Tausende Abspaltungsgegner gingen in Barcelona auf die Straße

Spaniens Nationalfeiertag inmitten der Katalonien-Krise

Donnerstag, 12. Oktober 2017 | 16:07 Uhr

Überschattet von der Katalonien-Krise haben in Spanien am Donnerstag die Feiern zum Nationalfeiertag stattgefunden. Im Zentrum von Madrid nahmen König Felipe VI. und Ministerpräsident Mariano Rajoy die traditionelle Militärparade ab. In der katalanischen Hauptstadt Barcelona gab es Demonstrationen gegen die Loslösung der Region von Spanien.

Mit der Militärparade in der spanischen Hauptstadt wird alljährlich der Ankunft von Christoph Kolumbus am 12. Oktober 1492 auf dem amerikanischen Kontinent gedacht. Tausende Soldaten und Armeefahrzeuge paradierten auf dem Madrider Paseo de la Castellana. Der Boulevard war gesäumt von Menschen, die rot-gelbe Nationalfahnen schwenkten und “Viva Espana!” riefen.

Kampfjets und Hubschrauber der spanischen Luftwaffe überflogen den Boulevard. Ein daran beteiligter Eurofighter stürzte später auf dem Rückflug zum Luftwaffenstützpunkt Los Llanos bei Albacete, 300 Kilometer südöstlich von Madrid, bei der Landung ab. Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, kam der Pilot dabei ums Leben.

In Barcelona gingen indes erneut Menschen für Spaniens Einheit auf die Straße. Die anti-separatistische Bürgerbewegung SCC veranstaltete einen großen Protestmarsch gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Regionalregierung. Zahlreiche Rathäuser in Katalonien boykottierten allerdings den spanischen Nationalfeiertag und öffneten alle staatlichen Gebäude und Einrichtungen.

Auch einen Marsch von Rechtsextremisten gab es, an dem sich etwa 150 Demonstranten beteiligten. Sie schwenkten spanische Fahnen und solche mit Symbolen der Falange, der von Jose Antonio Primo de Rivera 1933 gegründeten Faschistenpartei. Eskortiert wurden die Marschierer von katalanischen Polizeikräften.

Kataloniens verstärkte Unabhängigkeitsbestrebungen haben Spanien in seine schwerste Krise seit Jahrzehnten gestürzt. Der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont hatte am Dienstagabend eine Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet, diese dann aber umgehend für ausgesetzt erklärt, um nach eigenen Angaben einen “Dialog” mit der Zentralregierung anzustoßen. Puigdemonts Sprecher erklärte die Unterzeichnung der Erklärung später zum “symbolischen Akt”.

Madrid will eine Abspaltung Kataloniens mit allen Mitteln verhindern und droht mit einem Entzug der katalanischen Autonomierechte. Rajoy setzte der Generalitat in Barcelona am Mittwoch eine Frist von fünf Tagen. Bis Montag soll sie klarstellen, ob sie die Unabhängigkeit der Region ausgerufen hat oder nicht. Damit setzte Rajoy das Verfahren zur Entmachtung der Regionalregierung und zum Entzug der Autonomierechte nach Verfassungsartikel 155 erstmals formell in Gang.

Sollte Puigdemont bis Montag um 10.00 Uhr bestätigen, dass die Unabhängigkeit ausgerufen wurde, soll er nochmals fünf Tage Zeit bis zum Donnerstag bekommen, um diesen Schritt rückgängig zu machen. Tut er das nicht, soll dann die katalanische Autonomie ausgesetzt werden. Spaniens Verfassung sieht die Abspaltung einer Region nicht vor. Eine Unabhängigkeitserklärung wäre daher nach Auffassung der Zentralregierung ein klarer Rechtsbruch.

