Vertrag vom 5. September 1946 bildete die Basis der heutigen Südtirol-Autonomie

Südtirol – Gruber/De Gasperi-Abkommen feiert 75. Geburtstag

Freitag, 03. September 2021 | 05:05 Uhr

Der 5. September 1946 – ein Tag, der nicht nur in die Südtiroler Geschichte, sondern in die Weltgeschichte einging. Ein Tag, der die Basis der Südtirol-Autonomie bildete und auf dessen Fundament letztlich – nach der Zeit des Faschismus und Nationalsozialismus – ein blühendes Land entstand. An diesem Tag wurde auf Druck der Westmächte von den damaligen Außenministern Österreichs und Italiens, Karl Gruber und Alcide De Gasperi, der sogenannte “Pariser Vertrag” unterschrieben.

An diesem Sonntag jährt sich die Unterzeichnung des Abkommens zum 75. Mal. Das zweiseitige Abkommen wurde Teil des Friedensvertrages der Alliierten mit Italien – und Südtirol damit zum ersten Mal eine internationale Frage. Zuvor war bei der Friedenskonferenz in Paris am 1. Mai 1946 die österreichische Forderung nach Abhaltung einer Volksabstimmung in Südtirol endgültig abgewiesen worden. Im Abkommen wurden den Südtirolern unter anderem Maßnahmen zur Erhaltung ihres Volkscharakters, die Gleichstellung der deutschen Sprache und die Gewährung einer Autonomie zugestanden.

Erstmals wurden konkrete Schutzbestimmungen zugunsten der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols auf internationaler Ebene verbrieft – vor allem hinsichtlich des Schulunterrichts in der Muttersprache, des Sprachgebrauchs bei öffentlichen Ämtern und der Vergabe von öffentlichen Stellen. Italien hatte Österreich durch das Abkommen indirekt als Vertragspartner im Bereich der Südtirolfrage anerkannt. Nicht zuletzt von diesem Umstand und von den bilateralen Verhandlungen um das zweite Autonomiestatut leitete sich die bis heute bestehende Schutzfunktion der Republik für die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung der Region ab. Diese ist allerdings in keinem Dokument offiziell festgeschrieben. Auf die ladinische Volksgruppe, die heute auf die drei Provinzen Bozen, Trient und Belluno aufgeteilt ist, wurde in dem Abkommen übrigens vergessen.

Im Jahr 1948 folgte dann das erste Autonomiestatut. Allerdings wurde Südtirol auf Drängen De Gasperis mit dem Trentino in eine Region zusammengefasst. Die italienische Bevölkerung hatte darin die Mehrheit. Nach der Erlangung der vollen Souveränität intervenierte Österreich 1956 zum ersten Mal in Rom. Italien lehnte Verhandlungen aber mit dem Hinweis ab, dass das Pariser Abkommen durchgeführt sei und Österreich das Recht verloren habe, sich in diese Frage offiziell einzuschalten.

1960 brachte der damalige österreichische Außenminister und spätere Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ) das Südtirol-Problem vor die UNO. In einer Resolution wurde festgehalten, dass die Autonomie zum Schutz des Volkscharakters und zur Wahrung der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der Südtiroler zu behandeln ist und Österreich zweifelsohne ein Mitspracherecht habe. Trotz der UNO-Stellungnahme weigerte Italien sich aber weiterhin, den Südtirolern eine Autonomie zuzugestehen.

Vor dem Hintergrund von Bombenanschlägen gegen italienische Einrichtungen in Südtirol setzte der italienische Ministerrat im Jahr 1961 die sogenannte “Neunzehnerkommission” ein, die aus sieben Südtirolern, einem Ladiner und elf Italienern gebildet wurde. Sie sollte der Regierung Lösungsvorschläge unterbreiten. Die Ergebnisse der Kommission wurden nach über drei Jahren Arbeit 1964 dem damaligen italienischen Ministerpräsidenten Aldo Moro überreicht.

Das zweite Autonomiestatut trat dann 1972 in Kraft. Mit diesem Statut gingen die erweiterten Autonomiebestimmungen von der Region Trentino-Südtirol letztlich großteils auf die beiden autonomen Provinzen Trient und Bozen über.

20 weitere Jahre wird es dann dauern, bis der Großteil der vereinbarten Maßnahmen von Rom durchgeführt wird. Formell wurde der Streit zwischen Österreich und Italien schließlich im Jahr 1992 durch die sogenannte “Streitbeilegungserklärung” beendet.

In den darauffolgenden Jahren wurde die Südtirol-Autonomie schrittweise erweitert. Unter anderem erfolgte die Errichtung eines eigenen Oberlandesgerichtes in Bozen. Die deutsche Sprache wurde bei Polizei und Gericht gleichgestellt. Nach dem österreichischen EU-Beitritt und dem Inkrafttreten des Schengener Abkommens wurde an den Übergängen zu Nord- und Osttirol der Wegfall der Grenzbarrieren gefeiert.

