Die Kämpfe um die Stadt scheinen beendet

Syrische Regierungstruppen erobern Deir ez-Zor von IS zurück

Freitag, 03. November 2017 | 14:10 Uhr

Mit der Einnahme von Deir ez-Zor durch die syrischen Regierungstruppen hat die Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) die letzte Großstadt unter ihrer Kontrolle verloren. Unterstützt von iranischen und russischen Streitkräften hätten die Truppen von Präsident Bashar al-Assad die “komplette Kontrolle” über die ostsyrische Stadt übernommen, berichteten Staatsmedien am Freitag.

Im UN-Sicherheitsrat droht inzwischen ein Streit um das Mandat der Chemiewaffeninspektoren in Syrien. Die IS-Miliz hatte die Stadt Deir ez-Zor und die umliegende Provinz 2014 fast vollständig in ihre Gewalt gebracht. Nur wenige Viertel und der Flughafen der Stadt am Euphrat blieben unter Kontrolle der Regierungstruppen. Im September vertrieben diese aber die sunnitische Extremistengruppe aus mehreren Vierteln und drängten sie auch im Umland der Stadt zurück.

Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete von schweren Schäden in der Stadt. Ganze Gebäude seien eingestürzt und viele Fassaden zerstört. Sprengstoffexperten waren damit beschäftigt, die zahlreichen Minen in der Stadt zu entschärfen. Mit dem Fall von Deir ez-Zor haben die Jihadisten sämtliche Großstädte verloren, die sie 2014 erobert hatten.

Im Juli war ihre irakische Hochburg Mosul nach monatelangen Kämpfen an die Regierungstruppen gefallen, und im Oktober verloren sie auch ihre informelle syrische Hauptstadt Raqqa an das kurdisch-arabische SDF-Bündnis. Inzwischen kontrollieren sie nur noch die Stadt Abu Kamal an der Grenze zum Irak und einige Ortschaften auf der anderen Seite der Grenze.

Die irakische Armee nahm inzwischen nach eigenen Angaben die Ortschaft Al-Kaim ein. Am Freitagmorgen seien die IS-Stellungen in der Stadt von Artillerie und Kampfflugzeugen bombardiert worden, bevor die Anti-Terror-Kräfte der Armee nach Al-Kaim eingedrungen seien, sagte General Noman al-Sobai.

Zahlreiche Jihadisten würden mit ihren Familien nach Abu Kamal fliehen, erklärten die Hashed-al-Shaabi-Milizen, die an der Offensive beteiligt sind. Laut der internationalen Anti-IS-Koalition befinden sich noch rund 1.500 IS-Kämpfer in der Wüstenregion um Abu Kamal, wo die letzte große Schlacht mit der Extremistengruppe erwartet wird. Die syrische Armee steht 40 Kilometer vor der Stadt.

Unterdessen kündigte sich ein Streit im UN-Sicherheitsrat zwischen Russland und den USA über die Chemiewaffeninspekteure in Syrien an. Moskau und Washington brachten jeweils einen Resolutionsentwurf zu der anstehenden Verlängerung des Mandats der Expertenmission der UNO und der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) ein.

Der russische Entwurf verlangt, dass der Bericht eines Ermittlerteams zum Chemiewaffenangriff auf die Ortschaft Khan Sheikhoun (Chan Scheichun) im April “eingefroren” wird, bis eine neue “umfassende und hochqualitative Ermittlung” vor Ort stattgefunden habe. Die UN-Experten hatten die syrischen Regierungstruppen für den tödlichen Angriff verantwortlich gemacht.

Bei dem Giftgasangriff auf die von Rebellen gehaltene Ortschaft Khan Sheikhoun waren am 4. April mehr als 80 Menschen getötet worden. Der Angriff hatte weltweit für Empörung gesorgt, und US-Präsident Donald Trump hatte in Reaktion darauf einen Vergeltungsangriff auf einen syrischen Militärflughafen angeordnet, von dem der Giftgasangriff geflogen worden sein soll.

Das Gutachten zu Khan Sheikhoun sei “sehr oberflächlich, unprofessionell und amateurhaft”, kritisierte das russische Außenministerium. In seinem Resolutionsentwurf forderte Russland, “so schnell wie möglich” ein Team nach Khan Sheikhoun zu schicken. Das Mandat der Chemiewaffeninspekteure in Syrien will Moskau zunächst nur um sechs Monate verlängern.

Es ist unwahrscheinlich, dass der Entwurf die Zustimmung der USA, Frankreichs und Großbritanniens erhält. Die USA brachten am Donnerstag einen eigenen Resolutionsentwurf im Sicherheitsrat ein, der eine Verlängerung des Mandats der Inspekteure des Gemeinsamen Untersuchungsmechanismus (JIM) um zwei Jahre vorsieht. Das Mandat läuft am 16. November aus.

Von: APA/ag.

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1 Kommentar auf "Syrische Regierungstruppen erobern Deir ez-Zor von IS zurück"


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zombie1969
zombie1969
Superredner
13 Tage 11 h

Die europäischen Länder sollten sich auf die Rückkehr ihrer StaatsbürgerInnen und islamischen KämpferInnen des Daesh (IS) vorbereiten. Für Westeuropa müssten dies etwa 5.000 aktive Daesh-Kämpfer und mehr als 10.000 ihrer islamistischen Familien-Angehörigen sein. 
Eine gewaltige soziale, ideologische und ökonomische Integrationsaufgabe mit den islamistischen RückkehrerInnen steht den europäischen Ländern, den Sozialämtern und vor allem deren BürgerInnen noch bevor.  

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