Mindestens 25 Opfer der nächtlichen Luftschläge

Syrische Luftwaffe bombardierte Rebellen in Nordprovinz Hama

Donnerstag, 01. September 2016 | 17:54 Uhr

Die syrischen Armee stemmt sich mit schweren Luftangriffen gegen die größte Rebellen-Offensive in der strategisch wichtigen West-Provinz Hama seit Jahren. Die “Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte” mit Sitz in Großbritannien zählte am Donnerstag mindestens 25 Opfer der nächtlichen Luftschläge, darunter sechs Kinder.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete von “konzentrierten Angriffen” und Dutzenden getöteten Aufständischen. Durch die Provinz führt eine der wichtigsten Verkehrsrouten, die von der Hauptstadt Damaskus im Südwesten über Homs nach Aleppo im Norden führt. Die Vereinten Nationen geben die Hoffnung nicht auf, dass es dort schon bald zu einer Feuerpause kommt, um die Bürger zu versorgen – die Gespräche zwischen den USA und Russland zögen sich aber hin.

In der Provinz Hama hatten Aufständische eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Tagen die Stadt Halfaya unter ihre Kontrolle gebracht. Mit den jüngsten Geländegewinnen festigen die Rebellen ihre Position in der Gegend, wo sie bereits Ende vergangenen Jahres die strategisch wichtige Stadt Morek unter ihre Kontrolle gebracht hatten. In der koordinierten Offensive kämpfen verschiedene Rebellengruppen unter dem Banner der “Freien Syrischen Armee”, darunter auch islamistische Kämpfer. Die Offensive ist die größte koordinierte Aktion seit 2014.

Ein Vertreter der Freien Syrischen Armee (FSA) sagte, an den Bombardements seien auch russische Kampfflugzeuge beteiligt gewesen. Russlands Luftwaffe unterstützt seit fast einem Jahr die Armee von Machthaber Bashar Al-Assad gegen die Rebellen, die der Präsident einhellig als “Terroristen” bezeichnet. Nach Angaben der Aufständischen wurden bei den Kämpfen in der Gegend um den Ort Hama zwei ihrer Kommandeure und drei Kämpfer getötet. In der Provinz Hama leben Christen und Aleviten, von denen viele Anhänger Assads sind. Außerdem ist es von Hama nicht mehr weit in die alevitischen Bergregionen, aus denen auch Assad stammt.

Der UNO-Sonderbeauftragte für Syrien, Staffan de Mistura, sagte in Genf, die russisch-amerikanischen Verhandlungen über eine Waffenpause würden wohl bis ins Wochenende hinein andauern: “Wir hoffen, dass die Gespräche, die schon viel zu lange dauern, ein Ergebnis haben werden – die Zeit wird knapp.” Sein Berater Jan Egeland sagte, es gebe immer noch Hoffnung, dass man sich auf eine 48-stündige Feuerpause in Aleppo einige, um humanitäre Hilfslieferungen für die eingeschlossenen Bürger zu ermöglichen.

Von der Türkei unterstützte Rebellen bereiten im Norden Syriens indes offenbar eine neue Offensive gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vor. Die Rebellen erklärten am Donnerstag 14 von den Extremisten gehaltene Dörfer an der Grenze zur Türkei zum “Militärgebiet”, wie die Milizen über Twitter mitteilten. Zugleich riefen sie die Einwohner auf, die Orte zu verlassen. Die Freie Syrische Armee (FSA) werde auf die Dörfer vorrücken, hieß es.

Die türkische Armee und die syrischen Rebellen hatten vor rund einer Woche eine Offensive begonnen und zunächst die Grenzstadt Jarablus vom IS eingenommen. Danach nahmen sie mehrere Orte ein, die unter Kontrolle der von Kurden angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) standen.

Die Türkei fordert von der Kurden, dass sie sich östlich des Flusses Euphrat zurückziehen. Sie will verhindern, dass die Kurdenmiliz YPG ihre Macht in Nordsyrien noch weiter ausbaut.

Von: APA/ag.

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