Wähler entscheidet, dass Einheimische gewinnen – ein Kommentar

Spannendes Rennen im Süden

Donnerstag, 29. September 2022 | 01:12 Uhr

Bozen/Kurtinig – Während die anderen Südtiroler Wahlkreise gerade aus Sicht des Edelweißes als „gmahnte Wiesn“ galten, versprach bei den Parlamentswahlen am Sonntag der Senatswahlkreis Bozen-Unterland von Anfang an Spannung. Die Entscheidung der SVP, allein anzutreten und mit dem Kurtiniger Bürgermeister Manfred Mayr einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken, wurde von vielen Polemiken begleitet. Während die einen glaubten, dass diese Kandidatur aussichtslos sei, meinten andere, dass dieser Wahlkreis „einem Italiener gehöre“.

stnews/luk

Von berufener Seite wurde aber darauf hingewiesen, dass der Senatswahlkreis Bozen-Unterland, in dem die italienischsprachige Bevölkerung eine knappe Mehrheit bildet, zwar dazu geschaffen wurde, die Wahl eines Italieners zu begünstigen, diese aber nicht zu garantieren. Angesichts der Tatsache, dass die SVP im Gegensatz zu vergangenen Wahlen nicht den italienischen Mitte-Links-Kandidaten unterstützte, galt den italienischen Umfragen folgend, die der Koalition um Giorgia Meloni einen haushohen Wahlsieg vorhersagten, der Lega-Kandidat Maurizio Bosatra zunächst als großer Favorit auf den Senatssitz.

svp

Es kam aber ganz anders. Mit nur 400 Stimmen Vorsprung auf Manfred Mayr gewann der bei der Bevölkerung offenbar immer noch beliebte Ex-Bürgermeister von Bozen, Luigi Spagnolli, entgegen dem italienischen Trend das Rennen. Maurizio Bosatra, dem vermutlich seine fehlende Verwurzelung im Wahlkreis zum Verhängnis wurde, landete „nur“ auf dem dritten Platz. Allerdings hatte auch er nur 1.000 Stimmen Rückstand auf den Sieger.

Sieger war auch die Demokratie. Aufgrund des erwarteten spannenden Rennens und des fast nicht mehr gewohnten Antretens der SVP blieb im Senatswahlkreis Bozen-Unterland die Wahlbeteiligung höher als andernorts im Land.

gmbz – archiv

Aus dem Rennen können gleich mehrere Lehren gezogen werden. Die erste ist, dass die Entscheidung der SVP, allein anzutreten, richtig war. Manfred Mayr schrammte haarscharf am Senat vorbei und erzielte einen Achtungserfolg, auf den die Sammelpartei aufbauen kann. Für die SVP wird es auch ein Trost sein, dass zumindest ein bekennender Freund der Autonomie den Senatssitz ergattern konnte.

Die zweite ist, dass vom Wähler starke einheimische Kandidaten bevorzugt werden. Die wichtigste aber ist, dass der Wähler und nur er entscheiden will, wer für ihn in den römischen Senat einzieht. Jene, die glauben, der Wahlkreis „gehöre“ nur diesem oder jenem Bündnis oder nur einer Sprachgruppe, wurden eines Besseren belehrt.

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare
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Doolin
Doolin
Kinig
2 Monate 2 Tage

…man darf eh nur mehr ankreuzen was die Parteien vorgeben…früher konnten die Wähler noch Vorzugsstimmen geben…das waren halr noch Wahlen…

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 2 Tage

Wahlen, wirkliche Wahlen wären, wenn der Wähler verstünde worum es geht.
Das bezweifle ich bei den allermeisten!

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