Festtagung mit Außenminister Kurz und Gentiloni

Gruber/De Gasperi-Abkommen jährt sich zum 70. Mal

Montag, 05. September 2016 | 12:10 Uhr

Der 5. September 1946 markiert ein historisches Datum in der Geschichte Südtirols und Österreichs: An diesem Tag wurde auf Druck der Westmächte von den damaligen Außenministern Österreichs und Italiens, Karl Gruber und Alcide De Gasperi, der sogenannte “Pariser Vertrag” unterschrieben. Das Abkommen sollte den Schutz der österreichischen Minderheit südlich des Brenners garantieren.

Zuvor war bei der Friedenskonferenz in Paris am 1. Mai 1946 die österreichische Forderung nach Abhaltung einer Volksabstimmung in Südtirol endgültig abgewiesen worden. Im Abkommen wurden den Südtirolern unter anderem Maßnahmen zur Erhaltung ihres Volkscharakters, die Gleichstellung der deutschen Sprache und die Gewährung einer Autonomie zugestanden. Erstmals wurden konkrete Schutzbestimmungen zugunsten der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols auf internationaler Ebene verbrieft.

Auf die ladinische Volksgruppe, die heute auf die drei Provinzen Bozen, Trient und Belluno aufteilt ist, wurde übrigens vergessen. Der zweiseitige Schutzvertrag fand als integrierender Bestandteil Aufnahme in den Friedensvertrag der Alliierten mit Italien. Die Südtirol-Frage erfuhr zum ersten Mal eine Internationalisierung.

Im Jahr 1948 folgte dann das erste Autonomiestatut. Allerdings wurde Südtirol auf Drängen De Gasperis mit dem Trentino in eine Region zusammengefasst. Die italienische Bevölkerung hatte darin die Mehrheit. Nach der Erlangung der vollen Souveränität intervenierte Österreich 1956 zum ersten Mal in Rom. Italien lehnte Verhandlungen aber mit dem Hinweis ab, dass das Pariser Abkommen durchgeführt sei und Österreich das Recht verloren habe, sich in diese Frage offiziell einzuschalten.

1960 brachte der damalige österreichische Außenminister Bruno Kreisky das Südtirol-Problem vor die UNO. In einer Resolution wurde festgehalten, dass die Autonomie zum Schutz des Volkscharakters und zur Wahrung der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der Südtiroler zu behandeln ist und Österreich zweifelsohne ein Mitspracherecht habe. Trotz der UNO-Stellungnahme weigerte Italien sich aber weiterhin, den Südtirolern eine Autonomie zuzugestehen.

Vor dem Hintergrund von Bombenanschlägen gegen italienische Einrichtungen in Südtirol, bei denen niemand verletzt wurde, setzte der italienische Ministerrat im Jahr 1961 die sogenannte “Neunzehnerkommission” ein, die aus sieben Südtirolern, einem Ladiner und elf Italienern gebildet wurde. Sie sollte der Regierung Lösungsvorschläge unterbreiten. Die Ergebnisse der Kommission wurden nach über drei Jahren Arbeit 1964 dem damaligen italienischen Ministerpräsidenten Aldo Moro überreicht.

1972 trat dann das zweite Autonomiestatut in Kraft. Mit diesem Statut gingen die erweiterten Autonomiebestimmungen von der Region Trentino-Südtirol letztlich großteils auf die beiden autonomen Provinzen Trient und Bozen über.

Es sollte weitere 20 Jahre dauern, bis der Großteil der vereinbarten Maßnahmen von Rom durchgeführt wird. Formell wurde der Streit zwischen Österreich und Italien schließlich im Jahr 1992 durch die sogenannte “Streitbeilegungserklärung” beendet.

Südtirol begeht den 70. Jahrestag des “Pariser Vertrages” am Montag auf Schloss Sigmundskron mit einer Festtagung. Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) und sein italienischer Amtskollege Paolo Gentiloni werden dabei Ansprachen halten.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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3 Kommentare auf "Gruber/De Gasperi-Abkommen jährt sich zum 70. Mal"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
heinold
Neuling
19 Tage 22 h

Diese Bizzo-Kompatscher-Steininger -Sülze ist unverdaulich. Wahr ist: De Gasperi hat den Gruber über den Tisch gezogen und an der, von diesen beiden Strategen ausgehandelten “Autonomie” , wäre Südtirol bei einem Haar verreckt. Gerettet hat uns keine svp-, kein Magnago und kein Gargitter. Gerettet haben uns einzig und allein die Südtiroler Freiheitskämpfer. Nur denen sind wir zu ewigem Dank verpflichtet. Der Rest ist blabla!   

meinungs.freiheit
Grünschnabel
19 Tage 18 h

heinold dein Kommentar bringt es auf den Punkt 👍

Pustrabui
Neuling
19 Tage 19 h

Kompatscher es isch zeit….👋👋 zi gien

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