Das Treffen galt als entspannt und freundschaftlich

Südkorea und Nordkorea montierten Propaganda-Lautsprecher ab

Dienstag, 01. Mai 2018 | 17:34 Uhr

Nord- und Südkorea lassen ihren Versöhnungsbekundungen erste Taten folgen, sie begannen am Dienstag mit der Demontage von Lautsprechern entlang der innerkoreanischen Grenze. In Washington schlug US-Präsident Donald Trump vor, das geplante Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un im Friedenshaus in der entmilitarisierten Zone zwischen beiden Staaten stattfinden zu lassen.

Südkorea begann nach Angaben des Verteidigungsministeriums am Dienstag mit der Demontage von Lautsprechern entlang der innerkoreanischen Grenze. Auch auf der nordkoreanischen Grenzseite würden Lautsprecher abgebaut, hieß es weiter. Die Anlagen dienten bisher der psychologischen Kriegsführung, bei der die jeweilige Gegenseite mit Propaganda beschallt wurde. Südkoreas Präsident Moon Jae-in bat UNO-Generalsekretär Antonio Guterres, dass die Weltorganisation die geplante Schließung des nordkoreanischen Atomtestgeländes Punggye-ri beobachten möge.

Kurz vor dem Treffen zwischen Kim und Moon im Grenzort Panmunjom hatte Südkorea die Lautsprechersendungen in Richtung Norden bereits eingestellt. Der Süden hatte laute Popmusik oder Kritik an der Führung in Pjöngjang per Lautsprecher über die Grenze gesendet. Beide Seiten hatten ihre gegenseitige Propaganda-Beschallung 2015 ausgesetzt. Doch als Reaktion auf einen neuen Atomtest durch Nordkorea nahm Südkorea die Beschallungsaktion im Jänner 2016 wieder auf. Damals hieß es, die Lautsprecheranlagen seien an elf Stellen entlang der rund 240 Kilometer langen militärischen Pufferzone wieder in Betrieb genommen worden.

Bei ihrem historischen Gipfeltreffen am Freitag hatten Kim und der südkoreanische Präsident Moon Jae-in vereinbart, den seit fast sieben Jahrzehnten andauernden Kriegszustand zu beenden. Zudem soll die geteilte Halbinsel schrittweise atomwaffenfrei werden. Kim Jong-un bekräftigte seine Bereitschaft zum vollständigen Abbau seines Atomprogramms. Wie die südkoreanische Regierung später mitteilte, sagte Kim, sein Land benötige keine Atomwaffen, sollten die USA einer Nichtangriffsvereinbarung zustimmen.

Nordkorea sagte auch die Schließung seines Atomtest-Geländes Punggye-ri zu. Moon bat die UN, dies zu überprüfen. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres wies darauf hin, dass dafür ein Beschluss des UN-Sicherheitsrates nötig sei. Er kündigte aber an, einen UNO-Beauftragten zur Rüstungskontrolle zu ernennen, der mit Südkorea zusammenarbeiten solle.

Der Atomstreit mit Nordkorea gehört zu den gefährlichsten Konflikten weltweit. Die Spannungen hatten sich im vergangenen Jahr nach mehrfachen Raketentests und einem weiteren Atomtest des isolierten Landes im September zugespitzt. Nordkorea verfügt nach eigenen Angaben über Langstreckenraketen, die einen Atomsprengkopf bis in die USA befördern können.

Moon telefonierte am Dienstag mit Guterres, um diesen über die Gipfelvereinbarungen zu informieren. “Ich würde es gerne sehen, dass die UN eine Erklärung veröffentlichen, um die Panmunjom-Erklärung zu unterstützen”, wurde Moon von seinem Büro zitiert. Kim hatte den Angaben Seouls zugesagt, zur Schließung des Atomtestgeländes Sicherheitsexperten aus den USA und Südkorea einzuladen. Von UN-Inspekteuren war zunächst nicht die Rede.

