Stoltenberg will Präsenz erhöhen

Stoltenberg: NATO wird Truppenzahl in Afghanistan erhöhen

Donnerstag, 29. Juni 2017 | 15:08 Uhr

Die NATO will wieder mehr Soldaten nach Afghanistan schicken. “Ich kann heute bestätigen, dass wir unsere Präsenz in Afghanistan erhöhen werden”, sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg zum Auftakt eines NATO-Verteidigungsministertreffens am Donnerstag in Brüssel. 15 Länder hätten bereits eine Verstärkung der aktuellen Ausbildungsmission zugesagt. “Ich erwarte weitere Ankündigungen.”

Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon sagte, Großbritannien wolle seine bisherige Truppenstärke von bisher 500 Soldaten um etwas mehr als 100 aufstocken. Stoltenberg ging nicht davon aus, dass auch die USA bei dem Treffen konkrete Zahlen nennen würden.

Hintergrund ist das Wiedererstarken der radikalislamischen Taliban in Afghanistan. Die Sicherheitslage in dem Land hat sich seit dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes Ende 2014 drastisch verschlechtert. Die Obergrenze für die aktuelle Unterstützungsmission “Resolute Support” liegt bei 13.576 Soldaten, die aber nach Angaben aus dem Bündnis derzeit nicht voll ausgeschöpft wird. Laut Kreisen sollen sich künftig rund 15.800 Soldaten an dem Einsatz zur Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte beteiligen.

Bei der Truppenaufstockung für den NATO-Einsatz wird vor allem auf ein zusätzliches Engagement der USA gesetzt. Sie könnten nach Angaben aus Bündniskreisen 2.000 bis 3.000 zusätzliche Soldaten schicken. Von anderen Staaten lagen demnach zuletzt Zusagen über 600 bis 700 zusätzliche Kräfte vor.

Deutschland ist nach den USA und Italien der größte Truppensteller in Afghanistan und hatte bereits im vergangenen Jahr sein personelles Engagement verstärkt. Deswegen und vermutlich auch wegen der bevorstehenden Bundestagswahl hat Regierungschefin Angela Merkel angekündigt, dass sie vorerst keine Erhöhung der Mandatsobergrenze prüfen will, die derzeit eine Entsendung von bis zu 980 Soldaten ermöglicht. Möglich wäre demnach lediglich, die Mandatsobergrenze besser auszunutzen.

Stoltenberg sagte, Ziel der Verstärkung sei es, im Afghanistan-Konflikt den “Stillstand zu durchbrechen” und den Weg für eine politische Lösung des Konflikts mit den Taliban und anderen Gruppen zu ebnen. Als Schwerpunkte zusätzlicher Unterstützung nannte er die Stärkung von Sondereinsatzkommandos, Hilfe beim Ausbau der afghanischen Luftwaffe sowie bei der Ausbildung in Militärakademien. Es gehe nicht darum, “in einen Kampfeinsatz zurückzukehren”, sondern um Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte.

Die USA als größter Truppensteller mit knapp 7.000 Soldaten in der NATO-Mission haben ihren zusätzlichen Beitrag für den Einsatz noch nicht festgelegt. Er erwarte auch am Donnerstag von Verteidigungsminister Jim Mattis noch keine genaue Zahl, sagte Stoltenberg. Mattis will die Afghanistan-Strategie der neuen US-Regierung Mitte Juli vorstellen. Von dem US-Kontingent dürften die Beiträge anderer NATO-Staaten abhängen.

Zu dem NATO-Treffen am Donnerstag wollte auch Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) nach Brüssel reisen und auch Generalsekretär Stoltenberg zu einem bilateralen Gespräch treffen. Österreich ist derzeit mit zehn Stabsoffizieren im Rahmen von “Resolute Support” in Afghanistan präsent.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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4 Kommentare auf "Stoltenberg: NATO wird Truppenzahl in Afghanistan erhöhen"


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ivo815
ivo815
Superredner
23 Tage 19 h

Klingt plausibel. Ist ja auch ein sicheres Herkunftsland.

enkedu
enkedu
Universalgelehrter
23 Tage 18 h

die russen waren mindestens so klug und haben irgendwann aufgegeben. die nato ist das nicht.

ThunderAndr
ThunderAndr
Universalgelehrter
23 Tage 14 h

Eine Verschwendung von Zeit, Steuergeld und vor allem Menschenleben (Zivilisten und Soldaten)

Antivirus
Antivirus
Tratscher
23 Tage 7 h

so ist’s

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