Offensive der Türkei in Afrin

Syrische Armee setzt Beschuss von Ost-Ghouta fort

Mittwoch, 07. Februar 2018 | 17:25 Uhr

Trotz internationaler Kritik haben die syrischen Regierungstruppen ihren Beschuss der Rebellenhochburg Ost-Ghouta unvermindert fortgesetzt. Allein am Mittwoch wurden in den östlichen Vororten von Damaskus 27 Zivilisten getötet, darunter zwölf Kinder, wie die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Demnach wurden binnen drei Tagen mehr als 130 Zivilisten in der Region getötet. Am Dienstag waren in Ost-Ghouta laut Beobachtungsstelle 80 Zivilisten bei Luftangriffen der Regierungstruppen getötet worden, darunter 19 Kinder und 20 Frauen. Zudem seien knapp 200 Menschen verletzt worden. Demnach war es der blutigste Tag für die Zivilbevölkerung in Syrien seit neun Monaten.

Die Armee hatte zuletzt den Druck auf Ost-Ghouta verstärkt, wo rund 400.000 Menschen seit Jahren unter Belagerung leben. Eigentlich gilt dort eine regionale Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen, doch besteht die von Russland, dem Iran und der Türkei vermittelte sogenannte Deeskalationszone nur noch auf dem Papier. Russland verstärkt nach dem Abschuss eines seiner Kampfflugzeuges sowohl Luftangriffe als auch Sicherheitsmaßnahmen an seinen Militäreinrichtungen in Syrien. Im Norden des Landes haben türkische Soldaten nach Angaben der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG eine Volksschule und ein Wasserwerk beschossen. Die türkische Armee geht in der syrischen Region Afrin gegen die mit den USA verbündeten Kurdenmiliz vor und will ein zusammenhängendes Gebiet unter kurdischer Kontrolle an ihrer Grenze verhindern.

Die Angaben über Opfer und Verluste liegen mehr als zwei Wochen nach Beginn der Offensive weit auseinander. Das türkische Militär erklärte am Mittwoch, seit dem 20. Jänner seien 999 gegnerische Kämpfer außer Gefecht gesetzt worden. Das heißt in der Regel getötet, kann aber auch gefangen genommen oder verletzt bedeuten. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bisher 123 YPG-Kämpfer oder mit ihr verbündete Milizen getötet. Außerdem seien unter anderem durch türkische Luftschläge insgesamt 68 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter 21 Kinder. Die türkische Führung dagegen behauptet dagegen, dass durch die Offensive keine Zivilisten zu Schaden kämen. Nach Armeeangaben kamen insgesamt 16 türkische Soldaten bei der Offensive ums Leben. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte spricht zudem von 127 getöteten pro-türkischen Rebellen.

Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian fordert den Rückzug aller vom Iran unterstützten Milizen aus Syrien einschließlich der libanesischen Hisbollah. Er beschuldigte im Nachrichtensender BFMTV zudem die Türkei und den Iran, mit ihrem Eingreifen Völkerrecht zu verletzten. Das treffe auch auf das Regime in Damaskus zu, sowie “jene, die Ost-Ghouta und Idlib angreifen”. Ohne die Türkei direkt zur Beendigung ihrer Offensive gegen Kurdenmiliz YPG in der nordsyrischen Region Afrin aufzufordern, warnte Le Drian Ankara, den Konflikt in Syrien nicht zu verschlimmern.

Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen kündigte am Mittwoch an, Ermittlungen zum Einsatz von Chemiewaffen aufzunehmen. Die UNO hatte bereits am Dienstag einen entsprechenden Beschluss gefasst. Zuletzt mehrten sich die Hinweise, dass die Armee in Ost-Ghouta und Idlib Chlorgas eingesetzt hat. Nach Recherchen der investigativen Internetplattform Bellingcat und der Organisation Syrians for Truth and Justice (STJ) wurden in den vergangenen Wochen mindestens zweimal Raketen mit Chlorgas auf ein Rebellengebiet östlich der Hauptstadt Damaskus abgeschossen.

Von: APA/dpa