Kurz und Gentiloni in Südtirol

Südtirol begeht 70 Jahre Pariser Vertrag auf Schloss Sigmundskron

Montag, 05. September 2016 | 12:45 Uhr

Mit einer Tagung auf Schloss Sigmundskron hat Südtirol am Montag die Unterzeichnung des Pariser Vertrages vor 70 Jahren begangen. Für den Nachmittag werden dazu Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) und sein italienischer Amtskollege Paolo Gentiloni (PD) erwartet.

Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) begrüßte bereits am Vormittag zahlreiche Politiker und Behördenvertreter. Der Landeschef unterstrich, dass vier Historiker aus durchaus kontroversieller Perspektive einen Überblick über die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg geben werden.

Das Gruber-De Gasperi-Abkommen wurde am 5. September 1946 von den damaligen Außenministern Österreichs und Italiens, Karl Gruber und Alcide De Gasperi, auf Druck der Westmächte unterschrieben. Es sollte den Schutz der österreichischen Minderheit südlich des Brenners garantieren.

„Ein solider, vorausschauender Vertrag, eine wertvolle Autonomie“

„Am 5. September 2016, Tag der Autonomie, jährt sich zum 70. Mal die Unterzeichnung eines Vertrages, der vom deutschen Historiker Rolf Steininger als „Magna Charta“ Südtirols bezeichnet wurde, eines Vertrages, der erst im Laufe der Jahre die Stärke und Weitsicht seiner beiden Unterzeichner, nämlich des italienischen Ministerpräsidenten Alcide Degasperi und des österreichischen Außenministers Karl Gruber, gezeigt hat“, erklärt Landtagspräsident Roberto Bizzo zum 70. Jahrestag des Pariser Vertrages.

Es sei das Schicksal der großen Persönlichkeiten und deren Werke, dass ihr Wert nur nachträglich anerkannt wird. „Doch  vielleicht liegt ihre Bedeutung gerade darin, dass sie von einer Weitsicht und einem zukunftsoffenen Blick zeugt, deren Tragweite von ihren Zeitgenossen nicht begriffen werden konnte. Degasperi und Gruber besaßen diesen vorausschauenden Blick. Dieser Vertrag, der nur aus zwei Seiten bzw. drei Artikeln bestand, kann mit gutem Grund als unsere Verfassung bezeichnet werden, zumal er den Nährboden für die künftigen Bestimmungen zum Schutz der Minderheiten und zum friedlichen Zusammenleben zwischen den Sprachgruppen in Südtirol darstellte“, fügt Bizzo hinzu.

„Die beiden Staatsmänner haben uns noch etwas gelehrt, auf das wir auch in dieser Zeit, die von der Krise Europas bestimmt ist, zurückgreifen sollten: Es lohnt sich immer, sich auszutauschen, um nach Lösungen zu suchen, die alle zufrieden stellen, auch wenn sie noch so unscheinbar erscheinen mögen; man sollte ständig verhandeln, sich die Argumente der anderen anhören bevor man die eigenen erläutert, und weiter diskutieren bis der kleinste gemeinsame Nenner und somit eine zukunftstaugliche Lösung gefunden werden. Degasperi und Gruber haben das in der ersten paritätischen Kommission gemacht und uns gezeigt, wie wichtig es ist, eine Begegnung auf Augenhöhe zu haben: Denn die Zukunft kann nur durch den Respekt vor dem Anderen gelingen. Auch wir sollten in diesem hohen Haus, wo die Meinungen oft so weit auseinander liegen, daraus eine Lehre ziehen“, so Bizzo.

„Wenn uns also Alcide Degasperi und Karl Gruber eine derart wertvolle Autonomie geschenkt haben, die heute von Minderheiten aus der ganzen Welt studiert und zum Vorbild genommen wird, ist es unser Auftrag, alles daran zu setzen, dass diese Autonomie weiterhin beispielhaft bleibt. Etwa auch bei der derzeitigen Debatte zu den Kosten der Politik, die wir so umsichtig und anständig wie möglich führen sollten“, erklärt Bizzo abschließend.

