Blauer Chef sieht seine Partei als einzige Alternative zu Rot-Schwarz

Strache hält Platz 1 für möglich und warnt vor Schwarz-Rot

Sonntag, 24. September 2017 | 15:03 Uhr

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hält bei der Nationalratswahl Platz eins für seine Partei nach wie vor für nicht ausgeschlossen: “Ich halte es für möglich, dass das möglich werden kann”, sagte er im APA-Interview. Gleichzeitig warnte Strache vor einer Neuauflage der rot-schwarzen Koalition und ortete auch schon entsprechende Vorbereitungen. Dagegen gebe es nur ein Rezept, nämlich eine starke FPÖ.

Strache sieht in diesem Wahlkampf ein “Duell” – nämlich jenes der “Freiheitlichen Partei Österreichs gegen eine völlig gescheiterte rot-schwarze Belastungsregierung”. Im Gegensatz zu dieser habe seine Partei herannahende Probleme (etwa die Flüchtlingskrise 2015) “immer rechtzeitig erkannt, bevor sie auf uns zugekommen sind”. Die von der FPÖ gemachten Vorschläge seien damals aber ignoriert und die Blauen als “Hetzer” diffamiert worden.

Die Regierung hingegen habe die Grenzen nicht geschützt und “über eine Million Menschen” rechtswidrig einreisen lassen. Straches Kritik richtet sich vor allem an ÖVP-Obmann Sebastian Kurz: “Der Herr ÖVP-Chef ist ja seit sieben Jahren verantwortlich.”

Kurz und Ex-Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) seien “am Schoß der Frau (Angela, Anm.) Merkel gesessen und haben brav apportiert bei deren unverantwortlichen Willkommenspolitik”, polterte der FPÖ-Chef. Der nun striktere Migrationskurs der ÖVP sei lediglich eine “Show”, sagte Strache. Kurz sei “überall dabei” gewesen, “er hat im Ministerrat überall mitgestimmt”. Und er sei nicht bereit gewesen, die österreichischen Grenzen und damit die österreichische Bevölkerung zu schützen. “

Darüber hinaus trägt Strache dem ÖVP-Chef auch dessen Aussage nach, wonach der Islam zu Österreich gehöre. “Und jetzt kurz vor der Wahl geriert sich der neue ÖVP-Chef quasi als Fan von mir, ich überlege ja schon, ob ich ihm nicht ein Mitgliedsformular übergeben soll”, meinte der Parteiobmann.

Dabei habe Österreich im Integrationsbereich (für den Kurz verantwortlich ist) “die dramatischsten Fehlentwicklungen, die es je in der zweiten Republik gegeben hat”, zu verzeichnen, inklusive dem Entstehen von “islamischen Parallel- und Gegengesellschaften”. Für Letzteres sei Kurz auch schon in seiner Zeit im Wiener Landtag verantwortlich gewesen, etwa, als er der Genehmigung von islamischen Kindergärten in Wien zugestimmt habe.

“Ich glaube, dass die Menschen eine wirkliche nachhaltige Veränderung wollen”, so Straches Schlussfolgerung. “Die wollen keine Fortsetzung von Rot-Schwarz oder Schwarz-Rot.” Und eine Veränderung könne nur “mit einer starken Stimme für die FPÖ” bei der Wahl am 15. Oktober sichergestellt werden, ist der Obmann der Freiheitlichen überzeugt.

Ausgehend vom Ergebnis der letzten Nationalratswahl (20,5 Prozent) habe er ein “klares Ziel” vor Augen: “So stark wie möglich an Vertrauen zu gewinnen und zuzulegen. Und ich halte es am Ende auch für möglich, dass wir von dem Stockerlplatz – das letzte Mal waren wir ja drittstärkste Kraft – die Chance haben, Zweiter oder vielleicht sogar stärkste Kraft zu werden.”

Darüber entscheiden würden die Wähler, so Strache – “und nicht irgendwelche Umfragespiele oder künstliche mediale Hypes, die da gebaut werden.” Trotz seines Glaubens an eine Trendwende in den Umfragen rechnet der FPÖ-Chef mit einer neuerlichen Zusammenarbeit von SPÖ und ÖVP: “Ich befürchte, dass wir Gefahr laufen, Schwarz-Rot zu erleben. Und das wird ja auch schon vorbereitet”, meinte Strache etwa mit Blick auf ein Doppel-Interview von Kurz und SP-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil im “Standard”.

Sollte die FPÖ nach der Wahl keiner Regierung angehören, so will Strache an der Parteispitze bleiben und aus der Opposition heraus weiterhin das Ziel der Übernahme von Regierungsverantwortung im Bund anstreben: “Na selbstverständlich bedeutet demokratiepolitische Verantwortung, seinem Weg konsequent zu folgen und nicht aufzugeben. Das einzige was ich aufgebe ist ein Brief.” Bei entsprechendem Zuspruch sieht Strache eine blaue Regierungsbeteiligung auf kurz oder lang ohnehin als gegeben an: “Man kann uns vielleicht noch ein bisschen verzögern, aber nicht auf Dauer aufhalten.”

Von: apa