May hat in Großbritannien Mitte Juli Saison

Spekulationen über neue Minister im britischen Kabinett

Dienstag, 12. Juli 2016 | 15:20 Uhr

Fliegender Wechsel in der Downing Street: Die 59-jährige Innenministerin Theresa May tritt schon am Mittwoch als neue britische Premierministerin an. Zuvor reicht David Cameron bei Königin Elizabeth II. seinen Rücktritt ein. Unterdessen mehren sich die Stimmen innerhalb der EU, die May aufforderten, schnell Klarheit über den Brexit-Ablauf zu schaffen.

Bei seiner letzten Kabinettssitzung als Premierminister bekam Cameron am Dienstag in London “viele wunderbare Ehrungen”, wie Politiker berichteten. May zeigte sich bei dem Treffen gut gelaunt im dunklen Hosenanzug und trug Schuhe mit Wildkatzenmuster.

Die Konservative May wird die Nummer 13 in der Liste der Regierungschefs unter der Queen – und nach Margaret Thatcher die zweite Frau. Sie hat als künftige Premierministerin die schwierige Aufgabe, ihr Land aus der EU zu führen. Dazu gebe es nach dem Referendum am 23. Juni keine Alternative, hatte May bereits am Montag klargemacht. “Brexit bedeutet Brexit.”

Cameron scheint mit sich und der Welt im Reinen zu sein. Nachdem er am Montag seinen Rücktritt verkündet hatte, summte er aufgekratzt – und wusste wohl nicht, dass das Mikrofon am Anzugsrevers noch an war. Der kleine Video-Mitschnitt vom Montagabend erheiterte die Briten. Nur Sekunden dauerte das Summen. “Do do, do do”, ist zu hören, dann fallen noch zwei Worte: “right” (richtig) und “good” (gut).

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die designierte britische Premierministerin May inzwischen aufgefordert, bald Klarheit über den Ablauf des EU-Austritts Großbritanniens zu schaffen. “Die Aufgabe der neuen Premierministerin wird sein, dann auch einmal Klarheit zu gewinnen über die Frage, welches Verhältnis möchte Großbritannien in Zukunft zur Europäischen Union aufbauen”, sagte Merkel nach einem Treffen mit dem irischen Ministerpräsidenten Enda Kenny in Berlin. Wann das Land seinen Austrittsantrag nach Artikel 50 stelle, liege in der Entscheidung der neuen britischen Regierung.

“Sicherlich ist es wichtig, dass wir in Zusammenhang mit diesem Antrag auch Klarheit darüber bekommen, welche Beziehungen Großbritannien zur EU aufbauen will”, sagte Merkel. Kenny äußerte die Hoffnung, dass der Austrittsantrag nicht lange auf sich warten lasse. Er machte zudem deutlich, dass sein Land ganz besondere Beziehungen zu Großbritannien habe, die er gerne berücksichtigt sehen möchte. Für den Zugang zum europäischen Binnenmarkt werde das Vereinigte Königreich auf jeden Fall einen Preis zahlen.

Unterdessen sprießen die Spekulationen über Mays Kabinettsliste. Nach einem Bericht des “Guardian” gilt der bisherige Außenminister Philip Hammond als ein Favorit für den Chefposten im Finanzministerium. Schatzkanzler George Osborne könnte dann ins Außenamt wechseln – allerdings sähe das Brexit-Lager es ungern, wenn Osborne als Mann des Pro-EU-Lagers künftig Austrittsgespräche mit der EU führen müsste.

Auch Chris Grayling, Brexit-Befürworter im Parlament und enger Vertrauter Mays, käme für einen wichtigen Posten infrage, schreibt die Zeitung. Grayling betonte indes am Dienstag, es gebe keine Eile für einen Austrittsantrag Großbritanniens. “Der Artikel 50 sollte aktiviert werden, wenn wir dazu bereit sind”, sagte er dem Sender Sky News.

Hoffnungen auf einen Kabinettsposten machen dürfe sich auch Andrea Leadsom, die bis zu ihrem Rückzug am Montag Mays schärfste Rivalin im Kampf um die Nachfolge von Cameron war.

Zugleich wurden aus dem Umkreis Mays Forderungen nach raschen Neuwahlen zurückgewiesen. Dies stehe nicht zur Debatte, hieß es. May hatte erst kürzlich gesagt, sie plane keine Wahlen vor dem turnusmäßigen Datum 2020.

Von: apa