15 Menschen verloren gewaltsam ihr Leben

Spanien gedenkt Anschlagsopfern von Barcelona und Cambrils

Freitag, 25. August 2017 | 06:41 Uhr

Spanien gedenkt der Opfer des Terroranschlags in Barcelona und Cambrils: Das Parlament legte am Donnerstag eine Schweigeminute ein, am Samstag findet eine Großkundgebung statt. Bei den meisten Opfern handelte es sich um Touristen, die vor einer Woche auf Barcelonas weltberühmter Flaniermeile La Rambla spazieren gingen. Die 15 Todesopfer und fast 130 Verletzten kamen aus 35 verschiedenen Ländern.

Die Erinnerung an die Opfer wird auch ein zentrales Anliegen der am Samstag stattfindenden Massendemo sein, zu der unter dem Motto “Ich habe keine Angst” Zigtausende Menschen in Barcelona erwartet werden. Sie werden Menschen wie dem 42-jährigen US-Amerikaner Jared T. gedenken, der mit seiner Frau Heidi eine Europareise machte, um ihren ersten Hochzeitstag zu feiern. Sie saßen auf einer Terrasse, um etwas zu trinken. Seine Frau überlebte, weil die Menschenmasse sie in einen Kiosk drückte. Jared kam jedoch gerade von der Toilette zurück und wurde frontal vom Lieferwagen erfasst, den der Attentäter über die La Rambla steuerte.

Die Belgierin Elke V. konnte dem Lieferwagen auch nicht rechtzeitig ausweichen. Die zweifache Mutter im Alter von 44 Jahren wollte einem ihrer Söhne einen Traum erfüllen, ein Mal das Camp Nou zu besuchen, das weltberühmte Fußballstadion vom FC Barcelona. Ihr Mann und ihre beiden Söhne überlebten.

Die beiden Söhne von Bruno G. überlebten nur, weil ein 35-jähriger Italiener sie noch im letzten Moment zur Seite stoßen konnte. Er selber wurde jedoch vom Wagen erfasst, starb an Ort und Stelle. Francisco L. war das erste Opfer, dessen Identität bekannt wurde. Der 57-jährige Spanier besuchte mit seinem gerade einmal drei Jahren alten Neffen die Ramblas, um ein Eis zu kaufen, welches sie nicht mehr essen sollten.

Die Familie des britischen-australischen Buben Julian C. suchte fast 24 Stunden nach dem siebenjährigen Kind, bis bestätigt wurde, dass er sich auch unter den Todesopfern befand. Seine Großvater Tony C. hatte über die sozialen Netzwerke einen herzzerreißenden Aufruf gestartet, um seinen vermissten Enkel wiederzufinden: Er verbreitete ein Foto des lächelnden, kleinen Buben in einem grünen Pullover. Julians Mutter, die mit auf der Rambla war, wurde bei dem Anschlag schwer verletzt, und wusste nicht, wo ihr Sohn war.

Julia M. stammt ebenfalls aus Australien. Sie hatte Glück. Gleich drei Mal. Die 26-Jährige aus Melbourne wollte einige Monate Europa besuchen. Am 4. Juni befand sie sich in London, als acht Menschen bei einem Anschlag auf der London Brücke und dem Borough Market ums Leben kamen. Danach reiste sie weiter nach Paris. Just als sie vor der Notre Dame Kirche stand, ging ein Mann mit einem Schrei “Das ist für Syrien” auf Polizeibeamte los und wurde erschossen. Auch in Barcelona entging sie erneut einem Anschlag. Sie befand sich mit einer Freundin in einem Geschäft an der Rambla. Sie wollten gerade auf die Straße gehen, als der Attentäter an dem Geschäft vorbeisteuerte.

Der Spanier Pau P. hatte weniger Glück. Der 34-Jährige, der sich mit NGO für die Armen und Schwachen wie in Haiti einsetzte, hatte das Pech, ebenfalls am falschen Ort zur falschen Zeit gewesen zu sein. Er wurde als letztes Opfer bekannt. Der begeisterte Fußball-Fan hatte gerade sein Fahrzeug geparkt, als der Attentäter Younes Abouyaaqoub seine Fahrzeugtür aufriss und ihn einfach mit einem Messer abstach.

Younes, der den Lieferwagen über die Rambla fuhr, war zunächst eine Stunde zu Fuß unterwegs. Er brauchte einen Fluchtwagen und sah Pau, der gerade im Begriff war, auszusteigen. Der Marokkaner ließ ihn auf dem Beifahrersitz verbluten, warf ihn später einfach in den Kofferraum.

15 Menschen verloren vor einer Woche gewaltsam ihr Leben. Kinder, Eltern, Großeltern. Menschen, die ihren Sommerurlaub in einer der schönsten Mittelmeermetropolen genießen wollten. Ihnen werden am Samstag Zigtausende in Barcelona gedenken.

Von: apa