Syrische Armee startet neue Angriffe

Syrische Armee greift weitere Rebellen-Enklave an

Freitag, 20. April 2018 | 13:04 Uhr

Nach den westlichen Luftangriffen auf Syrien setzt die Armee von Machthaber Bashar al-Assad ihre Offensive gegen die Rebellen unvermindert fort. In der Nacht auf Freitag starteten die Streitkräfte neue Angriffe.

Zuvor war ein Ultimatum an die Islamisten in der letzten Rebellen-Enklave bei Damaskus verstrichen. Wie die in Großbritannien ansässige oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, wurden Stellungen der Aufständischen in Yarmouk und Al-Hajar al-Aswad aus der Luft und mit Geschützen beschossen.

Das Gebiet wird vor allem von Kämpfern der Extremistengruppen “Islamischer Staat” (IS) und Al-Nusra kontrolliert. Das rund acht Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt entfernte Yarmouk war vor Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 das größte Palästinenserlager in Syrien. Die meisten Einwohner sind geflohen.

Syrien hat nach dem Fall von Ost-Ghouta die restlichen Widerstandsnester der Rebellen ins Visier genommen. Am Donnerstag begann der Abzug von Aufständischen aus Dumayr nordöstlich von Damaskus. Die Rebellen im nahe Dumayr (Dumeir, Doumayr) gelegenen Ost-Qalamoun erklärten sich ebenfalls zum Abzug bereit.

Die USA, Großbritannien und Frankreich hatten als Vergeltung für einen mutmaßlichen syrischen Chemiewaffen-Angriff auf ein Rebellengebiet vor einer Woche Ziele in dem Bürgerkriegsland bombardiert. Die Offensive der Armee wurde dadurch aber nicht gestoppt. Russland sieht nach dem Angriff des Westens zudem keinen Grund mehr, auf die Lieferung von neuen Abwehrraketen an Präsident Bashar al-Assad zu verzichten. Jede moralische Verpflichtung für einen Verzicht sei nun hinfällig, meldete die Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf Außenminister Sergej Lawrow. Russland erwägt seit längerem die Lieferung von modernen S-300-Luftabwehrraketen an seinen Verbündeten.

Die Hintergründe des mutmaßlichen Chemiewaffen-Einsatzes im Douma sind nach wie vor im Dunkeln. Die Inspektoren der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) sind immer noch nicht am Tatort. Die USA werfen Syrien und Russland vor, die Untersuchung zu behindern. Beide Länder versuchten, das vermutete Angriffsziel “zu reinigen” und so belastende Beweise für den Einsatz von Chemiewaffen verschwinden zu lassen, erklärte das Außenministerium in Washington. Außerdem bemühten sich Vertreter Russlands zusammen mit der Regierung in Damaskus, der OPCW den Zutritt zum Tatort zu verweigern und die Ankunft der Kontrolleure dort zu verzögern.

Russland beschuldigt seinerseits die Rebellen, die Chemiewaffen-Inspektoren daran zu hindern, die Stadt Douma zu erreichen. Am Mittwoch hatten die OPCW-Inspektoren nach Schüssen auf UNO-Mitarbeiter ihren Einsatz in Syrien verschoben.

Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) traf am Freitag bei einem Besuch in Moskau mit dem UNO-Syrien-Vermittler Staffan de Mistura zusammen, um über einen möglichen österreichischen Beitrag zu den Vermittlungsbemühungen zu sprechen. “Wir hatten ein sehr nützliches Treffen”, sagte der UNO-Diplomat der APA nach dem Gespräch in einem Moskauer Hotel. Einen Kommentar, ob wieder Syrien-Gespräche in Wien stattfinden könnten, wollte er nicht abgeben.

Kneissl war am gestrigen Donnerstag zu einem schon länger geplanten bilateralen Besuch in Moskau angekommen. Sie will ihren Aufenthalt in der russischen Hauptstadt insbesondere zu Gesprächen über den Syrien-Konflikt nutzen, in dem Österreich “gute Dienste” als Vermittler anbieten will. Durch die jüngste Zuspitzung des Syrien-Konflikts habe die Visite “eine andere Dynamik bekommen”, sagte sie im Vorfeld ihres Treffens mit De Mistura. Am späteren Vormittag wollte sie auch den russischen Außenminister Sergej Lawrow treffen.

“Wir wollen uns in keiner Weise in die existierenden (Syrien-Verhandlungs-Formate einmischen”, versicherte Kneissl. De Misturas Team habe nämlich in den vergangenen Jahren durch Pendeldiplomatie “viel Erfahrung” gewonnen. Allerdings wolle Österreich ergänzend “gute Dienste” anbieten. “Es gibt manchmal Situationen, wo man manchmal vielleicht auf einen Überbringer zurückgreifen möchte”, sagte Kneissl. “Es ist einfach erforderlich, dass eine neue Dynamik reinkommt”, sagte sie mit Blick auf den Syrien-Konflikt.

Von: APA/ag.