Demonstrationen gegen die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs

Streit um Tempelverbot für Frauen in Indien eskaliert

Samstag, 27. Oktober 2018 | 15:30 Uhr

Der Streit um die Aufhebung eines Tempelverbots für Frauen durch Indiens Oberstes Gericht ist am Samstag weiter eskaliert. Mutmaßliche hinduistische Fundamentalisten griffen ein Hindu-Meditationszentrum an, dessen Gründer für den Zutritt von Frauen zu dem Tempel in Südindien eintritt.

Die Angreifer setzten nach Polizeiangaben am frühen Morgen in der südindischen Stadt Thiruvananthapuram zwei Autos und einen Motorroller vor dem Ashram in Brand. Sie hinterließen außerdem eine Hassbotschaft für den Ashram-Gründer Swami Sandeepananda Giri. Der Oberste Gerichtshof hatte Ende September nach jahrelangem Rechtsstreit entschieden, das Zutrittsverbot für Frauen zum Ayyappa-Tempel in Sabarimala im Bundesstaat Kerala aufzuheben. Frauen im gebärfähigen Alter – das auf zwischen zehn und 50 Jahre festgelegt wurde – war es bisher verboten, den bedeutenden Tempel zu betreten und dort zu beten.

Mitte Oktober sollte der Tempel erstmals für Frauen zugänglich sein. Wütende Hindu-Traditionalisten widersetzten sich jedoch dem Gerichtsurteil und verwehrten Frauen gewaltsam den Zutritt zur Gebetsstätte. Sie blockierten unter anderem Kreuzungen, bewarfen Busse mit Steinen, um Frauen von dem Tempel fernzuhalten und lieferten sich Zusammenstöße mit der Polizei. Diese nahm mehr als 2.000 mutmaßliche Randalierer fest.

Der Präsident der regierenden hinduistisch-nationalistischen Bharatiya-Janata-Partei (BJP), Amit Shah, warf den Behörden des Bundesstaats Kerala im Zusammenhang mit den Festnahmen die Anwendung “roher Gewalt” gegen Parteimitglieder und ihre rechtsgerichteten Verbündeten vor. Auf einer Veranstaltung in Kerala sagte er am Samstag: “Es ist eine gut geplante Verschwörung der Kommunisten zur Zerstörung der Heiligkeit der Tempel in Kerala.”

Indiens hindu-nationalistische Regierungspartei BJP unterstützt die Position radikaler Hindus, die trotz einer anderslautenden Gerichtsentscheidung Frauen den Zugang zum Ayyappa-Tempel in Sabarimalaim indischen Bundesstaat Kerala verwehren. Das berichtet Kathpress unter Berufung auf örtliche Medien am Samstag.

Kerala wird von der Parteienkoalition “linke Demokratische Front” unter Führung der Kommunistischen Partei regiert. Damit ist der südindische Bundesstaat unter den sieben der 29 indischen Bundesstaaten, die noch nicht von der BJP (Bharatiya Janata Party/Indische Volkspartei) regiert werden.

Der dem Gott Ayyappa geweihte Sabarimala-Tempel gilt als eine der wichtigsten hinduistischen Pilgerstätten. Trotz seiner Abgelegenheit in den Bergen der Westghats ist der Tempel eines der größten Wallfahrtziele Indiens mit Millionen Pilgern jährlich. In der hinduistischen Tradition gelten menstruierende Frauen als “unrein”. In manchen Teilen Indiens werden Frauen für die Dauer der Monatsblutung aus der familiären und dörflichen Gemeinschaft ausgeschlossen. Das Verbot gilt auch noch in einer Reihe von Tempeln.

Von: APA/ag.