Suu Kyi war im Februar 2021 nach einem Putsch abgesetzt worden

Suu Kyi wegen weiterer Vorwürfe in Myanmar verurteilt

Montag, 10. Januar 2022 | 15:22 Uhr

Ein Gericht hat Myanmars entmachtete De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Die 76-Jährige wurde in zwei Fällen des illegalen Imports und Besitzes von Walkie-Talkies und in einem Fall des Verstoßes gegen Corona-Vorschriften für schuldig befunden, wie mit dem Verfahren vertraute Quellen am Montag berichteten.

Da der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, ist Suu Kyis Reaktion auf die Urteile nicht bekannt. Es ist auch unklar, ob sie tatsächlich eine Haftstrafe antreten muss oder unter Hausarrest bleiben wird. Die Friedensnobelpreisträgerin war im Februar 2021 nach einem Putsch abgesetzt worden, die nun regierende Militärjunta überzog sie mit einer Reihe von Anschuldigungen. Neben den am Montag verhandelten Fällen ist sie auch wegen Korruption – die jeweils mit 15 Jahren Gefängnis bestraft werden kann – und wegen Verletzung des Gesetzes über Amtsgeheimnisse angeklagt. Die Justiz wirft ihr zudem Wahlbetrug vor.

Die 76-Jährige war bereits Anfang Dezember in zwei anderen Anklagepunkten schuldig gesprochen und zunächst zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Wenige Stunden später gab die Militärjunta aber bekannt, das Strafmaß auf zwei Jahre zu verkürzen. Die Justiz wirft Suu Kyi weitere Vergehen vor, darunter Korruption. Insgesamt drohen ihr laut Experten bis zu 100 Jahre Haft.

“Die Militärjunta von Myanmar setzt sich rücksichtslos über die Menschenrechte aller hinweg”, teilte Phil Robertson von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch am Montag mit. Wieder einmal sei Suu Kyi “in die Rolle einer politischen Geisel des Militärs zurückrückversetzt worden, das sich unerbittlich durch Einschüchterung und Gewalt an der Macht halten will”. Suu Kyi war bereits in der Vergangenheit insgesamt 15 Jahre unter Hausarrest gestanden. 2016 wurde sie faktische Regierungschefin.

Informationen über den Gesundheitszustand der 76-Jährigen sowie den Fortgang der Prozesse fließen nur spärlich. Journalisten wurde die Teilnahme an den Gerichtsanhörungen untersagt, und Suu Kyis Anwälte wurden daran gehindert, mit den Medien zu sprechen. Suu Kyi wird an einem geheimen Ort festgehalten und ist nahezu komplett von der Außenwelt abgeschnitten.

Seit dem Umsturz im Februar 2021 versinkt das südostasiatische Land im Chaos. Die Junta unterdrückt jeden Widerstand mit brutaler Gewalt. Nach Angaben der Gefangenenhilfsorganisation AAPP sind bereits mehr als 1.400 Menschen getötet und rund 11.000 festgenommen worden.

Von: APA/AFP/dpa

Kommentare

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3 Kommentare auf "Suu Kyi wegen weiterer Vorwürfe in Myanmar verurteilt"


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Peerion
Peerion
Tratscher
17 Tage 22 h

In Myanmar ging und geht es nicht um Demokratie und erst recht nicht um unterdrückte Minderheiten. Das ist lediglich eine naive Ansicht des “Westens”. Es geht ausschliesslich um die Ausbeutung von Bodenschätzen, wie Rubinen und Jade, Edelhölzer und auch Drogen. Da ist zuviel Demokratie eben hinderlich. Und solange der Rest der Welt diese Waren mit Begeisterung dort einkauft, wird sich in Myanmar auch nichts ändern.

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
17 Tage 20 h

@Peerion:
Das Miltärregime in Myanmar wird aber von Russland unterstützt, nicht vom Westen.

Dolomiticus
Dolomiticus
Superredner
17 Tage 10 h

jede Diktatur findet unzählige Vorwände, um politische Gegner zu verurteilen und einzusperren. Das ist in Russland so, und auch in Myanmar.

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