Offiziell Anklage gegen Park Geun-hye erhoben

Südkoreas Ex-Präsidentin Park offiziell angeklagt

Montag, 17. April 2017 | 14:19 Uhr

Die abgesetzte südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye muss sich wegen ihrer Rolle in einem Korruptionsskandal vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft erhob am Montag formal Anklage gegen Park, unter anderem wegen Bestechlichkeit, Nötigung, Amtsmissbrauchs und der Verletzung von Staatsgeheimnissen.

Park war im März wegen eines Korruptionsskandals endgültig ihres Amtes enthoben worden und sitzt bereits seit zweieinhalb Wochen in Haft. Die Politikerin stürzte über eine Korruptionsaffäre, in deren Zentrum ihre enge Vertraute Choi Soon-sil steht. Choi, die in demselben Gefängnis wie Park in Haft sitzt, soll ihre Beziehungen zur Präsidentin ausgenützt haben, um von Firmen Millionenspenden für Stiftungen einzutreiben und sich dabei auch persönlich zu bereichern.

Park wird dabei vorgeworfen, südkoreanische Unternehmen wie Hyundai und Posco unter Druck gesetzt zu haben, insgesamt 77,4 Milliarden Won (rund 64 Millionen Euro) an zwei Stiftungen ihrer Jugendfreundin zu spenden. Auch der Samsung-Konzern ist in die weitverzweigte Affäre verwickelt. Der Erbe und inoffizielle Chef des Konzerns, Lee Jae Yong, wurde Ende Februar der Korruption angeklagt.

Am Montag erhob die Staatsanwaltschaft auch Anklage gegen den Chef des südkoreanischen Einzelhandelsriesen Lotte. Konzernchef Shin Dong-bin wird verdächtigt, einer Sportstiftung von Choi gegen politische Gefälligkeiten sieben Milliarden Won gespendet zu haben.

Park muss sich auch gegen den Vorwurf verantworten, ihrer Freundin eine Einmischung in die Regierungsgeschäfte erlaubt zu haben, darunter die Ernennung von Diplomaten und Regierungsvertretern. Park wies mehrfach jedes Fehlverhalten zurück und warf ihrer Vertrauten vor, ihre Freundschaft ausgenutzt zu haben.

Park hatte 2012 als erste Frau das Präsidentenamt in Südkorea übernommen. Im Dezember war sie vom Parlament vorläufig ihres Amtes enthoben worden, nachdem hunderttausende Menschen auf die Straßen gegangen waren und ihren Rücktritt gefordert hatten. Anfang März bestätigte das südkoreanische Verfassungsgericht die Amtsenthebung.

Anfang Mai findet nun eine vorgezogene Neuwahl statt, um Parks Nachfolger zu bestimmen. Parks konservative Regierungspartei Saenuri hat durch die Affäre erheblich Schaden genommen. Im Februar benannte sich die Partei im Bemühen um einen Neustart in Liberales Korea um.

Von: APA/ag.