Der "Kalif" ist wohl tot

Spekulationen über Tod von IS-Chef Baghdadi

Dienstag, 11. Juli 2017 | 19:19 Uhr

IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi ist nach Angaben der “Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte” tot. Die Nachricht vom Ableben des 46-jährigen Irakers hätten hochrangige Führer der Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) in Syrien bestätigt, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, am Dienstag. Die US-geführte Anti-IS-Koalition konnte die Information nicht bestätigen.

Es sei unklar, wann und wie Baghdadi gestorben sei, sagte der Leiter der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle. Die oppositionsnahe Organisation stützt sich auf ein Netz von Aktivisten und Informanten in Syrien. Ihre Angaben können in der Regel von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

Der US-Kommandant des Anti-IS-Bündnisses, General Stephen Townsend, erklärte, er sei außerstande, den Tod des IS-Führers zu bestätigen oder zu dementieren. “Ich weiß es wirklich nicht”, sagte er am Dienstag. Nachdem es vor einigen Wochen Meldungen gegeben habe, Baghdadi sei bei einem russischen Luftangriff getötet worden, hätten das US-Militär Berichte erreicht, dass der Terrorist noch am Leben sei. Allerdings gebe es auch kein Lebenszeichen von Baghdadi, fügte Townsend hinzu.

US-Präsident Donald Trump schrieb unterdessen im Kurzbotschaftendienst Twitter: “Große Siege gegen ISIS!” Es war zunächst aber unklar, ob er sich auf die Befreiung der irakischen IS-Hochburg Mosul am Montag, den Tod Baghdadis oder beides bezog. Der IS, der sich früher “Islamischer Staat im Irak und Großsyrien” (ISIS) nannte, machte auf den von ihm genutzten Kanälen keine Angaben zu der Todesmeldung.

Allerdings hatte auch Moskau vor kurzem erklärt, Baghdadi sei “aller Wahrscheinlichkeit nach” getötet worden. Das russische Verteidigungsministerium teilte im Juni mit, es überprüfe Hinweise, dass Baghdadi bei einem russischen Luftangriff nahe der syrischen IS-Hochburg Raqqa ums Leben gekommen sei.

Demnach bombardierte die russische Luftwaffe am 28. Mai ein Treffen von Anführern der IS-Miliz südlich von Raqqa. Den russischen Angaben zufolge wurden bei dem Angriff auch 30 IS-Kommandanten sowie bis zu 300 Kämpfer getötet, die für die Sicherheit der Kommandanten sorgen sollten. Baghdadi war in der Vergangenheit schon mehrfach für tot erklärt worden.

Die Provinz Deir ez-Zor im Osten Syriens befindet sich derzeit noch größtenteils unter Kontrolle des IS. Baghdadi habe sich in den vergangenen Monaten in östlichen Bezirken der Provinz aufgehalten, sagte Rahman. Es sei aber unklar, ob der 46-Jährige dort oder an einem anderen Ort getötet worden sei.

Der Iraker hatte 2014 mit der IS-Miliz weite Teile des Iraks und Syriens erobert. Im Juli 2014 war Baghdadi in Mosul das einzige Mal öffentlich aufgetreten. Dabei hatte er weltweit für Schlagzeilen gesorgt, indem er das “Kalifat” des IS in Teilen des Irak und im benachbarten Syrien ausrief und Muslime aufforderte, sich seinen Anweisungen zu unterwerfen.

Baghdadis letztes Lebenszeichen stammt vom vergangenen November, kurz nach Beginn der Offensive der irakischen Regierungstruppen und ihrer Verbündeten auf das damals vom IS beherrschte Mosul: In einer im Internet verbreiteten Audiobotschaft rief er seine Anhänger zum Durchhalten auf. Er selbst soll Mosul Anfang des Jahres verlassen haben.

Die irakische Regierung gab am Montag die vollständige Rückeroberung Mosuls aus den Händen des IS bekannt. “Ich verkünde heute der ganze Welt, dass der legendenumwobene terroristische Staat gescheitert und zusammengebrochen ist”, sagte Regierungschef Haider al-Abadi. Allerdings kontrolliert der IS noch weitere Gebiete im Irak und in Syrien.

Im Umland Mosuls rücken irakische Sicherheitskräfte unterdessen weiter gegen die Terrormiliz IS vor. Mit Luftunterstützung der von den USA geführten Koalition seien IS-Gebiete in der südlich von Mosul gelegenen Stadt Shirkat belagert worden, hieß es am Dienstag aus irakischen Sicherheitskreisen. Die Jihadisten hatten die Gebiete erst in der vergangenen Woche eingenommen.

Von: APA/ag.