Von der Trennung von Österreich bis zur europäischen Region mit Autonomie

Südtirol: Eine Region mit spannender Geschichte

Freitag, 05. Oktober 2018 | 07:45 Uhr

Bozen – So sehr die Menschen der autonomen Provinz in Gegenwart und Zukunft leben, so präsent ist in Gesellschaft und Politik auch die besondere, mitunter leidvolle Geschichte. Am 10. September 1919 waren mit dem Friedensvertrag von St. Germain Südtirol sowie das Trentino (das damalige Welschtirol) von Österreich abgetrennt und kamen zu Italien.

Mit der Machtübernahme der Faschisten unter Benito Mussolini wurden ab 1922 massenhaft Italiener in Südtirol angesiedelt. Die ortsansässige österreichische Bevölkerung fürchtete mehr und mehr um ihre nationale Identität. Mit dem “Hitler-Mussolini-Pakt” wurden die Südtiroler 1939 vor die Wahl gestellt, sich als Italiener zu bekennen oder nach Deutschland auszuwandern.

Das erste Autonomiestatut erhielten die Südtiroler im Jahr 1948, nachdem es auf Drängen der Westmächte am 5. September 1946 zum Abschluss eines Schutzvertrages, der von den Außenministern Karl Gruber und Alcide De Gasperi unterzeichnet (“Gruber/De Gasperi-Abkommen” oder “Pariser Vertrag”, Anm.) wurde, gekommen war. Allerdings wurde Südtirol auf Initiative De Gasperis mit dem Trentino in eine Region zusammengefasst. Dadurch erlangte die italienische Bevölkerung die Mehrheit.

Nach Ende der Besatzungszeit intervenierte Österreich erstmals wegen Südtirol in Rom. Verhandlungen werden von italienischer Seite aber abgewiesen. Am 17. November 1957 rief der spätere, legendäre Landeshauptmann Silvius Magnago (SVP) vor rund 35.000 Südtirolern auf Schloss Sigmundskron südlich von Bozen das legendäre “Los von Trient!” aus. Der damalige österreichische Außenminister Bruno Kreisky brachte den Südtirol-Streit schließlich im Jahr 1960 erstmals vor die UNO.

Im Jahr 1961 erreichten die Anschläge des Befreiungsausschusses Südtirol (BAS) schließlich ihren Höhepunkt und mündeten in der sogenannten “Feuernacht”, in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni. 37 Hochspannungsmasten wurden unter anderem in dieser Nacht gesprengt, um die Weltöffentlichkeit auf die Unterdrückung der deutschsprachigen Minderheit in Südtirol aufmerksam zu machen.

Am 20. Jänner 1972 trat schließlich das neue Autonomiestatut für Südtirol in Kraft. Alle Durchführungsbestimmungen hätten bis 1974 erlassen werden müssen. Gegen Ende der 1970er-Jahre verlangsamte sich das Tempo aber immer mehr. Die Verhandlungen dauerten schließlich bis zum Jänner 1992.

Am 30. Jänner des selben Jahres gab dann der italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti vor dem römischen Parlament die Erklärung ab, dass seine Regierung das Paket für erfüllt halte. Im April übergab Italien Österreich eine diplomatische Note, in der die Autonomie für erfüllt erklärt wurde. Am 11. Juni folgte der formelle Abschluss der Südtirol-Verhandlungen. Am 19. Juni 1992 legten Österreich und Italien schließlich den Streit vor der UNO in New York bei. Österreich betonte, dass die auf dem Gruber/De Gasperi-Abkommen fußende Schutzmachtfunktion aufrecht bleibe.

In den darauffolgenden Jahren wurde die Südtirol-Autonomie schrittweise erweitert. Unter anderem erfolgte die Errichtung eines eigenen Oberlandesgerichtes in Bozen. Die deutsche Sprache wurde bei Polizei und Gericht gleichgestellt. Nach dem österreichischen EU-Beitritt und dem Inkrafttreten des Schengener Abkommens wurde an den Übergängen zu Nord- und Osttirol der Wegfall der Grenzbarrieren gefeiert.

Bis heute drehen sich die politischen Debatten in Südtirol indes um die Erweiterung der erstrittenen Autonomie. Immer wieder ist dabei auch von der, von Alt-LH Luis Durnwalder (SVP) geprägten, Formulierung der “dynamischen Autonomie” die Rede. Die deutschsprachigen rechten Oppositionsparteien lancieren hingegen immer wieder Ideen, die von der Loslösung von Rom und einer Rückkehr zu Österreich bis hin zur Idee eines Freistaates reichen.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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9 Kommentare auf "Südtirol: Eine Region mit spannender Geschichte"


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So sig holt is
So sig holt is
Superredner
17 Tage 17 h

wenn die svp lei no des war, wia sie zur Gründungszeit wor.. ober so konnsches vergessen

Sag mal
Sag mal
Kinig
17 Tage 15 h

indem Sie den Menschen versprochen hatt zu Österreich zurück zu kommen????!!!!!Von Anfang an Verraten und verkauft.

peterle
peterle
Superredner
17 Tage 15 h

Dazwischen sind mindestens 2 Generationen herangewachsen die von der Ursprungs SVP wenig mehr übrig haben. So ist der Lauf der Geschichte und der kleine Mann kann wenig bis gar nichts machen da der Mensch als Rudeltier zwangsgebunden wird.

Tabernakel
17 Tage 14 h

Warum? Geht es Dir schlecht?

gapra
gapra
Universalgelehrter
17 Tage 13 h

@peterle “dazwischen sind mindestens 2 Generationen herangewachsen…..So ist der Lauf der Geschichte…” und der kleine Mann , der immer in der Vergangenheit hängen bleibt, kann sich nur im Rudel der ewiggestrigen zusammenschließen und den neuen Götzen folgen.

Tabernakel
17 Tage 12 h

@peterle

Den kleinen Mann gibt es nicht. Du hast einige Generationen verpennt.

m69
m69
Kinig
17 Tage 4 h

@gapra 

wieder einmal ein Geschwafel von Dir, wirst langsam peinlich! gapra.

m69
m69
Kinig
17 Tage 4 h

@Tabernakel 

was heißt  Generationen?

gapra
gapra
Universalgelehrter
17 Tage 3 h

@m69 Um Peinlichkeit zu erklären rate ich Ihnen, nochmals Ihren Beitrag zur rhetorischen Frage zu lesen.Da bekommt “peinlich ” eine ganz neue Dimension

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