Bennett wollte in Polen mit Studenten reden

Streit um Holocaust-Gesetz: Polen sagt Minister-Besuch ab

Montag, 05. Februar 2018 | 22:25 Uhr

Die diplomatische Krise zwischen Israel und Polen im Streit um ein neues Holocaust-Gesetz verschärft sich weiter. Der israelische Erziehungsminister Naftali Bennett reagierte am Montag ungehalten, nachdem Polen eine von ihm angekündigte Reise abgesagt hatte. “Die polnische Regierung hat meinen Besuch abgesagt, weil ich die Verbrechen ihres Volkes erwähnt habe”, so Bennett laut seinem Sprecher.

Zuvor hatte es noch geheißen, Teams beider Seiten sollten beim Versuch einer Annäherung einen bilateralen Dialog über historische und juristische Fragen aufnehmen. Der polnische Senat hatte am Donnerstag ein umstrittenes Gesetz gebilligt. Dieses sieht neben Geldstrafen auch Haftstrafen von bis zu drei Jahren vor, wenn jemand unter anderem “öffentlich und entgegen den Fakten” dem polnischen Volk oder Staat die Verantwortung oder Mitverantwortung für von Nazi-Deutschland begangene Verbrechen zuschreibt. Sobald Polens Präsident Andrzej Duda das Gesetz unterschreibt, tritt es in Kraft.

Kritiker unter anderem aus den USA und Israel befürchten, Polen könne die eigene Verantwortung abstreifen und den Anteil polnischer Bürger am Holocaust an den Juden verleugnen. Der Streit um das Gesetz hat eine schwere diplomatische Krise zwischen Israel und Polen ausgelöst.

Bennett teilte am Montag zunächst mit, er werde am Mittwoch in Polen einen ranghohen Regierungsvertreter sowie Studenten treffen. “Die Botschaft ist klar: die Vergangenheit kann nicht umgeschrieben werden, aber wir können die Zukunft zusammen schreiben”, sagte Bennett. “Ich werde die Wahrheit sagen, wo die Wahrheit geschehen ist”, sagte Bennett. Es gebe Tausende von Polen, die als Gerechte unter den Völkern anerkannt worden seien, weil sie während des Holocaust unter Einsatz ihres Lebens Juden retteten. Aber es gebe auch “viele, zu viele, die aktiv an der Misshandlung, Demütigung und Tötung von Juden teilgenommen haben”.

Ein polnischer Regierungssprecher sagte daraufhin nach Angaben der staatlichen polnischen Nachrichtenagentur PAP, ein Besuch Bennetts werde nicht stattfinden. Nach der Absage seiner Visite sagte Bennett: “Das Blut polnischer Juden schreit aus der Erde, und kein Gesetz wird es zum Schweigen bringen.” Die Todeslager seien zwar von Deutschen gebaut und betrieben worden. “Viele Polen haben sich jedoch im ganzen Land an der Verfolgung, Denunzierung oder aktiv am Mord an mehr als 200.000 Juden beteiligt, während und nach dem Holocaust”, sagte Bennett.

Zuvor hatte der polnische Außenminister Jacek Czaputowicz noch gesagt, eine erste Gesprächsrunde von Teams beider Seiten sei in Tel Aviv geplant.

Von: APA/dpa/ag

Kommentare

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6 Kommentare auf "Streit um Holocaust-Gesetz: Polen sagt Minister-Besuch ab"


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Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
14 Tage 1 h

Und wer hat den Herr, an das Kreuz genagelt?

denkbar
denkbar
Kinig
14 Tage 1 h

@Gagarella. Was ist das wieder für eine bizarre Frage! Sie haben das zweite vatikanische Konzil und vieles mehr verschlafen. Die Welt hat sich gedreht in den letzten 2000 Jahren!

lord schnee
lord schnee
Grünschnabel
14 Tage 32 Min

so weit man lesen kann schreibt die polnische regierung derzeit die geschichte polens per gesetz, denkmäler und filme um. die kzs waren eindeutig deutsch. von polnischen kzs zu reden ist natürlich unsinn. und natürlich hat es polnische kollaboration gegeben. die hat es in ganz europa gegeben. polens geschichte zwischen opfer und täter vor dem zweiten weltkrieg, während des krieges und nach dem krieg ist unendlich komplex. sich dem nicht zu stellen ist sicher einfacher.

lord schnee
lord schnee
Grünschnabel
14 Tage 26 Min

der herr ist längst heruntergestiegen

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Superredner
14 Tage 16 Min

Die Römer

Tabernakel
14 Tage 10 h

Polen ist eine Diktatur.

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