noch kontrollierten Gebieten der Region.

Das russische Verteidigungsministerium in Moskau veröffentlichte am Samstag die Namen von 50 getöteten und 73 verletzten Gefangenen. Sie waren in einem Gefängnis in dem Ort Oleniwka inhaftiert gewesen, der bei Donezk auf dem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet liegt. In der Baracke war in der Nacht auf Freitag angeblich eine Rakete eingeschlagen. Russland schiebt den Treffer auf die präzisen Himars-Mehrfachraketenwerfer aus den USA, die die ukrainische Armee einsetzt.

Die Angaben beider Seiten waren nicht sofort verifizierbar; erste Analysen von Bildern und Videos weckten aber Zweifel an der russischen Version. “Das verfügbare optische Material scheint die ukrainische Darstellung eher zu stützen als die russische”, schrieb das US-Institut für Kriegsstudien (ISW), ohne sich endgültig festzulegen. “Russland soll Dutzende ukrainische Kriegsgefangene getötet haben”, sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borell.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz erbat indes nach eigenen Angaben Zugang zu dem Gefängnis in Oleniwka. Man wolle “die Gesundheit und den Zustand aller Personen feststellen, die zum Zeitpunkt des Angriffs anwesend waren”. Das Rote Kreuz biete Hilfe bei der Evakuierung von Verwundeten und medizinische Hilfsgüter an, hieß es in einer Mitteilung vom Samstag.

In dem Gefängnis waren nach russischen Angaben 193 ukrainische Soldaten gefangen. Der ukrainische Militärgeheimdienst teilte mit: “Die Explosionen ereigneten sich in einem neu errichteten Gebäude, das speziell für die Gefangenen aus Azovstal hergerichtet wurde.” Azovstal ist das Stahlwerk in Mariupol, in dem sich die ukrainischen Soldaten verschanzt hatten, bevor sie aufgaben und in russische Gefangenschaft kamen. Diesen Angaben nach sprengten Soldaten der russischen Söldnertruppe Wagner die Baracke mit den Gefangenen.

Medien zeigten Bilder von einem ausgebrannten Schlafsaal mit Leichen. Auch vor dem Gebäude, dessen Decke große Löcher aufwies, lagen viele mit Planen abgedeckte Körper. Zu den Zweifeln an der russischen Version gehört, dass es keine Zeugen für den Anflug der angeblichen ukrainischen Rakete gibt. Es seien auch nur Gefangene und keine Wachleute aus der sogenannten Volksrepublik Donezk getroffen worden.

Präsident Selenskyj sprach von einem “Terroranschlag, der von russischen unmenschlichen Monstern” verübt worden sei. “Die Vereinten Nationen (UN) und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), die das Leben und die Gesundheit unserer Kriegsgefangenen garantieren sollten, müssen umgehend reagieren”, forderte der Staatschef. In Kiew forderten die Angehörigen der gefangenen Soldaten Aufklärung über deren Schicksal.

Der Generalstab in Kiew meldete unterdessen eine Vielzahl von russischen Angriffen, darunter in den Gebieten Charkiw und Mykolajiw. Im Gebiet Donezk seien dem Feind schwere Verluste zugefügt worden, teilte der Generalstab mit. Die russischen Streitkräfte bestätigten am Samstag, dass im Gebiet Charkiw ein ukrainischer Stützpunkt mit “Iskander”-Raketen bombardiert worden sei.

Westliche Sicherheitsexperten sahen aber Anzeichen, dass die russische Armee mit ihren Angriffen nicht mehr vorankommt. “Ihnen geht die Puste aus…”, twitterte der Chef des britischen Auslandsgeheimdiensts MI6, Richard Moore. Der ehemalige US-General David Petraeus hält es für möglich, dass die Ukraine von Russland besetzte Gebiete zurückholen könne, wie er der “Bild” sagte.

Von: APA/dpa

Kommentare

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12 Kommentare auf "Selenskyj will Vergeltung nach Tod von Kriegsgefangenen"


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Dagobert
Dagobert
Kinig
12 Tage 2 h

Jawoll, pfeffert ihmen umme! Vertreibs dei Mörderbande wieder aus der Ukraine!

einer wie ihr
einer wie ihr
Tratscher
12 Tage 1 h

Ja so schreien sie.. Kriegstreiber.

sophie
sophie
Kinig
11 Tage 15 h

@einer wie ihr
Der grösste Kriegstreiber heisst wohl PUTIN, okkkkk

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
11 Tage 5 h

@einer wie ihr

Putin- Russland hat die Ukraine angegriffen und ermordet wahllos Menschen von jung bis alt und es gibt hier JÄMMERLICHE FIGUREN die das auch noch verteidigen!
Die Ukraine verteidigt sich nur und dazu hat sie auch ein Recht!!!

Doolin
Doolin
Kinig
11 Tage 6 h

…die haben ganz kalt die Gefangenen in die Luft gesprengt, um Folter und Mord zu vertuschen…

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
11 Tage 5 h

Ist wohl ironisch gemeint oder?

TirolerSued
TirolerSued
Tratscher
11 Tage 3 h

Sagt wer?

Doolin
Doolin
Kinig
10 Tage 20 h

@OrtlerNord
…frage mich, wieso die Russen dem int. Roten Kreuz die Untersuchung verweigern…haben was zu vertuschen, eh klar…Putinfans dürfen jetzt ruhig rot drücken…

andr
andr
Universalgelehrter
11 Tage 7 h

Wie tief sinken die Russen noch? Das ist wohl ein paradebeispiel für Barbarei, wehrlosen Gefangene zu töten

Hustinettenbaer
11 Tage 1 h

“Samstag, 30. Juli, 08.51 Uhr: Ein Video aus der Ukraine sorgt derzeit für Entsetzen. Darin ist zu sehen, wie zwei russische Soldaten einen ukrainischen Gefangenen auf dem Boden festhalten, während ein dritter russischer Soldat dem Mann mit einem Messer den Hoden abschneidet. Der Mann ist während dem Vorgang bei vollem Bewusstsein. Laut „Times“-Journalist Maxim Tucker habe die Investigativplattform „Bellingcat“ das Video als authentisch eingestuft. Der russische Soldat sei identifiziert worden.”
https://www.focus.de/politik/ausland/kriegsverlauf-in-der-ukraine-im-ticker-ukraine-meldet-erneuten-massiven-beschuss-auf-mykolajiw_id_52139887.html

Look_at_Yourself
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Universalgelehrter
11 Tage 5 h

Vermutlich ist die Wagnergruppe der Urheber dieses Verbrechens.
Eine solche Schandtat traue ich einfachen Soldaten eigentlich nicht zu.

Zugspitze947
10 Tage 20 h

Look: da wirst du sogar Recht haben,aber da sie von Mörder Putin bezahlt weren ist er und das Russische Volk dafür Verantwortlich 🙁

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