Taliban-Kämpfer vor der US-Botschaft in Kabul

Taliban untersagen vorerst weitere Proteste in Afghanistan

Mittwoch, 08. September 2021 | 22:24 Uhr

Die militant-islamistischen Taliban haben am Mittwoch alle weiteren Proteste in Afghanistan verboten. In der ersten offiziellen Erklärung des Innenministeriums nach der Regierungsbildung heißt es, niemand solle derzeit unter allen Umständen versuchen, Proteste zu organisieren. Bei Verstößen wird mit ernsthafter Strafverfolgung gedroht. Als Grund wurde angeführt, dass in den vergangenen Tagen einige Menschen die öffentliche Ordnung gestört und Menschen belästigt hätten.

Zugleich gaben die Islamisten die Bedingungen für Proteste in der Zukunft vor. Demnach müssen Organisatoren im Vorfeld eine Genehmigung des Justizministeriums einholen. Mindestens 24 Stunden vorher müssten der Grund der Demonstration, Ort, Zeit und Slogans Justiz und Sicherheitsbehörden mitgeteilt werden.

Die Taliban hatten in den vergangenen Tagen Demonstrationen mit Gewalt unterdrückt. Außerdem untersagten sie die Berichterstattung über die Proteste in den Medien. Frauen und Männer waren in der Hauptstadt Kabul und mehreren Provinzen unter anderem für Frauenrechte und Freiheit auf die Straße gegangen.

Westliche Staaten äußerten sich indes zurückhaltend zur neuen Taliban-Regierung in Afghanistan. Die von den Taliban angestrebte internationale Legitimität müssten die Islamisten sich durch ihr Handeln verdienen, sagte US-Außenminister Antony Blinken am Mittwoch auf der US-Luftwaffenbasis im rheinland-pfälzischen Ramstein. “Unserer Meinung nach kann sie nicht schnell verdient werden, sie kann nicht durch Worte allein verdient werden.” Der deutsche Außenminister Heiko Maas sagte zu einer möglichen Anerkennung: “Um die wird es nicht gehen, die sehe ich auch nicht im Moment.” Allerdings sprach er sich dafür aus, die Gespräche mit den Taliban fortzusetzen.

Maas und Blinken schalteten sich in Ramstein mit Amtskollegen aus mehr als 20 weiteren Staaten per Video zusammen. Blinken sagte, es habe Einigkeit in der Runde geherrscht, dass die Taliban sich internationale Unterstützung erst verdienen müssten. Auch Großbritannien hätte sich mehr Diversität in der Regierung gewünscht, wie ein britischer Regierungssprecher in London mitteilte. “Wir werden die Taliban weiterhin an ihren Taten messen.”

“Auch Russland und Indien erklärten Regierungskreisen zufolge in gemeinsamen Beratungen, die Taliban müssten sich an ihre Zusagen halten. Die in Afghanistan operierenden ausländischen Gruppen seien eine Gefahr für die gesamte Region. China betrachte die Einsetzung einer neuen Regierung als notwendigen Schritt zum Wiederaufbau Afghanistans, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking.

Der Widerstand gegen die Taliban im Panjshir-Tal ist nach Angaben des afghanischen Botschafters in Tadschikistan unterdessen nicht gebrochen. Reste der afghanischen Armee und Milizen setzten die Kämpfe gegen die Taliban fort, sagte der Gesandte der früheren Regierung, Sahir Aghbar, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Duschanbe. Er widersprach auch Angaben der Taliban, der Anführer der afghanischen Tadschiken, Ahmad Massoud, und der ehemalige Vizepräsident Amrullah Saleh seien ins benachbarte Tadschikistan geflohen. Beide seien im Panjshir-Tal. “Ich bin in permanenten Kontakt mit Amrullah Saleh”, sagte der Botschafter. Massoud und Saleh würden sich aus Sicherheitsgründen nicht selbst an die Öffentlichkeit wenden.

Die Taliban hatten am Montag erklärt, das Panjshir-Tal unter ihre Kontrolle gebracht zu haben. Massouds Vater war während der ersten Herrschaftsperiode der Taliban 1996 – 2001 der einzige Oppositionsführer, der eine Eroberung seines Heimatgebietes abwehren konnte.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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8 Kommentare auf "Taliban untersagen vorerst weitere Proteste in Afghanistan"


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brunner
brunner
Universalgelehrter
10 Tage 1 h

Besorgt? Selbst Schuld an der Misere…

Faktenchecker
9 Tage 23 h

Und der Blondie hat es angezettelt.

olter
olter
Tratscher
9 Tage 22 h

Du meinst der hat entschlossen, den Flughafen Bagram über Nacht zu verlassen vor dem ausgemachten Termin?
Belege bitte….

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
9 Tage 20 h

Ob Herr Maas Aussenminister bleibt? Oder kümmern sich dann die Linken um Afghanistan?

quilombo
quilombo
Superredner
9 Tage 16 h

Die Linke hat in Deutschland schon Anfang Juni gemahnt die Evakuierung vorzubereiten, bzw zu beginnen. Heiko Maas hat spöttisch abgewiesen, das sei nicht notwendig, sagte er. Ja ja, jetzt macht er die blöde Figur, wie fast andauernd in seiner stümperhaften Karriere.

Peerion
Peerion
Tratscher
10 Tage 41 Min

In Afghanistan werden bald einige neue Player auf den Plan treten, um dort ihre Stellvertreterkriege auszitragen. Die schlimmsten Zeiten werden für das Land noch hereinbrechen.
Der “Westen” wird sich unter Umständen mit Millionen von Flüchtlingen auseinandersetzen müssen, denn diese wollen keinesfalls in den Nachbarländern bleiben bzw. werden dort auch nicht geduldet.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Superredner
9 Tage 22 h

Besorgt?

Sa kommen die Amis aber etwas zu spät drauf……

heris
heris
Tratscher
8 Tage 23 h

Nur nicht in die inneren Angelegenheiten eines Landes hineinmischen  —  es kommt dabei nichts gutes heraus — sieht man nach Syrien da wurden auch zwei Parteien  von auswärts aufeinander gehetzt  und gebracht hat es Tod und Elend.

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