Kämpfe in Aleppo

Syrische Rebellen verkünden Durchbruch im belagerten Aleppo

Samstag, 06. August 2016 | 19:29 Uhr

Nach dreiwöchiger Einkesselung durch syrische Truppen haben die Rebellen in der Großstadt Aleppo nach Angaben von Regierungsgegnern den Belagerungsring durchbrochen. Die in Istanbul ansässige Nationale Koalition der Opposition schrieb am Samstag im Online-Dienst Twitter: “Rebellen durchbrechen Belagerung von Aleppo.” Regimemedien dementierten diese Berichte.

Die islamistische Miliz Ahrar al-Sham teilte über Twitter mit, die Rebellen hätten “den Weg nach Aleppo frei gemacht”. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte die Berichte der Rebellengruppen. Sie wies aber darauf hin, dass es den Gruppen noch nicht gelungen sei, eine sichere Passage zwischen den Ost-Vierteln Aleppos und den von Rebellen kontrollierten Gebieten zu schaffen.

Zuvor hatte die Beobachtungsstelle über bedeutende Geländegewinne der zur Islamistischen Armee der Eroberung (Jaish al-Fatah) zusammengeschlossenen Milizen in Aleppo berichtet. Die Fateh-al-Sham-Front, die bis vor kurzem Al-Nusra-Front hieß, habe zusammen mit Ahrar al-Sham mehrere Gebäude einer Militärakademie im Süden der Metropole in ihre Gewalt gebracht.

Laut Regierungsmedien durchbrachen die Rebellen mit Selbstmordattentätern die Umfassungsmauern der Militärakademie. Der Kommandant der Fateh-al-Sham-Front, Abu Mohammed al-Julani, hatte sich am Freitag in einer Audiobotschaft zuversichtlich gezeigt, mit der Offensive nicht nur die Belagerung um Aleppo durchbrechen zu können, sondern “ein neues Kapitel” in dem Krieg zu eröffnen.

Die islamistische Armee der Eroberung könne nun die Versorgungsroute der Regierungstruppen unter Beschuss nehmen und womöglich sogar den Belagerungsring um die Rebellenviertel durchbrechen, berichtete die den Regierungsgegnern nahe stehende Beobachtungsstelle. Die in Großbritannien ansässige Organisation beruft sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Ihre Angaben sind wegen der unübersichtlichen Lage dort nur schwer zu überprüfen.

Ahrar al-Sham erklärte, die Rebellen hätten das bisher von der Regierung kontrollierte Ramussa-Viertel im Süden eingenommen und damit den Anschluss zu den von den Aufständischen gehaltenen östlichen Stadtteilen hergestellt. Die Fateh-al-Sham-Front, die mit ihrer Namensänderung ihre Verbindung zu Al-Kaida aufkündigte, verlautbarte auf Twitter, die Rebellen arbeiteten gemeinsam darauf hin, “die Belagerung in den kommenden Stunden aufzuheben”.

Ein Reporter berichtete aus dem von Rebellen kontrollierten Teil der Stadt, aus Freude über ihren Vormarsch hätten die Aufständischen in die Luft geschossen und Schafen den Hals durchgeschnitten.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete am Samstag von schweren Luftangriffen gegen die “Terroristen”. Demnach seien auch nachrückende Truppen und Versorgungskonvois getroffen worden. Tausende “Söldner” hätten mit Hilfe von Autobomben die Soldaten angegriffen.

Die Regierungstruppen hatten vor drei Wochen den Ring um den Ostteil der Stadt geschlossen. Die einstige Wirtschaftsmetropole Syriens ist seit dem Sommer 2012 zwischen Regierung und Rebellen geteilt. In Aleppo sind bis zu 300.000 Menschen eingeschlossen. Internationale Hilfsorganisationen schlagen angesichts der katastrophalen Lage der Bewohner seit Tagen Alarm.

Bei der Schlacht um Syriens einstige Wirtschaftsmetropole Aleppo wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle in einer Woche mehr als 500 Kämpfer auf beiden Seiten sowie mindestens 130 Zivilisten getötet. Wegen der Luftangriffe der Regierungskräfte stammten demnach die meisten der seit dem vergangenen Sonntag Getöteten aus den Reihen der islamistischen Aufständischen.

Unterdessen gelang es einem Bündnis kurdisch-arabischer Kämpfer die seit langem umkämpfte Stadt Manbij von der IS-Miliz zu erobern. Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) würden ganz Manbij kontrollieren und die Innenstadt auf der Suche nach den letzten versteckten Dschihadisten durchkämmen, erklärte die Beobachtungsstelle. Das SDF-Bündnis hatte vor zwei Monaten die Offensive auf die Stadt begonnen.

Manbij ist ein Knotenpunkt auf der wichtigen Nachschubroute der IS-Jihadisten von der türkischen Grenze zu ihrer Hochburg Raqqa in Syrien. Mit der Luftunterstützung der US-geführten Militärallianz hatte die SDF-Miliz zunächst mehrere Dörfer um Manbij erobert, bevor sie am 23. Juni in die Stadt selbst eindrang. Seitdem rückte sie in der Stadt langsam vor, doch leisteten die Jihadisten bis zuletzt starken Widerstand.

Von: APA/dpa

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