Skripals in Salisbury vergiftet

Skripals schon jahrelang im Visier russischer Geheimdienste

Freitag, 13. April 2018 | 15:48 Uhr

Der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia sind nach Angaben des britischen Nationalen Sicherheitsberaters Mark Sedwill bereits seit fünf Jahren vom russischen Militärgeheimdienst beschattet worden. “Nach unseren Informationen reicht das Interesse der russischen Geheimdienste an den Skripals mindestens in das Jahr 2013 zurück”, schrieb Sedwill an die NATO-Führung.

Die britische Nachrichtenagentur Press Association veröffentlichte Sedwills Brief an NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Laut dem Brief waren Emailkonten von Julia Skripal im Visier von Cyberexperten des russischen Militärgeheimdienstes GRU.

Die Skripals waren am 4. März in der südenglischen Stadt Salisbury vergiftet worden. Die britischen Behörden gehen davon aus, dass bei der Tat ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam. London vermutet die russische Regierung hinter dem Anschlag auf den Ex-Spion und seine Tochter. Moskau weist jede Verantwortung zurück.

Der Fall hat eine diplomatische Krise zwischen Russland und Großbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten ausgelöst. Viele westliche Staaten wiesen russische Diplomaten aus, worauf Russland ebenfalls mit Ausweisungen reagierte.

In Sedwills Schreiben heißt es laut Press Association weiter, Russland verfüge über die “technischen Mittel, die Einsatzerfahrung und ein Motiv für den Angriff auf die Skripals”. Es sei “höchst wahrscheinlich”, dass der russische Staat für den Anschlag verantwortlich sei. Laut glaubwürdigen offenen und Geheimdienstquellen habe die Sowjetunion in den achtziger Jahren Gifte der Nowitschok-Gruppe auf einem Stützpunkt bei Wolgograd entwickelt. Das “Codewort für das offensive Chemiewaffenprogramm (zu dem Nowitschok zählte) war FOLIANT”.

Als Russland 1993 dann der Chemiewaffenkonvention beigetreten sei, seien “wahrscheinlich” geringe Mengen des Gifts dem russischen Militär überlassen worden, schrieb Sedwill demnach. In den Jahren nach 2000 seien in Russland Armeeangehörige darin ausgebildet worden, diese Waffen zu nutzen, darunter auch durch den Einsatz auf Türklinken. Die höchste Konzentration des Gifts wurde laut britischen Ermittlern an der Haustür Sergej Skripals gefunden.

Von: APA/ag.