Seehofer könnte für Söder sein Amt aufgeben, wird spekuliert

Spekulationen um Bayerns Ministerpräsident Seehofer

Donnerstag, 23. November 2017 | 16:27 Uhr

Nach wochenlangem Machtkampf bei den Christsozialen im deutschen Bundesland Bayern hat Parteichef und Ministerpräsident Horst Seehofer eine “befriedende” Lösung für die künftige personelle Aufstellung angekündigt. In der Partei wird nun erwartet, dass es auf eine Doppelspitze hinauslaufen könnte. Dazu gab es aber bis Donnerstagnachmittag noch keine Entscheidung.

Am Abend will Seehofer in einer Sitzung des CSU-Vorstands seine persönlichen Zukunftspläne erläutern. “Heute Abend wird alles klar sein”, sagte der 68-Jährige am Mittag in München. Bis zu einer weiteren Vorstandssitzung Anfang Dezember soll dann das künftige Personaltableau offiziell stehen.

Erwartet wird, dass Seehofer auf dem Parteitag im Dezember noch einmal als Parteichef antreten, das Ministerpräsidentenamt aber abgeben könnte. Aussichtsreichster Nachfolgekandidat ist Bayerns Finanzminister Markus Söder, der als Seehofers Dauerrivale gilt. Der 50-Jährige betonte, es gebe den klaren Willen, am Ende miteinander und geschlossen zu guten Ergebnissen zu kommen.

Die CSU dementierte einen Bericht des Bayerischen Rundfunks, wonach eine Entscheidung zugunsten einer Doppelspitze aus Seehofer und seinem Rivalen Markus Söder gefallen sei. Seehofer bleibe Parteichef, Landes-Finanzminister Söder werde Ministerpräsident, hatte der BR während der Fraktionssitzung gemeldet. Das sei “totaler Quatsch”, hieß es auf dem Twitter-Account der CSU. Der Sender relativierte seine Meldung später. Es sei “unklar, ob Seehofer sich dieser Lösung anschließt”.

Die CSU ist die bayerische Schwesterpartei der von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführten CDU, die in Bayern nicht antritt. Sie regiert das wirtschaftsstarke Land mit absoluter Mehrheit, schnitt aber bei der Bundestagswahl im September für ihre Verhältnisse außergewöhnlich schlecht ab. Das historisch schlechte CSU-Abschneiden bei der Bundestagswahl mit 38,8 Prozent der Stimmen in Bayern brachte Seehofer parteiintern stark unter Druck. Nun fürchtet die CSU um ihre Mehrheit bei der Landtagswahl 2018. Seehofer steht massiv unter Druck, mindestens eines seiner Ämter abzugeben.

Seehofer hatte das Ministerpräsidentenamt und den Parteivorsitz nach dem schlechten Abschneiden der CSU bei der Landtagswahl 2008 übernommen. Fünf Jahre später eroberte er die verlorene absolute Mehrheit wieder zurück.

Von: APA/dpa/ag.