Essen entkam möglicherweise Anschlag

Suche nach Kontaktleuten des Anschlagsplaners von Essen

Sonntag, 12. März 2017 | 17:03 Uhr

Nach dem möglicherweise verhinderten Anschlag auf ein Einkaufszentrum in Essen ist offen, wer die Kontaktleute des mutmaßlichen Drahtziehers in Deutschland sind. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte der Verdächtigte, ein deutscher Kämpfer der IS-Terrormiliz, von Syrien aus per Internet-Messenger mehrere Personen für einen Angriff auf das Einkaufszentrum zu motivieren versucht.

Demnach sah die für Samstag terminierte Anschlagsplanung vermutlich ein Attentat einer ganzen Tätergruppe vor. Ein Teil soll sich in Deutschland befunden haben, ein anderer Teil sollte aus dem Ausland anreisen. Wo die Kontaktleute stecken, ist noch nicht bekannt.

In Essen hatte die Polizei nach einer Warnung des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz am frühen Samstag angeordnet, das konkret genannte Einkaufszentrum “Limbecker Platz” den ganzen Tag geschlossen zu lassen. Die Entscheidung dazu fiel in der vorangegangenen Nacht, wie ein Polizeisprecher berichtete. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten riegelten den Gebäudekomplex in der Innenstadt dann ab. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen hatte der Verfassungsschutz die Erkenntnisse durch das Ausspähen elektronischer Kommunikation selbst gewonnen.

Einer der beiden Festgenommenen wurde am Sonntag wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Vernehmung des zweiten Mannes dauere noch an, teilte die Essener Polizei mit. Weitere Einzelheiten nannte die Polizei zunächst nicht. Die Ermittlungen liefen weiter, hieß es.

Wie der WDR berichtete, soll hinter den mutmaßlichen Anschlagsplänen ein Salafist aus Oberhausen stecken. Der Mann war demnach nach Syrien ausgereist und den Behörden bekannt. Laut WDR und “Bild”-Zeitung soll er über Messenger-Dienste versucht haben, mehrere Menschen für den Anschlag in Essen zu motivieren beziehungsweise mit dem Attentat zu beauftragen. Dabei lieferte er den Berichten zufolge auch Anleitungen zum Bombenbau mit.

In Sicherheitskreisen wurde betont, es sei ungewöhnlich, dass in einem Jihadisten-Chat über Anschlagspläne derart konkret wie in dem Essener Fall Ort und Zeitfenster der Tat benannt würden. Unklar war, ob der vermutliche Drahtzieher tatsächlich direkt im Auftrag der IS-Führung in Syrien gehandelt hat. Solche Zusammenhänge sind für die Sicherheitsbehörden allerdings oft nur sehr schwer nachzuweisen.

Das Gemeinsame Terrorabwehrzentrum von Bund und Ländern (GTAZ) hat sich in den vergangenen Tagen mehrfach mit den sehr kurzfristig bekannt gewordenen Anschlagsplänen befasst. Die Essener Polizei sei direkt eingeschaltet worden, nachdem sich die Details der Planungen konkretisiert hätten, hieß es weiter.

Die mehrgeschoßige Shoppingmeile zählt zu den größten innerstädtischen Einkaufszentren in Deutschland. Die Polizei zog für den Großeinsatz auch Kräfte aus anderen Teilen Nordrhein-Westfalens zusammen. Beamte durchsuchten die Verkaufshallen und Parkgarage, um auszuschließen, dass sich Beschäftigte oder Reinigungskräfte darin befanden. Nach Angaben des Managements halten sich samstags im Schnitt bis zu 60.000 Menschen in dem Komplex auf.

Von: APA/dpa