Regionalratspräsident Thomas Widmann: „Wir müssen an unsere Kinder denken“

„Unsere Autonomie stellt ein Recht dar, das uns dank der geschichtlichen Entwicklungen zuerkannt worden ist. 70 Jahre nach Unterzeichnung des Gruber-Degasperi-Abkommens, mit dem unsere Region innerhalb des staatlichen Gefüges begründet worden ist und mit dem die kulturellen und sprachlichen Besonderheiten unseres Gebietes anerkannt worden sind, gilt es heute, die verschiedenen Entwicklungsphasen noch einmal Revue passieren zu lassen, die Trentino-Südtirol zu einem Modell des Zusammenlebens und des sozialen und wirtschaftlichen Wohlstands gemacht haben, das weit über Europa hinaus anerkannt ist. Wir haben auch in schwierigen Phasen bewiesen, dass die Autonomie eine Investition war und nun haben wir die Pflicht, den Weg, den die Gründerväter unserer Autonomie eingeschlagen haben, fortzuschreiten. Wir haben die Aufgabe, neue Akzente für die Weiterentwicklung unseres Gebietes zu setzen und aus diesem Grund haben wir den Prozess einer Reform des Autonomiestatuts in die Wege geleitet, mit der die Beziehung zwischen Bozen und Trient harmonisiert und vor allem ein weiterer Schritt zur Stärkung der Euregio gesetzt werden soll. In der Tat stellt die europäische Makroregion, welche eine nie abgebrochene Bindung stärkt, die natürliche Entwicklung unseres Gebietes dar“, erklärt Regionalratspräsident Thomas Widmann anlässlich des 70-jährigen Jubiläums der Unterzeichnung des Gruber-Degasperi-Abkommens.

Doch allem voran gelte es laut Widmann, die Arbeiten abzuschließen, die mit der Einsetzung des Autonomiekonvents in Bozen und der “Consulta” in Trient eingeleitet worden sind, die im Regionalrat, dem er die Ehre vorzustehen habe, ihren Abschluss finden werden. „Dies ist sicherlich kein einfaches, aber dennoch für unsere beiden Länder sehr wichtiges Vorhaben. Wenn es uns gelingt, der Bevölkerung ein Instrument in die Hand zu geben, das zeitgemäß ist und es uns erlaubt, den unterschiedlichen Erfordernissen der beiden Gebiete gerecht zu werden, dann hinterlassen wir den zukünftigen Generation ein Trentino-Südtirol, das noch lebenswerter ist als jenes, das wir das Glück hatten zu erleben. Ich bin der Ansicht, dass wir allem voran an unsere Kinder denken müssen, an die Zukunftsaussichten, die sie hier finden können. In der Vergangenheit stellte die Abwanderung eine große Gefahr dar und dank der Autonomie wurde eine Entwicklung vollzogen, deren Ergebnis sich heute sehen lassen kann. Die Herausforderung, der es zu begegnen gilt, ist es, diesen Weg fortzusetzen und vom Staat mehr Vorrechte und eine stärkere Gesetzgebungsbefugnis zum Wohle unserer Länder und unserer Bevölkerung zu erlangen. Mit großem Verantwortungsbewusstsein versuchen wir den Erwartungen der Bevölkerung von Trentino-Südtirol gerecht zu werden, im Bewusstsein, dass wir die Aufgabe haben, die Zukunft unserer Kinder zu gestalten“, so Widmann.

Aus diesem Grund sei er der Überzeugung, dass der Tag der Autonomie allem voran ein Tag zum Feiern ist, der uns aber auch die Gelegenheit bietet, über das nachzudenken, was erreicht worden ist und über das, was es noch zu erreichen gilt.

70 Jahre Pariser Vertrag: JG setzt auf Europa

Vor genau 70 Jahren haben der österreichische Außenminister Karl Gruber und der italienische Ministerpräsident Alcide Degasperi den Pariser Vertrag unterzeichnet. Er gilt als Grundstein der Südtiroler Autonomie. „Dieses Abkommen war wegweisend für die Zukunft von Südtirol“, sagt JG-Landesjugendreferent René Tumler. „Unsere Aufgabe ist es nun, die Zukunft unseres Landes zu gestalten.“

Für die Junge Generation ist es wichtig, an diesem wichtigen Tag der Geschichte Südtirols nicht nur in die Vergangenheit zu blicken, sondern auch die Zukunft des Landes im Blickwinkel zu behalten. Dank der Errungenschaften der SVP unter den Landeshauptleuten Karl Erckert, Alois Pupp, Silvius Magnago, Luis Durnwalder und Arno Kompatscher übt Südtirol heute eine Modellfunktion in Europa aus. „Unsere Generation hat die Chance, wiederum zukunftsweisende und wertvolle Entwicklungen für unser Land und unsere Bevölkerung umzusetzen“, ist René Tumler überzeugt.

Für die JG ist unumstritten, dass Südtirol immer eng mit Österreich verbunden war, ist und wird sein wird. Aus diesem Grund wurde vergangene Woche in Alpbach eine Vereinbarung mit der Jungen ÖVP, unter JVP-Obmann und Außenminister Sebastian Kurz, zu einer noch stärkeren Zusammenarbeit vereinbart. „Mit der Jungen ÖVP und den weiteren Mitgliedern der Jungen Europäischen Volkspartei hat die Junge Generation in der SVP starke und zuverlässige Partner, um in Südtirol und in Europa eine Weiterentwicklung im Sinne eines gemeinsamen Fortschrittes umsetzen zu können“, schließt JG-Landesjugendreferent René Tumler.

Von: apa

Bezirk: Bozen

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