Zuzana Caputova spricht am Wahlabend vor ihren Unterstützern

Slowakische Präsidentschafts-Stichwahl zu Ende gegangen

Samstag, 30. März 2019 | 22:33 Uhr

Die Stichwahl um die Präsidentschaft in der Slowakei ist am späten Samstagabend ohne Zwischenfälle zu Ende gegangen. Die mehr als 5.900 Wahllokale wurden gegen 22:00 Uhr geschlossen, kurz darauf begann die Veröffentlichung der ersten Teilergebnisse auf der Webseite des slowakischen Statistikamtes. Als klare Favoritin gilt die liberale Anwältin und Quereinsteigerin Zuzana Caputova.

Erste inoffizielle Teilergebnisse der tatsächlichen Auszählung wurden während der Nacht erwartet. Das offizielle Endergebnis soll am Sonntagmittag bekannt gegeben werden, wie das Innenministerium in Bratislava der dpa mitteilte.

Die rund 4,4 Millionen Wähler waren am Samstag aufgerufen, ihren neuen Präsidenten für die nächste fünfjährige Amtszeit zu wählen. In der Stichwahl standen sich die liberale Anwältin und Bürgerrechtlerin Zuzana Caputova (45) und der parteilose EU-Kommissar Maros Sefcovic (52) gegenüber.

Die politisch wenig erfahrene Kandidatin der neugegründeten liberalen Partei Progressive Slowakei (PS) hatte die bessere Startposition, in den entscheidenden Wahldurchgang ging sie mit einem markanten Vorsprung aus der ersten Runde. Sie hatte die Abstimmung mit über 40 Prozent klar gewonnen und alle restlichen 12 Kandidaten weit hinter sich gelassen. Der erfahrene Europapolitiker Sefcovic, aufgestellt von der führenden Regierungspartei Smer (Richtung) von Ex-Premier Robert Fico, kam lediglich auf knapp 19 Prozent.

Caputova kann laut Umfragen mit 60 Prozent der Stimmen rechnen. Die überwiegend konservativ und christlich geprägte Slowakei könnte damit erstmals in ihrer Geschichte eine Frau zur Präsidentin bekommen.

Der Urnengang wurde deutlich vom Mord am Investigativ-Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten vor einem Jahr gekennzeichnet. Als Politneuling gilt Caputova als unbelastet von den Skandalen, die vom Aufdeckreporter vor seinem Tod recherchiert wurden. Die Enthüllungen führten letztes Frühjahr zu Massenprotesten und dem Sturz der Regierung von Robert Fico.

Caputova sei es gelungen, sich zur Hoffnungsträgerin der Demonstrationsbewegung zu machen, die eine grundlegende Veränderung wünsche, sagte der Meinungsforscher Pavel Haulik vor der Wahl der Deutschen Presse-Agentur. “Diese Demonstrationsbewegung hat einen großen Teil der Bevölkerung erreicht, aber keine Partei hat sie politisch abgedeckt. Caputova hat das genützt und wurde damit von einer politisch unbekannten Kandidatin zur Favoritin dieser Wahlen”, erinnerte Haulik an Slogans der Kandidatin.

In der Slowakei hat ein Präsident weitgehend repräsentative Aufgaben, eine wichtige Rolle kommt ihm allerdings bei der Ernennung hoher Amtsträger in der Justiz sowie bei Regierungskrisen zu.

Bei sonnigem Frühlingswetter verlief die Wahl bis zum Abend ohne nennenswerte Zwischenfälle. Auch viele Slowaken, die in den österreichischen und ungarischen Nachbargemeinden der Hauptstadt Bratislava oder in Tschechien leben, fuhren eigens über die Grenze, um an der Wahl teilnehmen zu können, die nur im Inland möglich ist, berichtete die dpa.

Von: apa

Kommentare

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1 Kommentar auf "Slowakische Präsidentschafts-Stichwahl zu Ende gegangen"


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Mistermah
Mistermah
Kinig
18 Tage 13 h

Ein Europapolitiker war eben kein ernst zu nehmender Gegner 😁

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