Bundespräsident Van der Bellen in Yad Vashem

Staatschefs gedachten Auschwitz-Befreiung vor 75 Jahren

Donnerstag, 23. Januar 2020 | 17:03 Uhr

Dutzende Staats- und Regierungschefs, darunter Bundespräsident Alexander Van der Bellen, haben am Donnerstag in Israel der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren gedacht und ein Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt. Frank-Walter Steinmeier hielt als erstes deutsches Staatsoberhaupt in Yad Vashem eine historische Rede. Die USA und Israel riefen zum Widerstand gegen den Iran auf.

Israels Präsident Reuven Rivlin dankte bei dem internationalen Holocaust-Forum in der nationalen Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem den Staatsgästen aus fast 50 Ländern für die Solidarität mit dem jüdischen Volk. “Antisemitismus hört nicht bei den Juden auf”, sagte der 80-jährige Rivlin in seiner Rede. “Antisemitismus und Rassismus sind bösartige Krankheiten, die Gesellschaften von innen zerstören.” Auch andere Redner wie der russische Präsident Wladimir Putin und der französische Präsident Emmanuel Macron warnten vor dem Wiederaufleben des Antisemitismus.

Eine Premiere war die Rede des deutschen Bundespräsidenten. In seiner in Englisch gehaltenen Ansprache erinnerte er an die große historische Schuld seines Landes und warnte vor neuem Hass und neuer Hetze. “Ich wünschte, sagen zu können: Wir Deutsche haben für immer aus der Geschichte gelernt”, sagte Steinmeier. “Aber das kann ich nicht sagen, wenn Hass und Hetze sich ausbreiten.” Das Erinnern habe die Deutschen nicht “gegen das Böse immun” gemacht. “Die bösen Geister zeigen sich heute in neuem Gewand”, mahnte er.

Bundespräsident Van der Bellen erinnerte daran, dass Österreich “Mitverantwortung an der Shoah” trage. “Österreicherinnen und Österreicher waren Täterinnen und Täter, teils an führender Stelle. Zehntausende Österreicherinnen, vor allem Jüdinnen und Juden, aber auch Roma und Sinti, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Verfolgte, Widerstandskämpfer und Deserteure waren Opfer und wurden von den Nationalsozialisten ermordet”, so Van der Bellen in einer Stellungnahme.

“Dem Andenken der Opfer der Shoah werden wir nur gerecht, wenn wir dafür sorgen, dass Menschenverachtung, Sündenbockdenken und Gewalt niemals wieder als politisches Instrument eingesetzt werden”, mahnte Van der Bellen, denn die Menschenwürde sei unteilbar.

Auch die Präsidenten der EU-Kommission, des EU-Parlaments und des Europäischen Rates betonten am Donnerstag die anhaltende Bedeutung der Erinnerung an den Holocaust. Ursula von der Leyen, David Sassoli und Charles Michel sprachen in einer gemeinsamen Erklärung in Jerusalem von einer “europäische Tragödie” und einem “Wendepunkt in unserer Geschichte”.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nutzte seine Rede um zum Widerstand gegen den Iran aufzurufen, den er als “antisemitischsten Staat der Welt” bezeichnete. “Wir werden keinen weiteren Holocaust zulassen”, sagte er. Die Lektion des Holocaust sei: “Wir nehmen die Bedrohungen derjenigen, die uns vernichten wollen, ernst.”

Unterstützung bekam Netanyahu von US-Vizepräsident Mike Pence: Die Welt müsse sich “stark” zeigen gegenüber dem Iran, der Israel “von der Weltkarte verschwinden lassen” wolle. Den israelischen Gastgebern versicherte Pence, dass die Freundschaft der USA “in die Ewigkeit” reichen werde.

Für Israel war das Welt-Holocaust-Forum das größte Zusammentreffen von Staats- und Regierungschefs seit der Staatsgründung. Zum Schutz der Großveranstaltung mobilisierte Israel 10.000 Polizisten – ein Drittel seines landesweiten Polizeipersonals.

Überschattet wurde die Veranstaltung von der Absage von Polens Präsident Andrzej Duda. Er reiste aus Protest nicht an, weil er anders als der russische Präsident Putin nicht als Redner vorgesehen war. Zwischen Polen und Russland gibt es derzeit diplomatische Spannungen wegen Putins Behauptung, Polen trage eine Mitschuld am Beginn des Zweiten Weltkrieges. Polen wirft ihm vor, die Geschichte im Widerspruch zu historischen Fakten umzudeuten.

