Khashoggi wurde am 2. Oktober getötet

Skepsis wegen Darstellung Saudi-Arabiens im Fall Khashoggi

Freitag, 16. November 2018 | 15:52 Uhr

Die jüngsten Erklärungen Saudi-Arabiens zum Fall des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi sind im Ausland auf Skepsis gestoßen. Es gebe weiterhin “sehr viele offene Fragen” zum Tathergang und zu den Auftraggebern, sagte ein Sprecher des deutschen Außenamts am Freitag in Berlin. Nach Angaben eines türkischen Kolumnisten verfügt die Türkei über weitere Beweise, die Riads Darstellung widerlegen.

Die Staatsanwaltschaft in Riad hatte am Donnerstag ihre neueste Version der Ereignisse präsentiert. Demnach hatte der stellvertretende Geheimdienstchef Ahmed al-Asiri einen Einsatz angeordnet, um den seit 2017 im US-Exil lebenden Khashoggi nach Saudi-Arabien zurückzubringen. Der Leiter des “Verhandlungsteams” habe dann aber vor Ort die Entscheidung getroffen, den Regierungskritiker zu töten.

Der “Washington Post”-Kolumnist sei im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul betäubt, getötet und zerteilt worden, die Körperteile seien anschließend einem Helfer außerhalb des Konsulats übergeben worden, erklärte die Staatsanwaltschaft. Elf Verdächtige würden wegen des Verbrechens angeklagt, wobei gegen fünf die Todesstrafe gefordert werde. Den Verdacht, dass Kronprinz Mohammed bin Salman die Tat angeordnet habe, wies die Anklagebehörde zurück.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu bezeichnete die Erklärungen als “unzureichend” und beharrte auf dem vorsätzlichen Charakter der Tat. Die USA verhängten Sanktionen gegen 17 saudiarabische Verdächtige, darunter der mutmaßliche Einsatzleiter Maher Abdulasis Mutreb, Saudi-Arabiens Generalkonsul Mohammed al-Otaibi und der königliche Medienberater Saud al-Kahtani.

Der türkische Kolumnist Abdulkadir Selvi schrieb in der Zeitung “Hürriyet”, eine Tonaufnahme der Tat belege, dass es keinen Versuch zu Verhandlungen gegeben habe. Vielmehr sei Khashoggi umgehend nach Betreten des Konsulats am 2. Oktober erdrosselt worden. Zudem gebe es eine zweite 15-minütige Tonaufnahme, auf der zu hören sei, wie die Mitglieder des Mordkommandos vor der Tat ihren vorbereiteten Mordplan durchgingen.

Auch gebe es Mitschnitte von Telefongesprächen, die Mitglieder des Mordkommandos nach der Tat mit Gesprächspartnern im Ausland geführt hätten, schrieb Selvi. Türkische Medien hatten zuvor berichtet, der Einsatzleiter Mutreb habe wiederholt mit dem Büroleiter von Kronprinz Mohammed bin Salman telefoniert. Mutreb hatte den Thronfolger in der Vergangenheit mehrfach auf Auslandsreisen begleitet.

Ein deutscher Außenamtssprecher sagte, die Erklärungen Riads seien “ein erster Schritt” gewesen, doch müsse die Tat “vollständig und gründlich aufgeklärt werden”. Weder der Tathergang noch die Hintergründe oder die Frage “der letztendlichen Verantwortung” seien bisher geklärt. Zugleich betonte der Sprecher, die deutsche Bundesregierung lehne die Todesstrafe “unter allen Umständen als eine unmenschliche Art der Bestrafung ab”.

In Istanbul wurde am Freitag eine Trauerfeier für Khashoggi organisiert. Mehrere Dutzend Menschen sprachen vor der Istanbuler Fatih-Moschee ein traditionelles Gebet, das im Islam rezitiert wird, wenn der Leichnam eines Toten zerstört oder unauffindbar ist. Die Zeremonie wurde von einer Gruppe von Freunden Khashoggis organisiert, die in Istanbul seit Wochen immer wieder Protestkundgebungen veranstalten.

“Da wir überzeugt sind, dass sein Körper niemals gefunden werden wird, haben wir beschlossen, dieses Gebet für das Heil von Jamals Seele zu organisieren”, sagte der Leiter der Türkisch-Arabischen Medienvereinigung, Fatih Öke, zu der Khashoggi gehörte. Der Teilnehmer Ibrahim Peker sagte, die Zeremonie sei auch “eine Botschaft an die Welt, dass dieser Mord nicht ungesühnt bleiben wird. Gerechtigkeit wird kommen.”

Von: APA/ag.

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