Lee hatte die Vorwürfe zurückgewiesen

Südkoreas Ex-Präsident Lee zu 15 Jahren Haft verurteilt

Freitag, 05. Oktober 2018 | 12:44 Uhr

Sechs Monate nach der Verurteilung der südkoreanischen Präsidentin Park Geun-hye ist ihr Vorgänger Lee Myung-bak ebenfalls wegen Korruption zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Das Bezirksgericht in Seoul verhängte am Freitag gegen den Staatschef der Jahre 2008 bis 2013 in dessen Abwesenheit eine Strafe von 15 Jahren.

Auch muss der 76-Jährige eine Geldstrafe von 13 Milliarden Won (10,01 Mio. Euro) zahlen. Zudem werden 8,2 Milliarden Won aus seinem Vermögen eingezogen. Andere Anklagepunkte gegen den früheren Topmanager und Bürgermeister von Seoul lauteten auf Machtmissbrauch, Untreue und Steuerhinterziehung.

“Eine schwere Strafe für den Beschuldigten ist unvermeidlich”, sagte eine Richterin während der live im Fernsehen übertragenen Urteilsverkündung. Der konservative Politiker blieb nach Berichten südkoreanischer Medien der Urteilsverkündung aus Protest gegen die Entscheidung fern, dass die Verhandlung im Fernsehen übertragen werden sollte. Seine Anwälte hätten auch gesundheitliche Gründe angegeben. Lee, der im März verhaftet worden war, hatte die Vorwürfe als “politische Rache” der jetzigen linksliberalen Regierung bezeichnet.

Lee war im April in 16 Punkten angeklagt worden, darunter neben Bestechung und Unterschlagung auch Machtmissbrauch. Das Gericht befand Lee jetzt unter anderem für schuldig, einen Autozulieferer, der unter dem Namen seines älteren Bruders betrieben wird, dazu genutzt zu haben, schwarze Kassen im Umfang von 24 Milliarden Won anzulegen. Er soll 24,6 Milliarden Won dazu aus Firmenkassen abgezweigt haben. Laut Ermittler war Lee der De-facto-Besitzer der Firma.

Das Gericht sah es zudem als erwiesen an, dass eine Millionensumme, die Lee vom Smartphone-Marktführer Samsung angenommen hatte, der Bestechung dienen sollte. Lee soll im Gegenzug dafür gesorgt haben, dass er wegen Steuerhinterziehung verurteilte frühere Vorsitzende der Samsung-Gruppe, Lee Kun-hee, während der Amtszeit Lee Myung-baks begnadigt wurde. Zudem wurde dem Ex-Präsidenten vorgeworfen, Geld vom Geheimdienst angenommen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von 20 Jahren gefordert.

Lees Anwalt will nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap prüfen, ob er in Berufung gehen wird. Er nannte das Urteil “extrem bedauerlich”.

Für viele ist die Karriere Lees auch ein Spiegel des Aufstiegs Südkoreas von einem bitterarmen Land zu einer Wirtschaftsmacht. Viele Koreaner sahen in ihm den Selfmade-Mann, der es aus ärmlichen Verhältnissen zu Wohlstand gebracht hat.

Lee ist in der Geschichte Südkoreas das vierte Staatsoberhaupt, das nach seiner Amtszeit verurteilt wurde. Im August hatte ein Berufungsgericht gegen Lees Nachfolgerin, Park Geun Hye, eine 25-jährige Strafe wegen Korruption und anderer Vergehen verhängt. Anders als Lee war Park vorzeitig ihrer Amtspflichten enthoben worden.

Der frühere Präsident Chun Doo-hwan wurde 1996 zusammen mit seinem Nachfolger Roh Tae-woo wegen Rebellion und Hochverrats zum Tode verurteilt. Gegen beide wurden zudem hohe Geldstrafen wegen Korruption im Amt verhängt. Ende 1997 wurde Chun zusammen mit Roh begnadigt. Beide leben noch.

Von: APA/dpa