Kurz, Strache, Salvini und Co sorgten für Schlagzeilen

Südtirol-Wahl: Ruhiger Wahlkampf mit “Gastarbeiter”-Zwischenspielen

Freitag, 19. Oktober 2018 | 14:55 Uhr

Der Wahlkampf für die Südtiroler Landtagswahl am Sonntag ist zu Ende – und er ist alles in allem in ruhigen Bahnen verlaufen. Zumindest was die heimischen Wahlkämpfer betrifft. Denn für Schlagzeilen sorgten vor allem die “Gastarbeiter” unter den Stimmenfängern – von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) über Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) bis hin zu Italiens Innenminister Matteo Salvini.

Den Anfang hatte Kurz mit seinem Auftritt beim Wahlkampfauftakt der Südtiroler Volkspartei in einem Bozner Stahlbauunternehmen Mitte September gemacht. Gemeinsam mit SVP-Spitzenkandidat und Landeshauptmann Arno Kompatscher beschwor der Kanzler den “Südtiroler Traum”, den es zu erhalten gelte. Und pries die autonome Provinz als ein Erfolgsmodell, das nicht durch Instabilität aufs Spiel gesetzt werden dürfe.

Der Medienauflauf rund um den Bundeskanzler war jedenfalls beträchtlich, auch deutsche TV-Stationen waren zugegen. Im Vorfeld hatte Forza-Italia-Politikerin Michaela Biancofiore lautstark gegen den Kurz-Auftritt wegen einer angeblichen Einmischung gewettert und eine Protestaktion angekündigt. Auch Südtiroler Junggrüne wollten gegen den Kanzler wegen dessen Migrationspolitik demonstrieren. Letztlich nahmen aber nur ein gutes Dutzend Personen an den Protestaktionen teil.

FPÖ-Chef Strache wiederum griff den Südtiroler Freiheitlichen, wie zuvor auch schon Verkehrsminister Norbert Hofer, wahlkampftechnisch unter die Arme – und sparte nicht mit angriffigen Sprüchen. Der regierenden SVP würde “eine Watschen guttun”, so Strache. Und der Vizekanzler machte klar, dass die Bundesregierung an der geplanten Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler festhalten werde.

Eine klare Absage an dieses Vorhaben war jedoch zuvor von “Wahlkämpfer” Salvini gekommen. “Man kann keine Pässe verschenken, ohne dass die italienische Regierung damit einverstanden ist”, meinte der Innenminister. Salvini zeigte sich überzeugt, das die Lega in Südtirol einen großen Wahlerfolg einfahren werde. Dafür rührte er ordentlich die Werbetrommel und nützte etwa auch das “Spatzenfest” der Kastelruther Spatzen für einen Wahlkampfauftritt.

Dies erzürnte wiederum den wohl bekanntesten Südtiroler, Reinhold Messner. “Ich bin erschrocken. Dass sich dieser Mann einfach die Bühne nimmt und niemand aufsteht und widerspricht. Im Gegenteil, dass die Musikhörer und Festgäste staunend, bewundernd und gleichzeitig auch ein bisschen ängstlich auf diesen Mann blicken”, ließ die Extrembergsteiger-Legende wissen.

Ansonsten verlief der Wahlkampf südlich des Brenners großteils ohne echte “Highlights”. Die SVP trommelte landauf landab ihr Mantra von der so wichtigen “Stabilität”, die nur die Sammelpartei garantieren könne. “Ohne uns das Chaos”, war die unausgesprochene Botschaft. Das Wahlziel “Wiedererlangung der absoluten Mehrheit” wurde angesichts eher magerer Umfragewerte nicht in dem Mund genommen, stattdessen formulierte Kompatscher ein Ergebnis über 40 Prozent als Ziel. Gegen Ende des Wahlkampfes schoss sich die Partei noch ordentlich auf die Regierung in Rom ein – und geißelte “europafeindliche” Aussagen zum Haushalts-Streit und widersprüchliche zum Brennerbasistunnel.

Ein kleineres Scharmützel lieferte sich die Liste des Bozner Unternehmers und Landtagsabgeordneten Paul Köllensperger mit der Sammelpartei. Sie prangerte angebliche Gehalts-Privilegien Kompatschers an, was dieser prompt vehement zurückwies.

Auf sachpolitischer Ebene drehte sich der Wahlkampf um Themen wie leistbares Wohnen, Gesundheit und Verkehr. Die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik stand angesichts hervorragender Daten weitgehend außer Streit. Auch der große autonomiepolitisch kontroverse Diskurs blieb aus.

Das Thema Migration wurde kaum gespielt – auch die Freiheitlichen blieben dabei eher zurückhaltend. Man war sich jedoch einig, dass die Thematik vielen Südtirolern trotz geringer Asylwerber-Zahlen unter den Nägeln brenne.

Auch der Doppelpass wurde – abseits der oftmals medial von außen hereingetragenen Debatte – auf Sparflamme gekocht. Sogar die Süd-Tiroler Freiheit als vehementeste Verfechterin führte ihn nicht an prominenter Stelle in ihrem Wahlkampf-Talon.

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Droht die SVP – ähnlich der CSU in Bayern – wirklich massiv abzurutschen, wird auch die Koalitionsbildung spannend. Und selbst wenn sie ein komfortables Ergebnis einfährt, bleibt die Frage, mit welchem italienischen Partner sie koaliert – die italienische Sprachgruppe hat laut Autonomiestatut einen Vertretungsanspruch in der Regierung. Derzeit koaliert man mit dem linksgerichteten Partito Democratico (PD). Doch fährt etwa die Lega Nord Salvinis ein Traumergebnis ein, steht die “Edelweiß-Partei” vor dem Offenbarungseid: Trägt sie dem Wählerwillen Rechnung oder bleibt sie klar auf Anti-Rechts-Kurs.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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2 Kommentare auf "Südtirol-Wahl: Ruhiger Wahlkampf mit “Gastarbeiter”-Zwischenspielen"


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Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
29 Tage 12 h

Da Lob ich mir die STF. die hat es alleine hinbekommen!

alla troia
alla troia
Tratscher
29 Tage 12 h

die Südtiroler sind nur einen langweiligen Wahlkampf gewöhnt, deswegen tat ihnen Strache, Kurz und Co nur gut!

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