Die politischen Debatten in der autonomen Provinz drehen sich bis heute immer wieder um die Erweiterung der erstrittenen Autonomie. Immer wieder ist dabei auch von der, von Alt-LH Luis Durnwalder (SVP) geprägten, Formulierung der “dynamischen Autonomie” die Rede. Die deutschsprachigen rechten Oppositionsparteien lancieren hingegen immer wieder Ideen, die von der Loslösung von Rom und einer Rückkehr zu Österreich bis hin zur Idee eines Freistaates reichen. In Österreich war während der Zeit der türkis-blauen Koalition von 2017 bis 2019 in Bezug auf Südtirol immer wieder eine mögliche Doppelstaatsbürgerschaft im medialen Fokus. Diese Idee wurde vor allem von der FPÖ vorangetrieben. Im nunmehrigen türkis-grünen Koalitionsabkommen ist das umstrittene Vorhaben jedoch nicht mehr enthalten.

Von: apa

Kommentare

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21 Kommentare auf "Südtirol – Gruber/De Gasperi-Abkommen feiert 75. Geburtstag"


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Bergsteiga
Bergsteiga
Grünschnabel
21 Tage 3 h

Autonomie ist schon lange untergraben und tod

schneidigozoggla
21 Tage 2 h

Moch amol a Tibet Reise donn redmo weita ibo toate Autonomien

falschauer
21 Tage 2 h

wenn sie TOT wäre, hätte sie wohl der TOD mitgenommen, zum glück lebt sie noch

meinungs.freiheit
meinungs.freiheit
Superredner
21 Tage 1 h

Mit heutigem Stand kann man nicht zufrieden sein. Die deutsche Sprache wird immer mehr zurückgedrängt einfach grausig im eigenen Land bald überall soll italienisch gesprochen werden, sogar Ärzte können nicht mal in unserer Muttersprache über sehr wichtige Dinge sprechen.
Liebe Politik es gibt viel zu tun.

sophie
sophie
Universalgelehrter
20 Tage 21 h

@meinungsfr….
Jo so ischs, in di Kronknheiso, die Ärtzte redn gonz viele leimehr Italienisch, do konn di Politik amol drin greifn, net lei blablablaahhhh

Trina1
Trina1
Universalgelehrter
20 Tage 19 h

meinungs.freiheit, ja und den Geschäftsleuten und Gastwirten wäre beizubringen Engländer sind wir auch keine!

Sag mal
Sag mal
Kinig
20 Tage 17 h

@sophie der Wähler muss umdenken. Mit Einer Anderen Partei geht’s auch anders.

traktor
traktor
Universalgelehrter
21 Tage 2 h

ein schwaches abkommen. wir gehören zu einem fremdstaat. amtssprache ist grossteils nicht unsere muttersprache. wir werden diskriminiert… so etwas ohne mich

iwoasolls
iwoasolls
Superredner
21 Tage 2 h

ias isch leima a scherbenhaufn ibrig!

Privatmeinung
Privatmeinung
Tratscher
21 Tage 1 h

Früher hatte dies noch Sinn. 
Heute läuft die südtiroler Politik nur mehr dem Staat hinterher, damit sie ja kein Risiko eingehen, damit sie wiedergewählt werden.

Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
20 Tage 23 h

Lieber die halbe Freiheit, als die ganze Freiheit! Ich kann nur sagen, dass ich Niemals ein Italiener sein werde! Niemals! Freiheit für Süd-Tirol, und los von Rom!!

algunder
algunder
Universalgelehrter
21 Tage 18 Min

wem krotzt de autonomie???
los von rom !
für denn sein insere freiheitskämpfer grod gstondn und sou stian mir heint a nou !

Markuskoell
Markuskoell
Grünschnabel
20 Tage 21 h

Wir brauchen was neues  😉 

falschauer
20 Tage 21 h

und das wäre 🤔

Buddy
Buddy
Grünschnabel
20 Tage 17 h

@falschauer
Ganz einfach, weg von Italien, weg von Österreich, einen eigenen Staat SÜDTIROl.

anonymous
anonymous
Universalgelehrter
21 Tage 47 Min

Und die Bestätigung für den Termin bei der Agentur der Einkommen,kommt auch nur auf Italienisch

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
21 Tage 50 Min

Heute kräht kein Hahn mehr danach, außer die Mannen der Partei.

flakka
flakka
Tratscher
20 Tage 18 h

der oanzige grosse vor oder a nochteil der autonomie isch, dass bei ins zuviel geld ummer isch, des für zig verschiedenen beiträge verwendet wert u olm de wos wenig einkommen kommen belohnt und die mittelschicht gstroft werden…ausgenommen logisch die lobby bauern u hoteliere…oschoffen odr für olle regionen die autonomie einführen…sel schun wäre spanndend donn ;)))

Wespe
Wespe
Grünschnabel
20 Tage 6 h

Die Süd-Tiroler-innen sind eine Österreichische Minderheit in Italien, und genießen deshalb, und nur deshalb die ihnen zugestandene Autonomie.

urlauber
urlauber
Neuling
20 Tage 13 h

blas blas blaa

Besos1900
Besos1900
Neuling
20 Tage 5 h

eine Autonomie die nur den Auswärtigen Zukunft bringt. Für uns deutschsprachigen Südtirolern der Niedergang.

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