Lage im Gazastreifen angespannt

Solidaritätsschiff auf dem Weg nach Gaza von Israel gestoppt

Sonntag, 29. Juli 2018 | 17:14 Uhr

Israels Marine hat am Sonntag nach palästinensischen Angaben ein internationales Solidaritätsschiff gestoppt, das auf dem Weg zum blockierten Gazastreifen war. Das erste von insgesamt zwei Schiffen sei von der Marine gestoppt und dazu gezwungen worden, Kurs auf den israelischen Hafen Aschdod zu nehmen, sagte Adham Abu Selmeja vom Palästinensischen Komitee gegen die israelische Blockade.

Die israelische Armee teilte später mit, das aus Europa kommende Schiff sei abgefangen worden, weil es die “legale Seeblockade” des Gazastreifens durchbrechen wollte. “Das Schiff wurde überwacht und in Übereinstimmung mit internationalem Recht abgefangen”, hieß es in einer Erklärung. Es werde in den Hafen Ashdod gebracht.

Nach Angaben der Veranstalter fährt das Schiff “Al-Auda” (Die Rückkehr) unter norwegischer Flagge und hat 22 Menschen aus 16 Ländern an Bord. Das ehemalige Fischerboot transportiere Medikamente für die Menschen im Gazastreifen. Menschenrechtsorganisationen haben immer wieder gewarnt, die Lebensbedingungen der rund zwei Millionen Einwohner des Küstenstreifens seien unerträglich.

Israel hat seit mehr als zehn Jahren eine Blockade über den Küstenstreifen verhängt, die von Ägypten mitgetragen wird. Die Maßnahme wird mit Sicherheitserwägungen begründet, da im Gazastreifen die radikalislamische Hamas herrscht. Die Hamas wird von USA und EU als Terrororganisation eingestuft und hat sich Israels Zerstörung auf die Fahne geschrieben.

Eine israelische Armeesprecherin in Aviv sagte, man kommentiere keine operativen Einsätze des Militärs. Schon in den vergangenen Jahren hatte das israelische Militär die beteiligten Schiffe gestoppt und in einen israelischen Hafen geleitet. Immer wieder versuchen Aktivisten, die Blockade auf See zu durchbrechen. Bei einer solchen Aktion im Jahre 2010 hatten israelische Soldaten das türkische Schiff “Mavi Marmara” gestürmt, wobei zehn türkische Staatsbürger ums Leben kamen.

Seit Ende März gibt es an der Grenze des Gazastreifens immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischer Armee. Mindestens 157 Palästinenser wurden seitdem getötet. Vor gut einer Woche starb überdies ein israelischer Soldat durch palästinensisches Gewehrfeuer. Unter anderem UNO-Generalsekretär Antonio Guterres warnte angesichts der Gewalt vor einem “neuen zerstörerischen Konflikt”.

Die 17-jährige Palästinenserin Ahed Tamimi rief indes nach der Entlassung aus der Haft zum weiteren Kampf gegen die israelischen Sicherheitskräfte im Westjordanland auf. “Der Widerstand geht weiter, bis die Besatzung beendet ist”, sagte sie am Sonntag im Dorf Nabi Saleh, das etwa 30 Kilometer nördlich von Jerusalem liegt.

Fast acht Monate lang saß Tamimi in einem israelischen Gefängnis, weil sie einem Soldaten vor laufender Kamera ins Gesicht geschlagen hatte. Am Sonntag kamen die 17-Jährige und ihre Mutter wieder frei. Bei der Rückkehr in ihr Heimatdorf wurden die beiden von Familie und Freunden jubelnd in Empfang genommen. Danach besuchten die Frauen das Grab des früheren Palästinenserpräsidenten Yasser Arafat in Ramallah. “So Gott will, werden bald alle (palästinensischen) Häftlinge freigelassen und frohlocken”, sagte Ahed Tamimi.

Palästinensern gilt der Teenager mit den langen, dunkelblonden Locken als Symbolfigur des Widerstands gegen die israelische Besatzung. Israel sieht Tamimi dagegen als Provokateurin.

Anklage und Verteidigung hatten sich im März in einem Deal auf eine achtmonatige Haftstrafe geeinigt. Tamimi war zusammen mit ihrer Mutter Nariman in Haft, die ebenfalls freikam.

Ahed Tamimi hatte im Dezember in ihrem Heimatort Nabi Saleh im Westjordanland einem israelischen Soldaten vor laufender Kamera ins Gesicht geschlagen und ihn getreten. Sie war damals noch 16 Jahre alt. Auch Tamimis Mutter und eine Verwandte suchten die Konfrontation mit den Soldaten. Während Medien von einer Ohrfeige sprachen, war in der Anklageschrift von einem Faustschlag die Rede. Auf Videobildern, die sich rasch im Internet verbreiteten, ist der Vorgang nur schlecht zu erkennen. Klar ist in jedem Fall, dass sie dem Soldaten ins Gesicht geschlagen hat. Die Frauen wurden nach dem Vorfall festgenommen.

Tamimis israelische Anwältin Gaby Lasky sagte, die Frauen seien etwas früher aus der Haft entlassen worden. Dies sei übliche Praxis in Israel, weil die Gefängnisse so überfüllt seien. Sie erklärte ferner, es sei “eindeutig, dass Aheds Festnahme und Bestrafung mehr mit Politik als mit juristischen Fragen zu tun hatte”. Der Prozess gegen die junge Palästinenserin habe die “Torheit der (israelischen) Besatzung deutlich gemacht”, sagte sie. “Minderjährige vor Militärgerichte zu stellen ist nicht der richtige Weg, um den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern zu beenden.” Sie hoffe, “dass unsere Führung mutig genug sein wird, eine Friedensregelung zu vereinbaren und uns alle von den Ketten der Besatzung zu befreien”.

Von: APA/Ag.