Als weiteres Zeichen des guten Willens erklärte der Norden, er wolle ab kommendem Samstag die Uhrzeit um 30 Minuten nach vorn verschieben, um wieder in einer Zeitzone mit Südkorea zu liegen. Die unterschiedliche Uhrzeit in den beiden Staaten geht auf das Jahr 2015 zurück. Damals führte Nordkorea seine Zeitzone ein. Anlass war der 70. Jahrestag der Befreiung Koreas von der japanischen Besetzung am Ende des Zweiten Weltkrieges. Südkorea liegt in derselben Zeitzone wie Japan. Bei dem Gipfeltreffen hatte Kim es als schmerzhaft bezeichnet, zwei Uhren mit den unterschiedlichen Zeiten für die Hauptstädte Seoul und Pjöngjang an der Wand zu sehen.

Der Gipfel hat auch das Vertrauen der Südkoreaner in den Norden gesteigert. Nach einer am Montag veröffentlichten Umfrage glauben 64,7 Prozent der Südkoreaner, dass Kim es mit seinen Friedensabsichten und der atomaren Abrüstung ernst meint. Auf die Frage, ob sie bereits vor dem Gipfel Vertrauen in Nordkorea hatten, antworteten nur 14,7 Prozent mit Ja.

Unterdessen wurde weiter über den möglichen Ort für das Gipfeltreffen zwischen Kim und Trump spekuliert. Zur innerkoreanischen Grenze sagte der US-Präsident am Montag im Weißen Haus: “Es gibt an dieser Idee etwas, das ich mag: Man ist da.” Man schaue aber nach wie vor auch auf andere Länder. Zuvor hatte Trump auf Twitter für das Treffen den Grenzort Panmunjom nahegelegt, ohne diesen namentlich zu erwähnen.

Trump und Kim wollen Ende Mai oder Anfang Juni zusammenkommen. Es wird weiter vermutet, dass Trump sich für einen glamouröseren Ort aussprechen könnte. Panmunjom ist allerdings historisch und politisch extrem aufgeladen und ein sehr symbolträchtiger Ort. Trump hatte es seiner Politik des “maximalen Drucks” zugeschrieben, dass Nordkorea im Atomstreit seit Jahresbeginn auf Entspannungskurs gegangen ist.

Moon erklärte am Montag, Trump verdiene den Friedensnobelpreis. Trump sollte den Preis gewinnen, sagte Moon laut seinem Büro am Montag. “Was wir bloß brauchen, ist Frieden.” Am Mittwoch reist Chinas Außenminister Wang Yi zu Gesprächen nach Nordkorea. Es ist der seit Jahren ranghöchste chinesische Besuch in Pjöngjang.

Südkorea, China und Japan planen für Mittwoch kommender Woche einen Dreiergipfel in Tokio zur Abstimmung über die jüngsten diplomatischen Entwicklungen mit Nordkorea. Für den 9. Mai seien Gespräche zwischen dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in, dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe und dem chinesischen Regierungschef Li Keqiang geplant, hieß es am Dienstag aus Seoul.

Es handelt sich um das erste Spitzentreffen der drei Nachbarstaaten Nordkoreas seit mehr als zwei Jahren. Moon werde in Tokio über die Ergebnisse seines Treffens mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un vergangene Woche berichten, teilte sein Büro mit.

Bei den Gesprächen in Tokio soll es demnach auch um eine verstärkte Kooperation der drei Staaten für die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel und einen dauerhaften Frieden gehen. Moon forderte zudem die Entsendung von UNO-Inspektoren zur Überwachung der von Kim angekündigten Schließung einer nordkoreanischen Atomtestanlage.

Abe bezeichnete das Treffen am Rande eines Besuchs in Jordanien als “sehr bedeutend”. Bei den Gesprächen solle erörtert werden, wie Pjöngjang “auf den rechten Pfad” geführt werden könne, etwa bei der Frage der atomaren Abrüstung.

Von: APA/ag.

Kommentare

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3 Kommentare auf "Südkorea und Nordkorea montierten Propaganda-Lautsprecher ab"


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Gredner
Gredner
Superredner
24 Tage 2 h

“geradeheraus und offen” ist so ziemlich jeder nach ein paar Gläschen Alkohol.  Vielleicht nimmt er sich ja Churchill als Vorbild. In vino veritas – das wussten schon die Römer. 🙂

genau
genau
Universalgelehrter
23 Tage 23 h

Wenn die Südkoreaner mit einem Getränk auf ihn zugekommen sind, stand er auf, ließ sie einschenken und trank alles in einem Rutsch aus”

Besser als Im Cartoon diese Welt😄😄

andr
andr
Superredner
23 Tage 9 h

So kann es auch gehen

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