Wegen Abspielens der italienischen Hymne kein Landesüblicher Empfang

Südtiroler Schützen boykottieren Treffen Van der Bellen – Mattarella

Dienstag, 30. Mai 2017 | 13:00 Uhr

Das Treffen zwischen Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella am 11. Juni in Bozen wird ohne die Südtiroler Schützen vonstattengehen. Weil Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) auf dem Abspielen der italienischen Hymne beim Landesüblichen Empfang beharre, werde man nicht teilnehmen, erklärte der Schützenbund gegenüber der “Tiroler Tageszeitung”.

Der Kommandant des Südtiroler Schützenbundes, Elmar Thaler, kritisierte zudem, dass ein angeblich seitens des Landes in Aussicht gestellter Kompromiss zunichtegemacht worden sei: Dieser hätte gelautet, dass zusätzlich zur Tiroler Landeshymne die Europahymne intoniert werden soll. “Wer sich wünscht, dass Nationalhymnen anstatt der Europahymne gespielt werden, hat in diesem Fall wohl eher eine rückwärtsgewandte Einstellung an den Tag gelegt”, griff Thaler Kompatscher in einer Aussendung an.

Der Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes betonte zudem, dass der eigentlichen Entscheidung, einen Landesüblichen Empfang für die beiden Staatsgäste abzuhalten, eine eingehende Diskussion in Bundesausschuss und Bundesleitung vorausgegangen war. Mehrheitlich sei man schließlich der Meinung gewesen, den Empfang durchzuführen. “Schon allein der Umstand, dass auch der Bundespräsident des Vaterlandes anwesend sein wird, war für die ursprünglich getroffene Entscheidung mit ausschlaggebend. Wenn wir nun aber, anders als in den Verhandlungen in Aussicht gestellt, zu einer Hymne strammstehen müssen, welche das österreichische Vaterland beleidigt, dann ziehen wir uns dankend zurück”, so Thaler.

Weil die Südtiroler Schützen fernbleiben, werden laut “TT” ihre Schützen-Kollegen aus dem Bundesland Tirol ebenfalls nicht an der Jubiläumsfeier teilnehmen. Am 11. Juni wird in Bozen das 25-jährige Jubiläum der österreichisch-italienischen Streitbeilegung gefeiert.

Pöder: „Kompatscher knickt ein“

„Landeshauptmann Arno Kompatscher nutzt den Besuch des italienischen Staatspräsidenten Mattarella offenbar dazu, um den Landesüblichen Empfang der Schützen loszuwerden. Es hätte ihm klar sein müssen, dass die italienische Hymne beim Schützenbund nicht unbedingt auf große Gegenliebe stößt. Das Festhalten Kompatschers am Abspielen der italienischen Nationalhymne beim Landesüblichen Empfang war offenbar eine Gelegenheit, um den bei Italienern und linken Kräften unbeliebten Auftritt der Schützen definitiv loszuwerden“, vermutet der Landtagsabgeordnete der BürgerUnion, Andreas Pöder.

Mit etwas gutem Willen hätte der Landeshauptmann den landesüblichen Empfang retten können, ist Pöder überzeugt. „Es dürfte wohl schon reichen, dass die Schützen vor dem italienischen Staatspräsidenten aufmarschieren. Eine Demütigung durch Strammstehen vor der italienischen Nationalhymne wäre wohl fehl am Platz. Kompatscher hätte zum Beispiel vor dem landesüblichen Empfang einen kurzen offiziellen Empfang der beiden Staatspräsidenten mit den beiden Nationalhymnen einplanen können. Danach hätten dann die Schützen zum landesüblichen Empfang aufmarschieren können, mit Europahymne und Landeshymne“, so die BürgerUnion.

Von: apa

Bezirk: Bozen