Wolfgang Sobotka (r.) im Gespräch mit einem Holocaust-Überlebenden

Sobotka in Yad Vashem “betroffen, sprachlos”

Dienstag, 17. Juli 2018 | 14:36 Uhr

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) hat am Dienstag gemeinsam mit dem israelischen Parlamentspräsidenten Yuli Edelstein die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem besucht. In seinem Gästebucheintrag zeigte sich Sobotka im Gedenken an die gequälten, erniedrigten und ermordeten Opfer “betroffen, sprachlos”.

Der Opfer zu gedenken sei “nicht nur Pflicht, es gehört zu unserer österreichischen besonderen Verantwortung, allen von ihnen ihre Würde und Identität zurückzugeben”, betonte Sobotka. Aus der Verantwortung für die Überlebenden müsse man für einen “würdevollen Lebensabend” sorgen. Israel gebühre “großer Dank” für seine “hingebungsvolle Arbeit im Sinne des ‘Nie wieder'”. Im Gedenken fand auch eine Kranzniederlegung statt.

Zuvor waren Sobotka und Edelstein im Archiv der Gedenkstätte. Der Österreichische Nationalfonds trägt mit 1,5 Millionen Euro zur namentlichen Erfassung der Opfer und der Archivarbeit bei. “Mit seiner Unterstützung leistet der Nationalfonds einen Beitrag, dass im Sinne des ‘Nie wieder’ die Verbrechen des Nationalsozialismus niemals vergessen werden”, sagte Nationalfonds-Generalsekretärin Hannah Lessing. In der Früh hatte Sobotka privat das politisch heikle Tempelberg-Gelände besucht.

Am Ende seiner Israel-Reise hat Sobotka dann noch ein klares Signal gesetzt: Im Licht der schwersten militärischen Auseinandersetzungen der israelischen Armee und der radikalislamischen Hamas seit 2014 besuchte Sobotka am Dienstag kurzfristig die israelische Stadt Sderot in der Nähe des Gazastreifens. Es handle sich um ein “Zeichen der Verbundenheit”, so Sobotka zur APA.

Er zeigte im Rahmen seines Israel-Besuchs Verständnis dafür, dass das Land den direkten Kontakt mit FPÖ-Ministern ablehnt. Gleichzeitig wünsche man sich eine “Normalisierung”, betonte Sobotka. Der Nationalratspräsident sieht die FPÖ gefordert, entsprechende “Zeichen” zu setzen.

Die Beziehungen zwischen Israel und Österreich sind grundsätzlich gut, allerdings boykottiert Israel wegen wiederholter antisemitischer Vorfälle in den blauen Reihen den direkten Kontakt mit Regierungsmitgliedern der Freiheitlichen, also auch der von der FPÖ nominierten parteifreien Außenministerin Karin Kneissl, einer ausgewiesenen Nahost-Expertin. Im Delegationsgespräch in der Knesset sei “die Thematik aufgeworfen” worden, allerdings nur am Rande, sagte Sobotka auf Anfrage der APA. “Wir können das verstehen”, erklärte der Nationalratspräsident, fügte aber auch hinzu: “Wir bedauern es.” Man wünsche sich eine “Normalisierung” – dies könne nur durch Dialog gelingen, was eben nicht von heute auf morgen gehe. “Das braucht seine Zeit.”

“Jeder in diesem Dialog ist aufgefordert, die richtigen Schritte zu setzen”, findet Sobotka. Ein wesentlicher Ansatz in der Frage sei das Verhältnis der FPÖ zur Israelitischen Kultusgemeinde in Österreich, glaubt der Nationalratspräsident. Die Freiheitlichen hätten schon Schritte gesetzt, anerkennt Sobotka, meinte aber dennoch: “Es braucht von der FPÖ Zeichen”, so dass man die Distanzierung vom Antisemitismus “auch sehen kann”.

Gefragt, ob sein Besuch in Israel auch der “Reinwaschung” der FPÖ diente, entgegnete Sobotka: “Man kann niemanden reinwaschen – da müsste man ja davon ausgehen, dass jemand unrein ist.” Das Thema werde “hochstilisiert”. Er könne die israelische Seite verstehen, bekräftigte Sobotka, er selbst arbeite im Parlament aber “einwandfrei” mit der FPÖ zusammen.

Von: apa