Die südkoreanische Delegation vor dem Abflug

Südkorea-Delegation traf Nordkoreas Machthaber Kim

Montag, 05. März 2018 | 14:14 Uhr

Im Zuge seines Annäherungskurses an Südkorea hat der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un erstmals seit seiner Machtübernahme Ende 2011 hochrangige Vertreter des Nachbarlandes getroffen. Kim habe für die Besucher in der Hauptstadt Pjöngjang ein Abendessen gegeben, teilte das Präsidialamt in Seoul am Montag mit. Details wurden zunächst nicht bekannt.

Geleitet wurde die Delegation aus dem Süden vom nationalen Sicherheitsberater Chung Eui-yong und Geheimdienstchef Suh Hoon. Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in hatte fünf Emissäre nach Nordkorea geschickt, um über eine weitere Annäherung zu verhandeln. Zudem ging es um die Anbahnung von Gesprächen zwischen der stalinistischen Führung in Pjöngjang und den USA über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm.

Vor der Abreise hatte Chung gesagt, er wolle in Pjöngjang über die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea sprechen und über einen “Dialog” zwischen Nordkorea und der internationalen Gemeinschaft, “einschließlich den USA”. Präsident Moon sei fest entschlossen, eine atomare Abrüstung der koreanischen Halbinsel und einen “echten und dauerhaften Frieden” zu erreichen.

Die Spannungen in der Region hatten sich 2017 deutlich verschärft, nachdem Nordkorea mehrfach Raketen sowie Anfang September eine weitere Atombombe getestet und damit gegen UNO-Resolutionen verstoßen hatte. Nordkorea kann nach eigenen Angaben jetzt das gesamte US-Festland mit Atomsprengköpfen angreifen. Moon hofft nun, die Entspannung durch die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang im Februar nutzen zu können.

Doch die Aussichten für einen Dialog zwischen Pjöngjang und Washington bleiben unklar. Während US-Präsident Trump und Moon zuletzt mehrfach bekräftigt hatten, das Ziel eines Dialogs müsse die unumkehrbare und überprüfbare Schaffung einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel bleiben, will Nordkorea Gespräche ohne Vorbedingungen.

Moons Emissäre waren am Montag direkt von Seoul nach Pjöngjang geflogen. Weitere Gespräche mit nordkoreanischen Vertretern waren für Dienstag geplant. Nach ihrer Rückkehr nach Seoul wollen sie auch die USA über die Ergebnisse unterrichten.

Die staatlichen nordkoreanischen Medien berichteten nach der Ankunft der Delegation, dass diese von Ri Son-gwon begrüßt worden sei. Ri ist für innerkoreanische Angelegenheiten zuständig und war schon bei Gesprächen über die Teilnahme Nordkoreas an den Winterspielen in Südkorea beteiligt.

Mit der Entsendung der Emissäre erwidert der südkoreanische Präsident den Besuch der Schwester des nordkoreanischen Machthabers, Kim Yo-jong, im Februar. Sie gilt auch als wichtige Beraterin Kim Jong-uns und hatte als Sondergesandte ihres Bruders zur Eröffnungsfeier der Winterspiele eine Einladung an Moon nach Pjöngjang übermittelt. Moon hatte aber zunächst unter Berücksichtigung des Verbündeten USA zurückhaltend reagiert.

Zur Olympia-Abschlussfeier kam dann eine hochrangige Delegation um den General Kim Yong-chol nach Südkorea. Er traf sich unter anderem mit Geheimdienstchef Suh und Vereinigungsminister Cho Myoung-gyon. Nach Angaben des Vereinigungsministeriums in Seoul vereinbarten beide Seiten dabei, “die gemeinsamen Anstrengungen für die Verbesserung der zwischenstaatlichen Beziehungen und die Schaffung von Frieden fortzusetzen”.

Südkoreas Präsident Moon drängte in der Folge auch den Verbündeten USA zu Gesprächen mit Nordkorea. Die USA müssten die “Schwelle für Gespräche” senken und sich so schnell wie möglich mit Nordkorea zusammensetzen, sagte Moon vergangene Woche. Pjöngjang müsse im Gegenzug seinen Willen zum Verzicht auf sein Atomwaffenprogramm zeigen. US-Präsident Trump und die nordkoreanische Führung hatten sich im vergangenen Jahr in dem Streit um das nordkoreanische Atomwaffen- und Raketenprogramm auch gegenseitig mit scharfen Drohungen überzogen, die weltweit schlimme Befürchtungen ausgelöst hatten.

Nord- und Südkorea befinden sich seit Jahrzehnten formell im Kriegszustand, weil am Ende des Korea-Kriegs (1950-53) von Südkorea und einer US-geführten UNO-Truppe gegen die von der Sowjetunion ausgerüsteten, kommunistischen Nordkoreaner und chinesische Truppen nur ein Waffenstillstand geschlossen wurde. Der Konflikt schaukelte sich insbesondere im Vorjahr erneut hoch, weil Nordkorea mehreren UNO-Resolutionen zum Trotz weitere Raketen- und einen erneuten Atomtest durchführte. Nordkorea behauptet, mit Interkontinentalraketen das US-amerikanische Festland erreichen zu können. Anfang des Jahres kam dann die Entspannung. Experten meinen aber, dass nun rasch weitere Fortschritte erzielt werden müssten, damit die Entspannung von Dauer sein kann.

Von: APA/ag.