Belgrader Zeitung "Politika" zitierte FPÖ-Politiker aber mit den Worten:"Der Kosovo ist zweifelsohne ein Teil Serbiens"

Strache-Sprecher dementierte Aussagen des Vizekanzlers zu Kosovo

Sonntag, 11. Februar 2018 | 17:10 Uhr

Mitarbeiter von Vizekanzler und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache haben am Sonntagnachmittag gegenüber der APA dementiert, dass Strache in einem Interview für die Belgrader Tageszeitung “Politika” den Kosovo als “einen Teil Serbiens” bezeichnete. Die Zeitung hatte mit diesem Titel aufgemacht und das Zitat auch im Interview selbst abgedruckt.

Strache-Sprecher Martin Glier erklärte gegenüber der APA, Strache habe das in diesem Interview nicht gesagt. Österreich habe “den Kosovo als eines der ersten Länder anerkannt und ist seit damals ein tatkräftiger Unterstützer des Kosovos. Österreich unterstützt die europäische Perspektive sowohl Serbiens als auch des Kosovo. Das ist die Linie der Bundesregierung und daran wird sich nichts ändern”.

Ein Mitarbeiter des Vizekanzlers betonte, dass Strache damals als Oppositionschef die Unabhängigkeit des Kosovo kritisiert habe und nicht der gleichen Meinung wie die österreichische Regierung gewesen war. Es sei aber “Faktum und Realität, dass der Kosovo unabhängig ist und dass Österreich den Kosovo anerkannt hat”. Was den Nordkosovo betreffe, sei Strache der Meinung, dass man einen Kompromiss finden müsse für die dortige serbische Minderheit mit einem Autonomiestatus, etwa nach dem Modell Südtirols. Österreich sollte als neutraler Vermittler fungieren und für den langfristigen Frieden am Balkan einen Beitrag dazu leisten, dass Belgrad und Pristina sich näher kommen.

Die Zeitung “Politika” hatte in ihrer Sonntag-Ausgabe folgende Frage an Strache formuliert. “Sie und Ihre FPÖ haben sich, als sie in Opposition waren, der Anerkennung des Kosovo durch Österreich widersetzt. Jetzt sind sie in einem Regierungsbündnis mit der ÖVP von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Hat sich Ihre Haltung zum Kosovo geändert, seit Sie Vizekanzler sind?” Straches Antwort wurde laut APA-Übersetzung aus dem Serbischen folgendermaßen zitiert: “Der Kosovo ist zweifelsohne ein Teil Serbiens. Wir haben die Anerkennung des Kosovo seitens Österreichs scharf kritisiert, dies (die Anerkennung, Anm.) ist nun eine Tatsache und kann nicht mehr geändert werden.”

 

Im Folgenden der Wortlaut einiger Antworten von Strache im Interview mit Politika” in einer APA-Übersetzung aus dem Serbischen:

Politika: “Sie und Ihre FPÖ haben sich, als sie in Opposition waren,
der Anerkennung des Kosovo durch Österreich widersetzt. Jetzt sind
Sie in einem Regierungsbündnis mit der ÖVP von Bundeskanzler
Sebastian Kurz. Hat sich Ihre Haltung zum Kosovo geändert, seit Sie
Vizekanzler sind?”

Strache: “Der Kosovo ist zweifelsohne ein Teil Serbiens.
Wir haben die Anerkennung des Kosovo seitens Österreichs scharf
kritisiert, dies (die Anerkennung, Anm.) ist nun eine Tatsache und
kann nicht mehr geändert werden.”

Politika: “Sind Sie der Ansicht, dass die Serben im Norden des Kosovo
das Recht auf Selbstbestimmung haben, bzw. einen Autonomiestatus nach
dem Beispiel Südtirols erhalten sollen? Prishtina ist solchen Ideen
auf jeden Fall abgeneigt.”

Strache: “Ein solches Recht auf Selbstbestimmung oder Autonomie wäre
auf jeden Fall wünschenswert. Dafür sind, leider, auf jeden Fall
lange und komplizierte Verhandlungen notwendig. Ich habe das Gefühl,
dass Prishtina in dieser Frage sehr rücksichtlos ist.”

Politika: “Ist im Rahmen des Brüsseler Dialogs zwischen Belgrad
und Prishtina ein Kompromiss über die Lösung des Kosovo-Problems
möglich, wenn die Albaner, von ihren westlichen Mentoren unterstützt,
kein Zugeständnis machen wollen?”

Strache: “Ich hoffe, dass ein solcher Kompromiss möglich ist.”

Politika: “Sie unterhalten gute Beziehungen zu Milorad Dodik und
erachten, dass die Republika Srpska das Recht auf Unabhängigkeit hat.
Von der Opposition wurden Sie kritisiert, weil Sie eine Auszeichnung
der Republika Srpska angenommen haben. Sind Sie weiterhin der Meinung,
dass Bosnien-Herzegowina ein funktionsunfähiger Staat ist, und was
schlagen Sie vor?”

Strache: “Natürlich muss man da mit Vernunft vorgehen. Doch die Rechte
der Serben in der Republika Srpska müssen auf jeden Fall verteidigt werden.”

Politika: “Wie kommentieren Sie die an die (bosnischen, Anm.) Kroaten
gerichtete Aussage von Bakir Izetbegovic (bosniakisches
Präsidiumsmitglied, Anm.), dass sie eine dritte Entität in
Bosnien-Herzegowina nicht ohne Krieg gewinnen können?”

Strache: “Ich erachte, dass es schrecklich ist, wenn jemand
im 21. Jahrhundert in Europa über den Krieg redet.
Eine solche Rhetorik kommt niemandem zugute.”

Von: apa

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