Bei Parlamentswahlen am kommenden Sonntag droht Rechtsruck in Rom

Südtiroler Volkspartei wirbt für starke Vertretung in Rom

Donnerstag, 22. September 2022 | 16:50 Uhr

Die Südtiroler Volkspartei (SVP) will in letzter Minute vor allem jene Leute, die nicht zur italienischen Parlamentswahl gehen wollen, noch umstimmen. Aus diesem Grund wurde am Donnerstag eine Pressekonferenz abgehalten, zu der nicht nur die Kandidaten, sondern auch frühere Parlamentarier, ehemalige Parteiobleute und Altlandeshauptmann Luis Durnwalder erschienen sind. Damit wollte Parteiobmann Philipp Achammer den Zusammenhalt in der Partei unter Beweis stellen, wie er sagte.

Bei den Parlamentswahlen am kommenden Sonntag in Italien droht ein Rechtsruck. Giorgia Meloni von “Fratelli d ́Italia” scheint Umfragen zufolge der Wahlsieg kaum noch zu nehmen sein. Mit Meloni jedoch drohen laut SVP verstärkt nationalistische, zentralistische und europakritische Tendenzen, was der Überzeugung der SVP genau zuwiderlaufe.

Aufgrund der häufigen Streitigkeiten in den letzten Monaten innerhalb der SVP zeichnet sich jedoch in der Bevölkerung eine Politik- und Parteienverdrossenheit ab. Es wird eine niedrige Wahlbeteiligung befürchtet. Dies allerdings könnte vor allem zu Lasten der SVP gehen.

Bis auf den Senatswahlkreis Bozen-Unterland dürfte es der SVP aber trotzdem möglich sein, aufgrund des Mehrheitswahlrechts, ihre Kandidaten durchzubringen. Wie Altlandeshauptmann Durnwalder betonte, sei der Polster jedoch gar nicht so groß und zudem sei gerade in dieser Situation wichtig, dass die Kandidaten “mit einem guten Vorsprung gewählt werden”.

Achammer unterstrich, dass die SVP trotz Streitigkeiten, “immer zusammengehalten hat, wenn es um das Wesentliche geht”. Er betonte auch, dass man die Autonomie gegen alle zentralistischen und nationalistischen Bestrebungen verteidigen werde. Es dürfe keine Aushöhlung “durch die Hintertür geben”, wenn Meloni vom nationalen Interesse spreche.

Der Parteiobmann trat auch der Behauptung entgegen, die Giorgia Meloni dieser Tage in einem Brief an die Tageszeitung “Dolomiten” aufgestellt hat, die Autonomie müsse für alle und nicht nur für die deutsche und die ladinische Minderheit da sein. Die SVP habe seit jeher alle drei Sprachgruppen in Südtirol eingebunden und die Kompetenzen so verwaltet, dass sie allen zugutekämen.

Durnwalder betonte, dass man die Autonomie “nicht Italien zu verdanken” habe, sie sei international ausverhandelt worden. Die Verteidigung sei deshalb möglich. Allerdings, so unterstrich Achammer, sei “Stillstand ein Rückschritt”, weil die Autonomie den sich wechselnden Gegebenheiten angepasst werden müsse.

Der Parteiobmann und die Kandidaten unterstrichen, dass die SVP immer zu Europa gestanden habe. Auch von dieser Linie weiche man nicht ab. Allerdings sollte auch Italien bedenken, dass es der Gemeinschaft sehr viel zu verdanken habe. Ein europakritischer Kurs oder eine Annäherung zu Polen und Ungarn sei nicht wünschenswert.

Achammer mahnte auch davor, einen Rechtsruck in Rom auf die leichte Schulter zu nehmen. “Wir wollen das Land nicht waghalsigen Experimenten überlassen”, betonte er wörtlich.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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4 Kommentare auf "Südtiroler Volkspartei wirbt für starke Vertretung in Rom"


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Opa1950
Opa1950
Superredner
9 Tage 8 h

Von welchem Zusammenhalt spricht denn Achammer andauernd.

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
9 Tage 6 h
@Opa1950… jeder, der nicht wählen geht, bevorteilt die extremen Parteien; alle die Kandidaten wählen, die kaum Chancen haben (von Team K über Freiheitliche) nehmen den aussichtsreichsten Kandidaten Stimmen und damit schwächen sie die Position Südtirols (zumindest der dt. und lad) gegenüber Rom. Das sollte doch jedem einleuchten, oder? Man stelle sich vor, wir hätten einen TeamK-Abgeordneten, einen Grünen, 2 Svp und 1 Freiheitlichen und 2 von FdI. Wir hätten kaum eine abgestimmte Haltung und umgekehrt, mit wem würde eine Regierung ins Gespräch kommen? Eine Meloni natürlich mit ihren gewählten Leuten aus Südtirol! Wollen wir das? Es geht hier darum VEREINT… Weiterlesen »
Doolin
Doolin
Kinig
9 Tage 5 h

…zum Zusammenhalten braucht man keine SVP…

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
9 Tage 4 h

@Doolin…. alte Weisheit …. dividi et impera ……zerstreuen wir unsere Stimmen, verlieren wir alle. Die SVP, auch wenn es einem nicht passt, hat noch die größte Wahrscheinlichkeit, Kandidaten ins Parlament zu bringen. Einleuchtend oder? Im Umkehrschluss hätten wir eine überaus schwache unkoordinierte Vertretung. Das schwächt und schadet vor allem uns selber. Eine Meloni würde dann mit dem Urzi und der Biancofiore als Vertreter Südtirols reden und sicherlich weniger mit jemandem vom Team K oder den Grünen ohne auch jede Erfahrung oder bewährter Kontakte auf nationaler Ebene. Ist das wirklich in unserm Interesse?

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