Der Pilot dürfte getötet worden sein

Syrische Rebellen schossen erstmals russischen Kampfjet ab

Samstag, 03. Februar 2018 | 22:52 Uhr

Erstmals haben islamistische Rebellen im Syrien-Krieg einen russischen Kampfjet abgeschossen. Die Maschine vom Typ Suchoi Su-25 sei in der Nähe der Stadt Maarat al-Numan in der Provinz Idlib abgeschossen worden, sagte ein lokaler Rebellenkommandant der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte einige Stunden später den Verlust des Flugzeugs.

Der Pilot habe sich mit dem Schleudersitz zu retten versucht und sei im Gebiet eines Jihadistenbündnisses gelandet. “Im Kampf gegen Terroristen ist der Pilot getötet worden”, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums. Russland bezeichnet ebenso wie die syrische Führung alle Gegner als Terroristen. Im Internet kursierten Videos des Abschusses und ein angebliches Foto des Toten. Von den Rebellen hatte es zunächst geheißen, der Pilot sei gefangen genommen worden.

Das Jihadistenbündnis Hayat Tahrir al-Sham hat den Abschuss des russischen Kampfflugzeugs für sich reklamiert. Ein für die Luftabwehr verantwortlicher Kommandant gab laut Nachrichtenagentur Reuters in einer in den sozialen Medien verbreiteten Stellungnahme bekannt, dass ein Kämpfer der Gruppe den Jet während eines Angriffs auf die Stadt Sarakeb in der Provinz Idlib abgeschossen habe.

Die Maschine vom Typ Suchoi Su-25 sei von einer tragbaren Rakete getroffen worden, erklärte der Chef der “Luftverteidigungsbrigade”, Mahmud Al-Turkmani, über das Internet-Sprachrohr Ibaa. Zum Schicksal des Piloten, der mit einem Fallschirm über Rebellengebiet abgesprungen war, äußerte er sich nicht. Das russische Verteidigungsministerium hatte am Samstag erklärt, dass dieser nach der Landung “im Kampf mit Terroristen ums Leben gekommen” sei.

Zu der Gruppe Hayat Tahrir al-Sham gehört auch die Nusra-Front, ein Ableger der Al-Kaida im Nahen Osten. Einer ihrer Kommandeure erklärte, die Eindringlinge sollten wissen, “dass unser Himmel kein Picknick ist und dass sie nicht durchkommen werden, ohne einen Preis zu zahlen”.

Bei einem russischen Vergeltungsschlag wurden indessen nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium in Moskau in dem Gebiet mehr als 30 Rebellen durch eine nicht näher beschriebene russische Präzisionswaffe getötet.

Russland kämpft seit Herbst 2015 an der Seite der Führung von Präsident Bashar Al-Assad und hat ihn an der Macht gehalten. Vor dem Abschuss hatte das russische Militär in Syrien zwar mehrere Helikopter, aber nur drei Flugzeuge verloren. Zweimal war es ein Unfall, einen Jet vom Typ Suchoi-24 schoss die türkische Luftwaffe 2015 bei einer angeblichen Grenzverletzung ab.

Unterdessen wurden bei einem Luftangriff auf einen Flüchtlingskonvoi in Syrien Rettungskräften zufolge mindestens sieben Zivilisten getötet. Zwölf weitere seien verletzt worden, sagte einer der Helfer am Samstag. Bei den Opfern habe es sich vor allem um alte Menschen und Kinder gehandelt.

Die Flüchtlingskolonne sei am Freitag in einer Gegend beschossen worden, in der syrische Soldaten und vom Iran unterstützte Milizen auf eine von Rebellen gehaltene Stadt in der nordwestlich gelegenen Provinz Idlib vorrücken. Die Streitkräfte seien mittlerweile etwa zwölf Kilometer von Sarakeb entfernt und rückten unterstützt durch russische Militärflugzeuge auf die Fernstraße zwischen Damaskus und Aleppo vor, hieß es in Kreisen der syrischen Rebellen.

Die Straße wird von Tausenden Menschen genutzt, die angesichts der syrischen Offensive aus Gegenden südlich von Aleppo fliehen. Das staatliche Fernsehen berichtete am Samstag unter Berufung auf Armeekreise, mehrere Dörfer seien von Kämpfern der extremistischen Al-Kaida zurückerobert worden. Die syrische Armee geht seit Monaten gegen Rebellen und Extremisten in der Provinz Idlib vor. Immer mehr Syrer fliehen vor den heftigen Kämpfen in die Grenzgebiete zur Türkei.

Von: APA/ag.