Das Gespräch findet in der demilitarisierten Zone statt

Seoul will mit Nordkorea Familienzusammenführungen sprechen

Montag, 08. Januar 2018 | 12:25 Uhr

Südkorea will sich bei den Gesprächen mit Nordkorea in dieser Woche um eine Wiederaufnahme der Familienzusammenführungen bemühen. “Wir bereiten uns auf Diskussionen zum Thema getrennte Familien und zur Lockerung der militärischen Spannungen vor”, sagte Wiedervereinigungsminister Cho Myoung-gyon am Montag nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap.

Nordkoreanische Staatsmedien forderten unterdessen eine “unabhängige Wiedervereinigung”, ohne auf die Unterstützung anderer Länder wie der USA zu bauen. “Die Garanten für verbesserte innerkoreanische Beziehungen sind nicht Außenstehende, sondern ist die koreanische Nation”, ließ die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Wochenende verlauten.

Die Nachbarstaaten hatten in der vergangenen Woche beschlossen, den ersten offiziellen Dialog seit mehr als zwei Jahren zu führen. Das Treffen soll am Dienstag im Grenzort Panmunjom stattfinden. Die Gespräche werden sich vor allem um die Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen im kommenden Monat in Südkorea drehen. Es wird aber erwartet, dass die beiden Seiten auch andere Belange zur Sprache bringen werden.

Die Trennung von Familien als Folge des Koreakrieges ist eines der emotionalsten Themen zwischen den beiden Staaten. Etwa 60.000 zunehmend ältere Südkoreaner hoffen nach wie vor, ihre Verwandten aus dem Norden wiederzusehen. Die letzte Runde von Zusammenführungen, in denen sich Verwandte für einige Tage treffen konnten, fand im Jahr 2015 statt. Vertreter Nordkoreas hatten zuletzt erklärt, weitere Treffen seien ausgeschlossen, solange Südkorea nicht eine Reihe nordkoreanischer Bürger ausliefere.

Trotz positiver Signale würden die Gespräche “schwierig, falls Nordkorea unzumutbare Forderungen stellt”, warnte Kim Yong-hyun, Politikwissenschafter an der südkoreanischen Dongguk-Universität.

Die vorsichtige Wiederannäherung folgt auf die Neujahrsansprache des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un. Darin warnte Kim zwar vor dem nuklearen Knopf auf seinem Schreibtisch, erwog aber gleichzeitig eine Entsendung nordkoreanischer Athleten zu den Olympischen Spielen. Südkorea antwortete mit einem Gesprächsangebot. In der vergangenen Woche wurde ein knapp zwei Jahre abgeschalteter Kommunikationskanal wieder freigeschaltet.

US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende die Hoffnung geäußert, dass der Dialog zwischen Nordkorea und Südkorea über die Olympischen Winterspiele hinaus andauern werde. Zugleich zeigte er sich offen für einen Dialog mit Kim.

In den vergangenen Tagen hatten sich die Vereinigten Staaten und Südkorea bereits darauf verständigt, jährlich stattfindende gemeinsame Militärübungen auf die Zeit nach den Winterspielen zu verschieben. Weil der Koreakrieg 1953 mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem formellen Friedensvertrag endete, befinden sich die beiden Staaten formal noch im Kriegszustand.

Von: APA/ag.