Syrische Armee erzielte Fortschritte

Syrische Armee drängt Rebellen in Ost-Ghouta weiter zurück

Samstag, 10. März 2018 | 23:06 Uhr

Die syrische Armee hat bei ihrer Offensive auf die Rebellen-Hochburg Ost-Ghouta Beobachtern zufolge maßgebliche Fortschritte erzielt. Durch den Vorstoß der Truppen des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad sei die Enklave der Aufständischen nun auseinandergefallen, teilte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit.

Auch der staatliche Fernsehsender berichtete von der Einnahme der Stadt Mesraba, die an der letzten Verbindung zwischen der nördlichen und südlichen Hälfte des von Rebellen kontrollierten Gebiets vor den Toren der Hauptstadt Damaskus liegt. Die beiden Städte Harasta und Douma seien voneinander abgeschnitten. Vertreter der Rebellen teilten dagegen mit, der Angriff auf Mesraba sei abgewehrt worden.

Im Fernsehen waren Bilder mit schwarzen Rauchwolken hinter Häusern zu sehen, die aus Mesraba stammen sollen. Zugleich waren im Hintergrund Detonationen zu hören. Durch den Vorstoß auf eines der letzten von Rebellen kontrollierten Gebiete seien wichtige Verbindungsstraßen der beiden Enklavenhälften unter Beschuss von Regierungstruppen gekommen. Die Rückeroberung von Ost-Ghouta wäre für Assad der größte Erfolg gegen die Aufständischen seit der Einnahme von Aleppo im Dezember 2016. In der seit Mitte Februar laufenden Offensive sind Beobachtern zufolge bisher rund 1.000 Menschen getötet worden. Assads Truppen und ihre Verbündeten konnten demnach etwa die Hälfte des bisher von Rebellen kontrollierten Gebiets einnehmen.

Assad und sein Hauptverbündeter Russland wollen nach eigenen Angaben mit dem Vorstoß den Beschuss der Hauptstadt Damaskus durch Aufständische unterbinden. Wie bei früheren Angriffen setzen die Regierungstruppen dabei vor allem auf massive Luftschläge sowie eine enge Belagerung der Rebellengebiete. Aufständische gaben an, bei Gegenangriffen in den vergangenen Tagen mehrere Stellungen zurückerobert zu haben.

Am späten Freitagabend verließ eine kleine Gruppe aufständischer Kämpfer mit ihren Familien die eingeschlossene Region und machte sich auf den Weg in eine von der Opposition gehaltene Gegend im Nordwesten des Landes. Die beiden größten Rebellengruppen gaben aber an, Ost-Ghouta nicht zu verlassen und für sich sowie ihre Familien keinen entsprechenden Deal aushandeln zu wollen.

In der seit Jahren belagerten Rebellen-Enklave sind UN-Schätzungen zufolge rund 400.000 Menschen eingeschlossen. Es fehlt an Nahrung, Medikamenten und Trinkwasser. Die Kampfhandlungen behindern dringend benötigte Hilfslieferungen in das Gebiet. Hilfsorganisationen hatten zuletzt am Freitag einen Versuch der Versorgung der hungernden Bevölkerung in der Region gestartet und 13 Lastwagen mit Nahrungsmittelpaketen losgeschickt.

Seit dem Beginn der Offensive syrischer Regierungstruppen auf die Rebellenenklave Ost-Ghouta vor rund drei Wochen sind dort nach Angaben von Aktivisten mehr als tausend Zivilisten getötet worden. Mindestens 1.002 Zivilisten seien ums Leben gekommen, teilte die der Opposition nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit.

Demnach wurden 17 Tote aus Trümmern von Gebäuden in der Stadt Douma geborgen, insgesamt acht Menschen starben in Harazta und Arbin. Mindestens 215 Kinder seien unter den Getöteten in Ost-Ghouta, teilten die Aktivisten weiter mit. Die Beobachtungsstelle mit Sitz in London bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort; für Medien sind sie kaum zu überprüfen.

Die Hilfsorganisation Weißhelme teilte unterdessen mit, dass erstmals ein weibliches Mitglied der freiwilligen Helfer in Syrien getötet wurde. Sobhiya al-Assad sei zusammen mit mehreren ihrer Familienangehörigen bei einem Luftangriff in der Provinz Idlib ums Leben gekommen, bei dem auch das Haus der Familie getroffen worden sei.

Die Weißhelme bemühen sich um die Rettung von Zivilisten, die im syrischen Bürgerkrieg verletzt werden. Sie sind auch in Ost-Ghouta östlich von Damaskus im Einsatz. 2016 galten die Weißhelme als Anwärter für den Friedensnobelpreis.

Von: APA/ag.