Von: APA/dpa

Kommentare

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7 Kommentare auf "Spaniens Nationalfeiertag inmitten der Katalonien-Krise"


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Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
9 Tage 10 h

Rajoy macht mit dem Ultimatum einen großen Fehler und agiert völlig unlogisch. Erklärt katalonien die Unabhängigkeit kann er die Regierung nicht politisch entmachten, da sie nicht mehr der spanischen Zentralregierung weder dessen Gesetzen unterliegt. Das geht nur mehr mit Gewalt, sozusagen militärischer Besetzung. Kommt es zu keiner Unabhängigkeit wird das katalanische Parlament verhaftet. Hier sieht man das es keinen Willen zum Dialog gibt. Dialog wäre. Verzicht auf Unabhängigkeit für neuverhandlung der Autonomie

MartinG.
MartinG.
Superredner
9 Tage 5 h

Nun gut; kann man so sehen; das ist aber Taktik. Nun ist Puigdemont gezwungen Farbe zu bekennen und kann sich nicht mehr wie am Dienstag herumdrücken. Sagt er Nein; dann werden ihn seine eigenen Knechte politisch killen; sagt er Ja, kommt Art. 155 zur Anwendung und die Cat-Separatisten werden entmachtet und Cat unter kommissarischer Verwaltung gestellt. Rajoy hat Piugdemont in eine Falle gelockt; ich denke der Katalane hat jetzt bis Montag was zum Grübeln, während König und Regierung einen schönen dia de la hispanidad feiern können.

MartinG.
MartinG.
Superredner
9 Tage 5 h

Freut mich; endlich ist die stille Mehrheit, die den Harakiri-Kurs der Separatisten nicht mitmachen will, aufgewacht. Nun wird jenseits von Umfragen offensichtlich, daß es nicht nur ein Konflikt Esp vs Cat ist, sondern daß Cat in sich gespalten ist; die Spanier in Cat wollen Europäer bleiben und nicht zwangskatalanisiert werden.

Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
9 Tage 2 h

Ist Spanien Faschistischer als Italien??

MartinG.
MartinG.
Superredner
9 Tage 37 Min

Eine interessante Analyse: Nun geht die Angst um. Eine, die sich Madrid zunutze machen will
“Madrid steht kurz davor, die Regionalregierung in Barcelona zu entmachten. Was dann passiert, großes Aufatmen oder Straßenschlachten, ist ungewiss. Der Ton ist vorsichtiger geworden – zudem gibt es eine neue Perspektive.”
https://www.welt.de/politik/ausland/article169562102/Nun-geht-die-Angst-um-Eine-die-sich-Madrid-zunutze-machen-will.html

Es ist anders gekommen, als es die Separatisten wahrhaben wollten; es gibt ein echtes Angebot aus Madrid; aber die Hardcore-Separatisten bleiben die größte Gefahr.

MartinG.
MartinG.
Superredner
9 Tage 49 Min

Die meiner Ansicht beste Ansprache im Cat-Parlament: Von der 36-jährigen Inés Arrimadas, Vorsitzenden der bürgerlich-liberalen Partei “Ciudadanos” in Katalonien:
“Meine Eltern, Geschwister und Neffen leben in Andalusien”, sagt sie. “Ich werde nicht zulassen, dass sie ihren Pass zeigen müssen, wenn sie mich besuchen!” Die Mehrheit der Katalanen fühle sich katalanisch, spanisch und europäisch. “In unseren Herzen haben diese drei Identitäten Platz. Und ich werde nicht zulassen, dass sie unser Herz zerreißen.”
http://www.spiegel.de/politik/ausland/katalonien-der-tag-der-spanier-a-1172680.html

Mehr ist dazu nicht zu sagen; offenbart den Unterschied zwischen Freiheit und Willkür; Europa und Kleinstaaterei. Die Cat-Separatisten werden ihren nationalistischen Schrebergarten nicht bekommen, never.

MartinG.
MartinG.
Superredner
7 Tage 23 h

Bis zum heutigen Tag haben mindestens 531 Unternehmen Katalonien verlassen:
http://www.lavanguardia.com/economia/20171013/432025958733/empresas-catalunya-1-o.html
Al menos 531 empresas han abandonado Catalunya desde el 1-OLa mayor parte de traslados se produjo tras el decreto del Gobierno que los facilitaba y antes del pleno en el que Puigdemont suspendió los efectos de la independencia

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