Putin ging in seiner Rede in Jerusalem nur nebenbei auf den Streit um die Geschichte ein. Die Nazis hätten in den besetzten Ländern einheimische Kollaborateure gehabt – “Helfer der Nazis, die oftmals grausamer waren als die Nazis”. Direkte Vorwürfe gegen Polen erhob Putin aber nicht.

Am kommenden Montag, dem 27. Jänner, jährt sich zum 75. Mal die Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz im von Hitler-Deutschland besetzten Polen. Auschwitz-Birkenau gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Nach Schätzungen wurden dort mehr als eine Million Menschen ermordet, zumeist Juden.

Von: APA/dpa

Kommentare

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10 Kommentare auf "Staatschefs gedachten Auschwitz-Befreiung vor 75 Jahren"


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Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 1 Tag

anstatt nur dagegen an zu kämpfen sollten Die mal nachdenken wie es so weit kam.Bürger haben Angst und fühlen Sich zurückgesetzt in der Eigenen Heimat im Stich gelassen.Mal da ansetzen🤬

ivo815
ivo815
Kinig
1 Monat 1 Tag

Bürger haben Angst vor Juden? Menschen mit deiner Gesinnung waren die Handlanger für einen der größten Morde der Menschheitsgeschichte!

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 1 Tag
Sie denken darüber nach, ja. Und ein großes Ziel ist es, diese Hetzerei zu einzuschränken. Leute haben immer schon gegen andersartige gehetzt, das ist seit Jahrhunderten so und nicht erst seit irgend einer Flüchtlingskrise. Andersartige waren immer willkommene Ziele, um ihnen die Schuld an den eigenen Problemen zu geben. Kein/Schlechter Job? Ausländer/Juden/Muslime sind schuld. Wenig Geld? Ausländer/Juden/Muslime sind schuld. Kriminalität? Ausländer/Juden/Muslime. So geht das immer weiter und weiter und weiter und weiter und weiter. Auf jemanden zu zeigen war immer schon die einfachste Art, ein Problem anzugehen und wird es auch in Zukunft bleiben. Weder diese noch die nächste Regierung… Weiterlesen »
Grantelbart
Grantelbart
Superredner
1 Monat 1 Tag

Da bleibt den Hühnern auf dem Hof wirklich nichts anderes übrig als auf den Schwächsten herumzuhacken. Ironie aus

Jiminy
Jiminy
Superredner
1 Monat 1 Tag

erkläre uns mal bitte besser was du mit deinem Kommentar meinst!? Wie konnte was soweit kommen? Die Juden? Die Nazis? Wer hat denn laut dir Schuld an was?

zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

Phobien kann man behandeln. Mehr Jugendaustausch mit Israel ist eine sicher hilfreiche Therapie. Besuche in jüdischen Einrichtungen, Vorträge und Besuche von Synagogen. Hilft prima das Verständnis für jüdisch-israelische Sichtweisen besser zu begreifen, und langjährige Freundschaften zu etablieren. So ist kein Platz mehr für “Anti” irgendwas”.  Man kann auf beiden Seiten miteinander diskutieren, und auch feiern.

Jiminy
Jiminy
Superredner
1 Monat 1 Tag

jetzt mal ganz ernst, in diesem Bereich bin ich leider wirklich ignorant: was haben denn die Juden so schlimmes gemacht um so gehasst zu werden??

Jiminy
Jiminy
Superredner
1 Monat 1 Tag

Phobien kann man behandeln, ja, aber hier geht es mehr um KULTUR, Bildung, Respekt, und diese Werte lernt man von klein auf! Leider sind sie Mangelware und in Populustische-sovranistische-propaganda-Zeiten nicht erwünscht, damals wie heute!

Jiminy
Jiminy
Superredner
1 Monat 18 h

@Jiminy
ich liebe die socials 😁 Minus drücken kann jeder, aber eine Erklärung geben niemand…

Spitzpassauf
Spitzpassauf
Superredner
1 Monat 18 h

Auf ntv wurde heure den ganzen Tag gemeldet, Frank Walter Steinmeier hielt aus Respekt seine Rede auf Englisch,denn deutsch sei die Sprache der Täter……
Es ist schlimm was damals geschehen ist,aber sollen sichjetzt alle die deutsch sprechen als Täter brandmarken lassen? Es sind mitlerweile schon ein paar Generationen die nichts dafür können,was damals passiert ist.

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