Knapp über 1.000 Sympathisanten bei Wahlkampfauftakt der SVP

Südtirol-Wahl: SVP beschwor mit Kurz den “Südtiroler Traum”

Sonntag, 16. September 2018 | 07:46 Uhr

Bozen – Die Südtiroler Volkspartei ist endgültig im Wahlkampfmodus. Fünf Wochen vor der Landtagswahl am 21. Oktober beging die Sammelpartei Freitagabend vor knapp über 1.000 Sympathisanten in einer Firmenhalle in Bozen ihren Wahlkampfauftakt. LH Arno Kompatscher beschwor den “Südtiroler Traum”, den es zu erhalten gelte. “Stargast” Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) pries Südtirol als ein Erfolgsmodell.

Der “Südtiroler Traum”, er bestehe vor allem in der Zukunftssicherheit, die ein “stabiles Land” wie Südtirol garantiere, in dem Bekenntnis zu Tradition und Gemeinschaftssinn, rief Kompatscher den Anhängern in der Produktionshalle eines Bozner Stahlbauunternehmens zu. Und der Landeschef ließ keinen Zweifel daran: Wer diesen Traum bewahren wolle, müsse SVP wählen.

Das Wahlziel der Wiedererlangung der absoluten Mandatsmehrheit, die die SVP bei der Landtagswahl 2013 erstmals seit 1948 verloren hatte, kam weder Kompatscher noch Parteichef und Landesrat Philipp Achammer im Verlauf der Veranstaltung über die Lippen. Ein “ganz ganz starkes Ergebnis” wolle man erreichen, so Achammer und rief die SVP-Funktionäre und Mitglieder zu “Einigkeit und Geschlossenheit” auf.

Und dann holte er den “Strategen” auf die Bühne, auf den “ganz Europa schaut”, wie der Parteichef meinte: Bundeskanzler und ÖVP-Chef Kurz. Dieser war zuvor, umringt von zahlreichen Fotografen und Kamerateams, darunter auch einige aus Deutschland, etwas verspätet seit an seit mit der SVP-Spitze unter Popmusik-Klängen in die Halle eingezogen. Zuvor hatte der Kanzler noch betont, als Chef der SVP-Schwester ÖVP beim Wahlkampfauftakt zugegen zu sein.

Kaum die Bühne betreten, rührte Kurz dann in seiner rund 20-minütigen Rede kräftig die Werbetrommel für die Sammelpartei. Diese sei der Garant dafür, dass Südtirol so hervorragend dastehe wie heute. “Wir schauen oft neidig, bewundernd nach Südtirol, das uns immer ein echtes Herzensanliegen ist”, erklärte der Kanzler und verwies auf Vollbeschäftigung und einen boomenden Tourismus. Die SVP sei eine “starke Schwesterpartei”, zu der “wir aufsehen”, so Kurz. “Das ist auch eine wichtige Entscheidung für uns”, meinte der Bundeskanzler in Anspielung auf die Landtagswahl.

Nach der Kanzler-Rede folgte noch ein Gespräch mit Kompatscher und Kurz, das die in Deutschland tätige Südtiroler TV-Moderatorin Birgit Nössing führte. Betonte wurde dabei beiderseits etwa die Wichtigkeit der Schutzfunktion Österreichs für Südtirol. Kompatscher strich die Autonomie hervor, die er – in Anlehnung an seinen, ebenfalls anwesenden Vorgänger Luis Durnwalder – als “dynamische Autonomie” bezeichnete. Einiges an Kompetenzen habe man in den vergangenen Jahren zusätzlich vom Zentralstaat erlangen können, etwa im Bereich der Wasserkraft. Auch die Migrationskrise wurde gestreift, bei der man laut Kurz zwar eine Trendwende, aber noch keine europäische Lösung zustande gebracht habe.

Der SVP-Wahlkampfauftakt wurde als moderner Event inszeniert – garniert mit Tradition und Heimatbewusstsein. “Stabil. Stark. Südtirol” oder “Unsere Verpflichtung. Heimat Südtirol” prangte beispielsweise auf den Wahlplakaten. Auch die Erinnerung an Heroen der Südtiroler Geschichte fehlte nicht – so wurde etwa der “Vater der Südtirol Autonomie”, der legendäre Landeshauptmann Silvius Magnago, in der Halle bildlich verewigt.

Für die SVP geht es bei der Wahl am 21. Oktober um viel: Auf 45,7 Prozent und 17 Mandate im 35 Sitze umfassenden Landesparlament war die Partei vor fünf Jahren gekommen. Die “Absolute” scheint derzeit außer Reichweite. Eine im August in der Tageszeitung “Dolomiten” veröffentliche Umfrage sah die Südtiroler Volkspartei nur mehr bei 39 Prozent.

Doppelpass – Kurz betont “guten Kontakt” mit Rom

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat in Sachen Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler den “guten Kontakt” mit der italienischen Regierung hervorgestrichen. Sobald eine Gesetzesentwurf vorliege, werde man einen “Diskussionsprozess mit Rom” starten, sagte Kurz Freitagabend beim Wahlkampfauftakt der Südtiroler Volkspartei in Bozen.

Die im türkis-blauen Koalitionsabkommen vorgesehene Doppelstaatsbürgerschaft müsse “gut vorbereitet sein”, es bedürfe einer “ordentlichen Abstimmung” mit Rom, so der Kanzler. Es handle sich um einen “nachvollziehbaren Wunsch” vieler Südtiroler, erklärte Kurz und erntete Applaus der rund 1.000 SVP-Sympathisanten.

Auch Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher betonte beim SVP-Wahlkampfauftakt die Wichtigkeit einer engen Abstimmung mit Italien. “Dialog wird zum Erfolg führen”, meinte Kompatscher.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz