Ziel, Gemeinden von Bürgerlisten zurückzuerobern, gescheitert

Gemeindewahlen: SVP behauptet Position als stärkste Partei

Dienstag, 22. September 2020 | 17:32 Uhr

Das Ergebnis der am Sonntag und Montag in Südtirol abgehaltenen Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen steht fest. Die regierende Südtiroler Volkspartei (SVP) konnte ihre Position als weitaus stärkste Partei halten. Sie stellt in Zukunft 103 der 113 neugewählten Bürgermeister – einen weniger als bisher. Das Ziel, Gemeinden von den Bürgerlisten zurückzuerobern, ist damit gescheitert.

Der erste Stimmungstest nach der Corona-Pandemie zeigte ein kaum verändertes Bild. Auch die Wahlbeteiligung lag mit 65,4 Prozent nur einen Prozentpunkt unter dem Wert von 2015. Da die Wahl zeitgleich mit einem Referendum zur Verkleinerung des römischen Parlaments stattfand, wurde mit der Stimmauszählung erst Dienstagfrüh begonnen.

Während in den größeren Städten Leifers, Bruneck und Brixen ein Kandidat bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erringen konnte und damit gewählt ist, wird es in Meran und Bozen zu einer Stichwahl am 4. Oktober kommen. In den übrigen Gemeinden, die weniger als 15.000 Einwohner haben, entscheidet sich die Bürgermeisterwahl bereits im ersten Wahlgang. Hier genügte die einfache Mehrheit.

In Bozen muss sich Amtsinhaber Renzo Caramaschi vom PD, der von verschiedenen Mitte-Links-Parteien und den Grünen unterstützt wird, in zwei Wochen in einer Stichwahl Roberto Zanin stellen, der ein Mitte-Rechts-Bündnis anführt. Die beiden sind nahezu gleich auf und konnten jeweils knapp unter 34 Prozent der Stimmen erringen.

In Meran kommt es am 4. Oktober ebenfalls zu einem Stechen. Hier entscheidet sich, ob der amtierende Bürgermeister, Paul Rösch, der eine eigene Liste im Bündnis mit den Grünen, Team K und der Links-Partei anführt, das Rennen macht – oder ob Dario Dal Medico, der einem Mitte-Rechts-Bündnis vorsteht, ihn ablösen wird. Der Kandidat der SVP schaffte es nicht in die Stichwahl.

In den größeren Städten – vor allem in Bozen, Meran und Bruneck – konnte sich die Lega, Koalitionspartner der SVP auf Landesebene, bei der Wahl der Gemeinderäte weit vorne positionieren. Sie bestätigt sich damit als stärkste Partei der italienischsprachigen Bevölkerung. Die Fünf-Sterne-Bewegung verlor hingegen deutlich an Boden.

In den kleineren Gemeinden dominierte die SVP. In zahlreichen Gemeinden hatte sie allerdings Konkurrenz von Bürgerlisten, die zum Teil sehr gut abschneiden konnten. Die Freiheitlichen und die Südtiroler Freiheit spielen auf Gemeindeebene eine meist untergeordnete Rolle.

Ein äußerst knappes Ergebnis brachte die Wahl in Sterzing, wo die SVP angetreten war, um der Bürgerliste das höchste Amt in der Gemeinde abzunehmen. Der SVP-Kandidat scheiterte mit nur drei Stimmen Unterschied. Auch in Auer konnte sich der Kandidat der Bürgerliste mit nur drei Stimmen Vorsprung gegen den SVP-Bewerber durchsetzen.

In Kaltern entschied die SVP-Kandidatin mit 82,7 Prozent der Stimmen die Wahl klar für sich. Die hohe Anzahl von 44,6 Prozent an ungültigen Stimmen, lässt allerdings vermuten, dass die Wähler damit ihren Unmut zum Ausdruck bringen wollten. Auch in anderen Gemeinden, wie Tirol oder Aldein, wo sich nur ein Kandidat für das Amt des Bürgermeisters beworben hatte, fiel die Zahl der ungültigen Stimmen mit 43,9 Prozent bzw. 46,1 Prozent auffallend hoch aus.

Der Anteil der Bürgermeisterinnen bleibt in Südtirol auch weiterhin gering. Einige Bürgermeisterinnen wurden im Amt bestätigt, drei wurden abgewählt und einige sind neu hinzugekommen. Künftig werden es 13 Frauen sein, die in Südtirol Gemeinden vorstehen. Das ist eine mehr als bisher.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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13 Kommentare auf "Gemeindewahlen: SVP behauptet Position als stärkste Partei"


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PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Ich sagte es voraus: In der Wahlkabine vergisst der Südtiroler alles. Er verzeiht. Er bereut, einmal gegen die SVP gewettert zu haben, weil sie Skandale auf sich geladen hatte. In der Wahlkabine wird der Südtiroler zum politischen Priester. Er verzeiht und erteilt die Absolution, indem er das Edelweiss ankreuzt.

Exit
Exit
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

Gemeindewahlen sind nicht Landeswahlen.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 2 Tage

Du hast vergessen zu erwähnen, dass er blökt.

So ist das
So ist das
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Wenn man die Basis einer Partei wählt, die man ansonsten kritisiert oder ablehnt, dann sollte man sich nicht wundern, dass dadurch diese Partei gestärkt wird und an der Macht bleibt und sich somit nichts ändert.
Das müssen wohl noch viele Wähler lernen. 🤔

hundeseele
hundeseele
Superredner
1 Monat 2 Tage

@Exit genau!…..das sage ich auch.In der Gemeinde wähle ich den Menschen,weil ich weiß was er denkt und meint….und auch macht.Ansonsten würde ganz anders gewählt werden,denk ich….

M_Kofler
M_Kofler
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage
Schlemihl Tja, das ist halt das Problem, wenn man glaubt der eigene Bekanntenkreis wäre ein Spiegelbild der südt. Gesellschaft. Immer so tun, als wäre der Großteil der Südtiroler gegen die SVP und dann den Finger ganz einfach auf die Wähler zeigen und sagen “ihr seit immer gleich dumm” …. schon mal daran gedacht, dass deine Wahrnehmung doch eine falsche ist? Vielleicht ist ja die Mehrheit der Südtiroler zufrieden mit der SVP? Ich bins jedenfalls nicht, deshalb wähle ich sie nicht, aber einfach sagen “wähler ist immer gleich dumm”, ist in dem Zusammenhang die beste Ausrede. Vielleicht sind die Alternativen einfach… Weiterlesen »
marher
marher
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Das Volk hat entschieden, das ist eben Demokratie und da kann man nichts rūtteln.

Lana2791
Lana2791
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Isch a bold Gewählt wenn in viele Gemeinden lei uan Bürgermeisterkandidat wor und der sell a nou ve der SVP nor isch leicht sich behaupten

Susi
Susi
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Ich habe alle 4 Vertreter für meine Heimatffraktion gewählt und keine Partei. Egal bei welcher sie gewesen wären, hätte ich sie gewählt um in der Gemeinde stärker vertreten zu sein. Leider gehören sie der Svp an und nicht einer anderen Partei.. sonst hätte Svp keine Stimme von mir bekommen.

Realistin
Realistin
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

Ich muss zugeben bei den Wahlen schau ich nicht auf das Listenzeichen.Für mich ist ein Mensch,der angagiert,human,kompetent und professionell arbeitet das A und O, egal für welcher Partei er kandidiert.

Puschto
Puschto
Neuling
1 Monat 2 Tage

Jo jo es isch viel gschriebm wöschtn SVP hin ödo he….mog olls recht und güit sein dass man in menschn sicht und net die Partei…obo des isch itz mei meinung….wie possiuscht isch mit de 600 euro va londespolitika se konns net sein…dass die leit nö in de partein is votraun schenkn…wenn i de beträge in monat af mein Konto hat na spendati als politika amo an toal egal welche partei se isch für mi volksnähe und in lond Südtirol helfn….i bin awin entäuscht fa insra leit…des isch meine Meinung

Opa1950
Opa1950
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

Etwas zurückerobern, daß wird der SVP wohl nicht mehr gelingen. Es werden zu viele Fehler gemacht. Das Vertrauen ist nicht mehr da. Aber da sind die Damen und Herren im hohen Haus selber Schuld.

knoflheiner
knoflheiner
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

i honn in bürgermoaster gwehlt und nicht die partei !

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