Regionalpräsident Puigdemont bleibt nur mehr wenig Zeit

Streit bei Kataloniens Separatisten

Freitag, 13. Oktober 2017 | 16:25 Uhr

Bei den katalanischen Separatisten ist am Freitag Streit über das weitere Vorgehen angesichts der vom spanischen Regierungschef Mariano Rajoy gestellten Ultimaten ausgebrochen. Kräfte um Regionalregierungschef Carles Puigdemont hoffen weiter auf einen Dialog mit der Zentralregierung in Madrid, während radikalere Gruppen den offenen Bruch mit Spanien wollen.

Puigdemont bleibt nur noch wenig Zeit bis zum Ablauf der Ultimaten am Donnerstag kommender Woche. Danach droht seine Entmachtung und die Übernahme der Verwaltung des bisher autonomen Kataloniens durch Madrid.

Die Katalanische Nationalversammlung (ANC), der Dachverband mehrerer Hundert separatistischer Bürgerinitiativen, forderte, die vergangenen Dienstag von Puigdemont angekündigte und gleich wieder ausgesetzte Unabhängigkeit sofort in Kraft zu setzen. Zur Aufschiebung der Unabhängigkeitserklärung, um Zeit für Gespräche mit der Zentralregierung zu lassen, meinte die ANC laut einem Bericht der Zeitung “La Vanguardia” vom Freitag: “Da der spanische Staat jeden Vorschlag für einen Dialog ablehnt, macht das überhaupt keinen Sinn mehr”.

Ähnlich hatte sich zuvor schon die linksradikale Partei CUP geäußert, die die Minderheitsregierung von Puigdemont im Regionalparlament stützt. Auch die gemäßigt linke Partei ERC, die zu Puigdemonts Wahlbündnis Junts pel Si gehört, betonte, Puigdemont habe mit seiner Rede am vergangenen Dienstag bereits die Unabhängigkeit der wirtschaftsstarken Region ausgerufen. Hingegen betonte der Abgeordnete des spanischen Zentralparlaments in Madrid, Jordi Xucla, der Puigdemonts Partei PDeCAT angehört, die Unabhängigkeit sei noch gar nicht bindend erklärt worden.

Puigdemont selbst hat bisher nur in einem eher nebulösen Tweet auf die Ultimaten Rajoys reagiert. “Man bittet um Gespräche; und die antworten mit dem 155. Habe verstanden.”

Unterdessen hat sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gegen eine Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien ausgesprochen. “Wenn wir erlauben, dass Katalonien unabhängig wird, dann werden das auch andere (Regionen) wollen und das gefällt mir nicht”, sagte Juncker am Freitag bei einem Bürgerdialog mit Studenten in Luxemburg. “Ich will keine Europäische Union, die in 15 Jahren aus 90 Ländern besteht”, fügte er hinzu.

Zugleich rief er Barcelona und Madrid zu Gesprächen zur Beilegung der Krise auf. Eine Vermittlung von außen komme derzeit aber nicht infrage. Es handle sich um eine innerspanische Angelegenheit, betonte Juncker.

Von: APA/dpa

Kommentare

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4 Kommentare auf "Streit bei Kataloniens Separatisten"


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MartinG.
MartinG.
Superredner
8 Tage 21 h

Die Luft wird dünn; es war klar, daß es zwischen den Hardcoreseparatisten, die nicht das Desaster sehen wollen, das sie angerichtet haben und jenen, die nur zu Separatisten wurden um mehr Autonomie kommen, zum Streit kommen würde. Die Moderaten wollen sich nicht von den Ultras in den Abgrund ziehen lassen. Angesichts der Flucht der Unternehmen, der Konten der Katalanen und (sie Juncker) der fehlenden Perspektive auf EU, Euro und Anerkennung sind Piugdemont und Konsorten in einer Sackgasse angelangt; was nun kommt ist nur mehr ob es friedlich endet oder in Straßeschlachten übergeht; Game over; werdet erwachsen Separatisten!

MartinG.
MartinG.
Superredner
8 Tage 20 h

Eine interessante Analyse: Nun geht die Angst um. Eine, die sich Madrid zunutze machen will
“Madrid steht kurz davor, die Regionalregierung in Barcelona zu entmachten. Was dann passiert, großes Aufatmen oder Straßenschlachten, ist ungewiss. Der Ton ist vorsichtiger geworden – zudem gibt es eine neue Perspektive.”
https://www.welt.de/politik/ausland/article169562102/Nun-geht-die-Angst-um-Eine-die-sich-Madrid-zunutze-machen-will.html
Es ist anders gekommen, als es die Separatisten wahrhaben wollten; es gibt ein echtes Angebot aus Madrid; aber die Hardcore-Separatisten bleiben die größte Gefahr. Denke die Sache ist gegessen; es geht nur mehr darum, wie die Botschaft in Cat ankommt.

MartinG.
MartinG.
Superredner
8 Tage 20 h

Die meiner Ansicht beste Ansprache im Cat-Parlament: Von der 36-jährigen Inés Arrimadas, Vorsitzenden der bürgerlich-liberalen Partei “Ciudadanos” in Katalonien:
“Meine Eltern, Geschwister und Neffen leben in Andalusien”, sagt sie. “Ich werde nicht zulassen, dass sie ihren Pass zeigen müssen, wenn sie mich besuchen!” Die Mehrheit der Katalanen fühle sich katalanisch, spanisch und europäisch. “In unseren Herzen haben diese drei Identitäten Platz. Und ich werde nicht zulassen, dass sie unser Herz zerreißen.”
http://www.spiegel.de/politik/ausland/katalonien-der-tag-der-spanier-a-1172680.html
Mehr ist dazu nicht zu sagen; offenbart den Unterschied zwischen Freiheit und Willkür; Europa und Kleinstaaterei. Die Cat-Separatisten werden ihren nationalistischen Schrebergarten nicht bekommen, never.

MartinG.
MartinG.
Superredner
8 Tage 18 h

Bis zum heutigen Tag haben mindestens 531 Unternehmen Katalonien verlassen:
http://www.lavanguardia.com/economia/20171013/432025958733/empresas-catalunya-1-o.html
Al menos 531 empresas han abandonado Catalunya desde el 1-OLa mayor parte de traslados se produjo tras el decreto del Gobierno que los facilitaba y antes del pleno en el que Puigdemont suspendió los efectos de la independencia

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